Steine statt Erde: Das gefällt der Bayernpartei nicht. Sie will, dass die heimischen Gärten wieder naturnaher werden.
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Steine statt Erde: Das gefällt der Bayernpartei nicht. Sie  will, dass die heimischen Gärten wieder naturnaher werden.

Schluss mit Buddhas, Bambus und Pampasgras

Grafinger Bayernpartei spricht sich für Rassismus im Blumenbeet aus

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Es ist kein Scherz. Der Ortsverband Grafing der Bayernpartei tritt ganz offen für Rassismus ein – für Rassismus im Blumenbeet.

Grafing/Landkreis– Jetzt, wo Baumärkte und Gartencenter wieder geöffnet sind, fordert die Partei alle Hobbygärtner auf, mehr Sträucher, Stauden und Blumen „unserer bayerischen Heimat“ zu pflanzen. „Die Einschränkung auf Heimisches würde auf der Speisekarte und in der Hitparade eine unerwünschte kulturelle Einschränkung darstellen, wäre aber in den Gärten ein echter Fortschritt“, so die Partei, die ab Mai im Grafinger Stadtrat vertreten ist.

Exotik statt Nützlichem

Zeitgleich mit italienischer Kost und englischen Schlagern sei auch die Exotik in den Kleingarten eingezogen. Anstelle von Nützlichem und Heimischem sei Unfruchtbares und Fremdes modern geworden. Einiges davon wie das Franzosenkraut fügte sich brav in die heimische Flora ein. Einiges wie die kanadische Wasserpest, das indische Springkraut oder der japanische Knöterich degradierten dagegen ganze Biotope zu Monokulturen. Mangels Artenkenntnis und Ortswissen freuten sich sogar manche Zeitgenossen über die blühenden Blumen z.B. auf Kahlschlägen, ohne zu bedenken, dass hier eigentlich andere Pflanzen wie Fingerhut, Glockenblumen oder Hasensegge daheim wären, die zahlreichen Tieren Lebensgrundlage seien.

Artenschutz geht nicht nur Landwirtschaft an

„Selbstverständlich ist es jedem unbenommen, sich seinen Garten einzurichten wie er mag. Wenn jemand meint einen oberbayerischen Reihenhausgarten mit Buddhas, Bambus und Pampasgras auszustatten, dann ist das natürlich sein gutes Recht“, führt Andreas Franz von der Ortsgruppe Grafing aus. „Aber dass erfolgreiche Volksbegehren für den Artenschutz, sollte eigentlich alle Menschen sensibilisiert haben, dass Artenschutz nicht nur Sache der Landwirtschaft, sondern von uns allen ist.“

Ausgleichsflächen im Siedlungsgebiet

Früher sei auf einem 400-Quadratmeter-Grundstück Platz für Obstbäume, Beerensträucher, Steingarten und Holzschuppen gewesen. Zauneidechse, Zebraspinne und Zaunkönig hätten dort mühelos ihr Auskommen. Heute stünden dort drei Reihenhäuser. Auf den verbleibenden 30 Quadratmeter noch Platz für Tiere und Pflanzen zu bieten, sei schwierig. Nicht nur die Struktur der Landwirtschaft habe sich in den letzten 50 Jahren verändert, Verdichtung und neue Baugebiete hätten auch in den Gemeinden dazu geführt, das immer weniger Platz für die heimische Natur bleib. Oder wie es der designierte Grafinger Stadtrat der Bayernpartei Walter Schmidtke ausdrückt: „Bei der Naturferne heute, bräuchten wir angesichts des Versieglungsgrades eigentlich Ausgleichsflächen im Siedlungsgebiet.“

Die Naturschützer hätten in den vergangenen Jahren den Artenschutz sehr stark zu einer Nahrungsdiskussion verkürzt. Aber nicht nur der Mensch lebe nicht vom Brot allein, so benötigten auch Insekten mehr als ein paar Blüten. Das gehe bei Lehm und Holz als Nistmaterial los und ende bei verholzten Staudenstengeln als Winterquartier. „Denn natürlich können die heutigen Gärten das nicht alles ausgleichen, aber warum nicht einigen der schönen und anspruchslosen heimischen Gewächse wieder einen Platz anbieten, wie dem Gelbstern oder der Königskerze? Wer die Wilde Karde mag, kann sich nicht nur über hübsche Blüten, summende Insekten sondern auch im Herbst über jubilierende Distelfinken freuen. Ebenso bieten die immer noch verpönten Wildkräuter Käfern und Raupen eine Heimat“, so die Bayernpartei.

Partei will auch beraten

Beratung dazu finde man beim Gartenbauverein und dem Landesbund für Vogelschutz, sowie, „wenn’s auch nicht zu den primären Aufgaben einer Partei gehört“, beimGrafinger Ortsverband der Bayernpartei, die zum Schluss noch diesen Tipp auf Lager hat: „Sollten einen Geißfuß, Hühnerdarm und Löwenzahn zu sehr ärgern, dann kann man sie zur Rache wunderbar als Kräuterpfannkuchen oder Neunkräutersuppe einfach aufessen.“

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