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Das Lieblingsessen vieler Kinder in den Schulmensas: Wiener Schnitzel. Doch wer soll es zubereiten? 

Beispiel Grafing

Bürokratiewahnsinn: Juristen in der Schulküche

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Gesund sollte es sein und günstig: das Essen in der Mensa.  Eine entscheidende Zutat macht es schwer verdaulich, nämlich das Vergaberecht.

Grafing/Landkreis –  Die Grafinger brauchen einen neuen Caterer. Der Vertrag mit einem örtlichen Versorger für die Mensa der Grund- und Mittelschule musste gekündigt werden. „Jetzt war die Frage, wie es mit der Ausschreibung weitergeht“, erläuterte Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne). Einfach verlängern geht nicht. Mitbewerber könnten klagen.

Wenn man den Ausführungen von Obermayr folgt, ließe sich das Grafinger Beispiel vermutlich auf einige Kommunen im Landkreis Ebersberg übertragen. Die Vergabe für entsprechende Schülerversorgung werde in den jeweiligen Gemeinden nämlich recht hemdsärmelig gehandhabt, berichtete sie von einer kurzen Umfrage in einigen Rathäusern. Wer aber zu blauäugig an das Problem herangeht, kann ein blaues Wunder erleben.

Traunstein als abschreckendes Beispiel

Die Stadt Traunstein, so haben Recherchen der Grafinger Rathauschefin ergeben, kann da als Beispiel gelten. Dort bekam der billigste Bieter den Zuschlag zur Lieferung des Mittagessens für die Schüler der örtlichen Mittelschule – mit einem unbeabsichtigten „Nachschlag“: Dass das Essen über 400 Kilometer in die dortige Speisung zurücklegen muss, wo es dann aufgewärmt wird, sorgte überregional für Aufsehen und Kritik. Die Ausgestaltung der Ausschreibung ließ keine andere Möglichkeit zu. Kein Wunder, dass Obermayr auf eine entsprechende Nachfrage zur einfachen Vergabe von der Traunsteiner Verwaltung den Rat bekam: „Tun Sie das nicht, nehmen sie ein Büro, beauftragen sie einen Fachmann.“

Obermayr informierte in der jüngsten Stadtratssitzung das Gremium, dass sie diesem Rat jetzt folgen wolle, auch wenn dafür 5000 Euro Kosten anfallen würden. Tatsächlich kursieren aber Zahlen bis zu 10 000 Euro für die Erstellung einer rechtlich unangreifbaren Ausschreibung. 

Eingeschränkt in den Wünschen

„Wir können zwar Manches gewichten, sind aber beschränkt in unseren Wünschen“, teile Obermayr ihren Informationsstand auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung mit. Wünschenswert wäre Regionalität, der Fachmann soll jetzt einen Weg aufzeigen, wie das verwirklicht werden kann, ohne dass sich die Stadt damit rechtlich angreifbar macht. „Wir wissen, was wir wollen“, sagt Obermayr und verweist dabei auf einen Runden Tisch zum Thema Schülerspeisung. „Die Wünsche des Stadtrats sollen da mit einfließen“, verspricht sie, die entsprechenden Kriterien gemeinsam festzulegen.

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In Traunstein kam bei der kritisierten Ausschreibung eine Köchin nicht zum Zug, weil ihr Angebot etwas teurer war als das des Mitbewerbers, der schließlich den Zuschlag bekam.

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Der jetzt eingeschlagene Weg soll konsequent weiter beschritten werden. „Auch wenn wir die Einzigen im Landkreis sind, wir kommen da nicht aus, auch wenn es mir leid tut“, meinte Obermayr. 

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