Eine Atemluft-Wolke. (Symbolbild)
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Eine Atemluft-Wolke. (Symbolbild)

Keine Konsequenz für Jugendlichen

Rülps-Attacke von Teenager: Gericht bestraft Zivilcourage - Mutter des Rülpsers ist das richtig peinlich

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Ein 13-Jähriger rülpst einer Frau am Bahnhof frontal ins Gesicht. Ein Mann, der einschreitet, landet wegen Körperverletzung vor Gericht und muss 250 Euro zahlen. Nun hat sich die Mutter des Rülpsers gemeldet.

Update, Freitag, 26. März:

Überraschende Wende im Fall der Rülps-Attacke am Grafinger Bahnhof: Die Mutter des inzwischen 14-Jährigen hat am Donnerstag bei der Ebersberger Zeitung angerufen. Durch deren Bericht über die Gerichtsverhandlung habe sie erst erfahren, wie es wirklich gewesen sei. Sie sei alleinerziehend und habe selbst nicht viel Geld. Aber sie wolle 125 Euro zur Geldauflage beitragen, zu der der junge Mann verurteilt wurde.

Ihr sei die Sache peinlich, sie wolle Wiedergutmachung leisten, so gut sie könne. Die 125 Euro werden dem Buben vom Taschengeld abgezogen. Ein Grafinger Bürger hat sich zudem bei der Redaktion gemeldet und angekündigt, ebenfalls 50 Euro beizusteuern, zudem rief ein Mann aus Ebersberg an, der 25 Euro zusagte. Die Geldübergabe regelt der Anwalt, der den jungen Mann verteidigt hat.

Erstbericht, Mittwoch, 24. März:

Ebersberg - Ein Jugendlicher ohne Maske hat am Bahnhof in Grafing einer Frau lautstark, aus nächster Nähe und absichtlich mitten ins Gesicht gerülpst. Danach holte er zuerst seinen Vater und schließlich die Polizei. Der Auftritt, der nur Sekunden dauerte, hatte nun ein gerichtliches Nachspiel.

Vor dem Ebersberger Amtsgericht fand sich aber nicht der Rülps-Sünder auf der Anklagebank wieder, sondern ein 26-Jähriger Auszubildender, der die Zivilcourage hatte, diesen zurechtzuweisen. Ob und in welcher Weise es dabei Handgreiflichkeiten gab, musste der Richter klären.

Nach Vorfall am Grafinger Bahnhof: Keine Konsequenz für Rülps-Sünder

Dem 26-Jährigen aus dem südlichen Landkreis wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, er habe dem Jugendlichen im Juni 2020 nach dessen Rülpser mit der Faust auf die Lippe geschlagen, das Hoverboard des inzwischen 14-Jährigen beschädigt und außerdem dessen Kappe aufs Gleisbett geschleudert. Der junge Mann in Ausbildung räumte den Kappenwurf ein, den Rest bestritt er.

So hatte sich der Vorfall laut Zeugenaussagen abgespielt: Der Jugendliche war zusammen mit zwei Freunden am Bahnhof in Grafing, wo sie sich Cola kauften. „Wir haben rumgerülpst“, sagte er aus. Der junge Zornedinger näherte sich einer arglos auf einer Bank sitzenden Frau von hinten, beugte sich seitlich über sie, und rülpste ihr ohne Maske überraschend voll mitten ins Gesicht. Die so „Geföhnte“ stieg perplex in die S-Bahn nach München. Der 26-Jährige Angeklagte stellte den Jugendlichen aber vorher zur Rede und verlangte eine Entschuldigung. Über den weiteren Verlauf wichen die Aussagen voneinander ab.

Von hinten über Frau gebeugt und ihr ins Gesicht gerülpst - keine Konsequenzen für den Jugendlichen

Nach einer ausführlichen Belehrung durch den Richter, dass man vor Gericht nicht lügen dürfe, sprach der 14-Jährige statt von einem Faustschlag nur mehr davon, dass er gepackt worden sei und danach Schmerzen gehabt habe. Auf einem Polizeifoto war von einer geschwollenen Lippe nichts zu sehen.

Eine weitere Zeugin hatte nicht viel gesehen, ein anderer Zeuge blieb, entschuldigt von seiner Mutter, mit Fieber im Bett daheim. Gegen eine Geldauflage von 250 Euro für den 26-Jährigen an die Staatskasse wurde das Verfahren schließlich eingestellt. Damit waren der Angeklagte, sein Verteidiger und die Staatsanwältin einverstanden. Für den Jugendlichen hat der Vorfall keine weiteren Konsequenzen - zum Zeitpunkt der Rülps-Attacke war er ohnehin erst 13 Jahre alt und damit strafunmündig.

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(Von Michael Seeholzer)

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