Hier wäre Platz: Die Fläche nördlich des ehemaligen Lentnergeländes ist für Gewerbe im Gespräch.
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Hier wäre Platz: Die Fläche nördlich des ehemaligen Lentnergeländes ist für Gewerbe im Gespräch.

Wirtschaft stagniert

Gewerbegebiet mit Ebersberg im Gespräch - Grafing will Platz für Unternehmen auf grüner Wiese

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Das Wirtschaftswachstum in Grafing stagniert. Die Lösung sollen neue Gewerbegebiete bringen. Möglicherweise in Kooperation mit den Nachbarn aus Ebersberg. Standorte gibt es schon.

Grafing – Schulen und Schwimmbad, Straßen und Stadthalle, sozialer Wohnungsbau und Infrastruktur im Allgemeinen: Die Stadt Grafing braucht viel Geld, um alle ihre Aufgaben bewältigen zu können. Eine Schlüsselposition kommt dabei der Gewerbesteuer zu. Sie ist neben der Einkommensteuer mit das wichtigste finanzielle Standbein der Stadt. Deshalb ist es nicht egal, ob erfolgreiche Unternehmen Grafing für einen attraktiven Standort halten.

„Wir müssen eine offensive Ansiedlungspolitik anstreben“, sagt Bürgermeister Christian Bauer (CSU). Im Bauausschuss erläuterte der Rathauschef auf Antrag von Claus Eimer von der FDP den Ist-Zustand in Grafing. Die Grundstücke im Gewerbegebiet Schammach II sind demnach fast alle vergeben. Südlich des bestehendes Areals, im Anschluss an eine Renaturierungsfläche besteht noch eine Erweiterungsmöglichkeit, kleinere Potenziale gibt es auch in Grafing Bahnhof.

Keine Genehmigung: Edeka-Supermarkt in Grafing darf nicht neu bauen

Einem Umzug des Edeka-Marktes in Haidling in ein neues Gebäude auf der anderen Seite der Straße gegenüber dem jetzigen Standort hat die Regierung von Oberbayern nach Auskunft von Bauer eine Absage erteilt. Grund dafür sei gewesen, dass es sich dabei auch um ein Warenangebot mit Innenstadtrelevanz handele. Früher habe es diese Regelung nicht gegeben.

Das größte Potenzial hat ein Gelände nördlich des ehemaligen Lentner-Geländes, bis hinauf zur B 304. Im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes ISEK haben Städteplaner diesem Areal als sogenannte „Prüffläche“ große Chancen bescheinigt, noch dazu, wo sich hier ein „gemeinsames“ Gewerbegebiet mit der Stadt Ebersberg anbieten würde – jeder auf seiner Seite. Offen bleibt, wie die Regierung von Oberbayern das beurteilen würde, wenn die beiden Städte weiter zusammenwachsen.

Vollbeschäftigung in Grafing: Bürgermeister sieht Platzbedarf für Gewerbe

Die Stadt Grafing sieht sich derzeit eher stagnierenden Gewerbesteuereinnahmen gegenüber. Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept wurde ein „potenzieller Gewerbeflächenbedarf von 4,6 Hektar in den nächsten 15 Jahren“ prognostiziert. Wie Bauer im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung erläuterte, habe die Corona-Pandemie nicht für einen nennenswerten Anstieg der Arbeitslosenzahlen in der Stadt gesorgt. Die Quote liege bei 2,0 Prozent, was nach wie vor ein Zeichen für Vollbeschäftigung sei, so der Bürgermeister.

Im Vergleich zu den Nachbarkommunen jedoch sei nicht zu übersehen, dass das Gesamtwachstum stagniere und folglich auch die Beschäftigtenzahlen. Grafing ist besonders stark im Bereich Handel, in Instandhaltung und Reparatur von Fahrzeugen, im Bereich Unterricht und Erziehung sowie im Verarbeitenden Gewerbe. Nicht zu übersehen sei auch, dass die Gewerbeanmeldungen seit fast zehn Jahren stagnieren oder teils sogar rückläufig seien. „Eine Bereitstellung von ausreichenden Flächen für die Erweiterung und Verlagerung, aber auch für die Neuansiedlung von Betrieben bleibt eine wichtige Voraussetzung für die Erschließung der wirtschaftlichen Potenziale“, diagnostiziert der Rathauschef.

Flächenversiegelung: Bürgermeister verteidigt Stadt als flächensparsam

Die Gewerbeflächenpolitik der Kommune müsse mit ihrem Angebot in Vorleistung gehen und vorausschauend agieren. Da an solchen Stellen von Kritikern meist das Argument der Flächenversiegelung in Stellung gebracht wird, weist Bauer darauf hin, dass in Grafing bisher sehr flächensparend Gewerbe entwickelt wurde und so im Verhältnis „viele Arbeitsplätze auf der Fläche“ entstanden seien. Bevor es aber zu Betriebsverlagerungen oder Auslagerung von Betriebsteilen jenseits der Grafinger Grenzen komme, müsse sich die Kommune bemühen, entsprechende Gebiete als Reserveflächen vorzuhalten.

Richtschnur könne dabei eine in fünf oder mehr Jahren zu erwartende Nachfrage sein. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept hat Prüfflächen für Gewerbeansiedlungen in der Stadt im Umfang von insgesamt 50 Hektar identifiziert. Platz genug wäre demnach vorhanden. Laut Bauer müsse auch alles dafür getan werden, dass Firmengründer nicht wieder aus Grafing vertrieben werden. „Das wäre kontraproduktiv“, sagt er.

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