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Oberhalb von Pierstling führt die alte Trasse der Ortsverbindungsstraße von Grafing-Bahnhof nach Moosach durch den Wald. Sie stößt beim Betonwerk Demmel wieder auf die Staatsstraße und könnte als Radweg dienen.

Gemeinesamer Radweg angestrebt

Bruck und Grafing gehen aufeinander zu

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Interkommunale Zusammenarbeit gehört im Landkreis Ebersberg bislang eher noch zu den Stiefkindern. Das könnte sich jetzt ändern. Grafing und Bruck planen einen gemeinsamen Radweg.

Grafing/Bruck - Ein gemeinsames Gewerbegebiet für Grafing und Bruck war zwar in der öffentlichen Diskussion, wurde aber bisher nicht Realität. Wirklichkeit werden könnte dagegen ein gemeinsamer Radlweg zum neu geplanten Gewerbegebiet in Taglaching, für das sich die Brucker in einem Bürgerentscheid schließlich mit einer 64-prozentigen Mehrheit aussprachen. Eine demokratische Entscheidung war damit gefallen.

Die Bereitschaft zu diesem Radwege-Projekt bestätigten der Brucker Bürgermeister Josef Schwäbl (CSU) und seine Grafinger Amtskollegin Angelika Obermayr (Grüne) auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung. Die Motive für diese Zusammenarbeit sind vermutlich höchst unterschiedlich.

Bürger würden Radweg begrüßen

Schwäbl hat in der Vergangenheit die Nähe des umstrittenen Gewerbeareals zum nahen S-Bahnhof in Grafing- Bahnhof stets als Argument angeführt. Ein Rad- und Fußweg vom S-Bahn-Parkplatz zum neuen Standort würde dem Argument begegnen, es mangele hier an der verkehrsmäßigen Erschließung. Die Entfernung beträgt etwa einen Kilometer und wäre sogar zu Fuß leicht zu bewältigen. Obermayr hingegen versäumt keine Gelegenheit, die Bürger zur Benutzung des Rades aufzufordern. „Das Radl ist ein Fortbewegungsmittel, das das Auto ersetzen kann“, sagt sie. Die Bürger würden einen solchen Radweg wohl begrüßen. In der Debatte um das Gewerbegebiet gegenüber des Betonwerks Demmel wurde jedenfalls immer wieder auf den hohen Freizeitwert des Tales zwischen Grafing-Bahnhof und Moosach hingewiesen. Ein Rad- und Fußweg würde diesen Freizeitwert erhöhen. Also alles in Butter? Nicht ganz.

Kritik der Unteren Naturschutzbehörde

Das Radwegeprojekt von Grafing-Bahnhof nach Moosach hatte im Vorfeld besonders die Kritik der Unteren Naturschutzbehörde hervorgerufen. Der Grund dafür war der ursprüngliche Gedanke, das Projekt auf der ehemaligen und noch bestehenden Bahntrasse von Grafing-Bahnhof nach Glonn zu verwirklichen. Der Haken dabei: Der einst vom Menschen selbst angelegte Bahndamm darf vom Bürger nicht benutzt werden, weil er in den frühen 1990er Jahren zum „geschützten Landschaftsbestandteil“ erklärt wurde. Bei ihm handelt es sich vermutlich um eines der längsten Biotope im Landkreis Ebersberg.

Zu den größten Befürwortern dieses Radwegen zählt trotz dieser Sachlage Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Er hat auch an einer informellen Radtour teilgenommen, bei der zusammen mit dem Ingenieur Josef Gruber-Buchecker eine „Inventur“ gemacht wurde. „Ich bin beauftragt, nach Alternativen zu suchen“, bestätigt der Fachmann auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung. Die damalige Radlfahrt habe die Teilnehmer bis nach Glonn geführt, und dabei seien viele Feldwege in den Blickpunkt geraten, die in einen Radweg mit eingebunden werden könnten, schildert Gruber-Buchecker sinngemäß die Lage.

Noch keine konkreten Planungsvarianten

„Ich werde auf Grafing zugehen“, bestätigt Schwäbl eine nächsten Schritt und hofft, „dass wir gemeinsam etwas zustande bringen, das gut ist und beide wollen“. „Eine konkrete Trasse gibt es dabei noch nicht.“. Immerhin: Ein interkommunaler Radweg wäre wohl der Einstieg in ein Projekt, an dessen Ende eine Verbindung bis zum Steinsee und auch nach Glonn stehen könnte. Das freilich ist Zukunftsmusik ebenso wie die Frage der Kostenaufteilung. „Darüber haben wir uns noch gar keine Gedanken gemacht“, sagt Obermayr.

Obwohl es noch keine konkreten Planungsvarianten gibt, ist bereits über eine neue Möglichkeit nachgedacht worden. Oberhalb von Pierstling führt nämlich die alte Trasse der Ortsverbindungsstraße von Grafing-Bahnhof nach Moosach durch den Wald, die beim Betonwerk Demmel wieder auf die Staatsstraße mündet. Die könnte zum Radweg umgebaut werden.

Einziger Schönheitsfehler: Um in das Gewerbegebiet Taglaching in der Gemeinde Bruck zu gelangen, müsste eine Querungshilfe über die erst kürzlich neu asphaltierte Staatsstraße gebaut werden. Da der Gehweg vom Parkplatz in Grafing Bahnhof im Norden der Staatsstraße angelegt wurde, gälte das aber auch für alle anderen Varianten.

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