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Christian Tradler (r.) von der DB Netze stand besorgten Bürgern in der Stadthalle Rede und Antwort.

Großer Andrang bei Infoveranstaltung in Grafing

Brenner-Zulauf: Böse Überraschung bei Trasse

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Welche Belastungen werden auf den Kreis Ebersberg zukommen mit der Inbetriebnahme des Brenner-Nordzulaufs? Betroffen sind Tausende von Bürger.

Grafing/Aßling – Etwa 230 davon fanden sich in der Grafinger Stadthalle ein zu einem Informationsabend, zu dem Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) eingeladen hatte. Die Lärmkorridore reichen jetzt schon weit in Siedlungsbereiche quer durch den Landkreis hinein, die Bürger beschweren sich deshalb immer wieder.

Dialog mit Anliegern

Die Veranstaltung war eine Vorbereitung für den eigentlichen, planungsbegleitenden Dialogprozess mit den Anliegern, der noch in diesem Jahr starten soll mit regionalen Runden Tischen. Informationen von Substanz gab es am Dienstagabend aber auch schon und die waren den Besuchern vollkommen neu.

Zwei neue Gleise

Wie Christian Tradler von der DB Netz AG bestätigte, werden zwischen Großkarolinenfeld und Grafing-Bahnhof zusätzlich zur bestehenden Trasse zwei neue Gleise entstehen. Sie werden sich aber nicht zwingend am Bestand orientieren, vor allen Dingen auch deswegen nicht, weil die alte Trasse Radien aufweist, die höheren Zuggeschwindigkeiten im Weg stehen, wie Tradler bestätigte. Die bestehende Trasse ist auf Höhe Lorenzenberg, Pfadendorf und Schammach verschwenkt und läuft erst ab dem Gewerbegebiet Eglharting Nord nahezu schnurgerade durch den Landkreis München zum Ostbahnhof.

Lenz: „Keine Gespenstertrassen“

Bei einer vorangegangenen Informationsveranstaltung in Aßling im Mai vergangenen Jahres hatte der Wahlkreisabgeordnete Andreas Lenz (CSU) noch gefordert: „Wir brauchen keine Gespenstertrassen, sondern sie so nahe als möglich am Bestand.“ 

Die Ebersberger Zeitung berichtete im Anschluss, dass von Großkarolinenfeld bis Grafing-Bahnhof zur Ertüchtigung der Fernbahnstrecke München-Verona die Erstellung zweier neuer Gleise vorgesehen sei. „15 bis 20 Meter wird man dafür brauchen. Eine Autobahn braucht locker das Doppelte“, sagte Tradler damals. Die Planung sei ausgelegt auf maximal 480 Züge am Tag, die bis zu 750 Meter lang sein sollen. Bei dieser Aussage blieb es weitgehend auch am Dienstagabend, allerdings mit einer Zusatzinformation: Die Neubaustrecke wird keine Personenbahnhöfe erhalten, sie dient rein dem Güterverkehr und der soll eine maximale Geschwindigkeit von 230 Stundenkilometern entwickeln können.

Bahn denkt großräumig

Die Bahn denkt bei der Neu-Trassierung offensichtlich großräumig. „Das erklärt auch, warum zu den Besprechungen immer die Bürgermeister von Bruck und Frauenneuharting mit eingeladen wurden“, sagt Bürgermeisterin Angelika Obermayr. Der Güterverkehr soll nicht alleine über den Knoten München abgewickelt werden, Entlastung soll auch durch den Ostkorridor Mühldorf, Landshut, Regensburg erfolgen, so Tradler.

Endgültig fertig und in Betrieb genommen wird die Gesamtstrecke Ende der 30er Anfang der 40er Jahre. Das sieht nur auf den ersten Blick nach einer „Gnadenfrist“ aus für die Anlieger. Der Zugverkehr wird durch die abschnittsweise fertiggestellten Trassenteile nämlich vorher schon enorm zunehmen, unter anderem durch eine Art Autopilot für Züge, das „European Train Control System“, das höhere Verkehrsfrequenzen zulässt.

Bahn: Die Züge werden leiser

Marianne Künzel aus Aßling macht diese schleichende Verkehrssteigerung Sorgen, weil sie nicht automatisch, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt von Lärmschutzmaßnahmen flankiert werden könnte. „Wie sollen die Bürger diese Jahre überstehen“, frage sie Tradler. „Die Züge werden leiser“, meinte der. „Die Zugzahlen sind zu hoch, das wird Auswirkungen auf den S-Bahnverkehr haben“, kritisierte Susanne Höpler mit Blick auf den „Flaschenhals zwischen Grafing und Trudering“. Das schloss Tradler aus: „Der S-Bahn-Ausbau ist oberstes Ziel, das werden wir nicht behindern.“ 

Lesen Sie auch: Bürger fordern: Mit Lärmschutz jetzt beginnen

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