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Die Globetrotter Claudia und Jara mit ihrer mitfahrgelegenheit Christophe. Er ließ sie sogar in seiner Firma übernachten.

Claudia Gassner und Jaromir Hruby aus Grafing haben alles hinter sich gelassen

Sie sind dann mal weg - auf Weltreise

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Der Job und die Wohnung sind gekündigt, Auto und Möbel verkauft, alles was über bleibt, ist ein Rucksack. Das bisherige Leben gibt es nicht mehr. Aufgegeben für eine Weltreise. 

Ebersberg – „Reisen ist die einzige Sache, die du kaufen kannst und dich reicher macht.“ Der Spruch steht in Claudia Gassners (26) Whatsapp-Profilbild und dient gleichzeitig als ihr Credo. Momantan sind sie und Jaromir Hruby an der Küste Brasiliens.

Videoanruf bei den beiden Reisenden: Auf dem verpixelten Bildschirm erscheint das Pärchen, sie sitzen entspannt auf einer Bank, die Sonne scheint, im Hintergrund sitzen kleine Äffchen im dichten Wald.

Die Weltenbummler sind in einem kleinen Küstenörtchen mit dem süßen Namen Pipa. 7577 Kilometer weit weg. Das salzige Atlantikwasser kann man fast durch den Hörer riechen, während in Ebersberg der Regen gegen die Fenster nieselt. Neid kommt auf.

Vor fünf Monaten gestartet

„Vor fast fünf Monaten sind wir am Ebersberger Ortsschild gestartet“, sagt Claudia Gassner, die alle Claudi nennen. Die Idee für die Reise entstand aber schon viel früher. Vor zwei Jahren. „Wir wollten neue Erfahrungen sammeln, neue Sprachen lernen, andere Essenskulturen kennenlernen“, sagt Jaromir Hruby (28). Der gebürtige Tscheche wird Jara genannt und hat es als Koch besonders auf die Kulinarik in den fernen Ländern abgesehen.

Sie vermissen Freunde und Familie

Ihr Leben in Grafing hinter sich zu lassen, fanden die Beiden erleichternd, obwohl sie oft Zweifel hatten, ob sie wirklich alles aufgeben sollten. Sie vermissen Freunde und Familie. Aber nach fast fünf Monaten sind sie sicher: Es war eine gute Entscheidung. In der Zeit vor ihrer Reise haben sie Überstunden geschoben, gespart, auf jeden Luxus verzichtet. Vor einem halben Jahr haben sie ihre Jobs gekündigt; Jara bei der Kugleralm, Claudi beim Wirtshaus zur Gass. Sie haben ihre Wohnung gekündigt, Möbel und Autos verkauft. Übrig geblieben sind zwei Rucksäcke und jeweils 15 000 Euro auf den Bankkonten.

Mit ausgestrecktem Daumen am Ortsschild

Zusammen um die Welt: Claudi und jara in einem Nationalpark im Osten Brasiliens.

Mit ausgestreckten Daumen standen sie schließlich am nördlichen Ortsschild von Ebersberg. „Wir hatten Angst, dass uns kein Autofahrer mitnehmen will“, sagt Claudi. Dann hätten sie in ihrem Zelt in Ebersberg übernachten müssen. Nach fünf Minuten hielt aber ein Auto an. Baden-Baden, Frankreich, Bilbao. Von dort aus ging’s zu Fuß nach Lissabon. Weil der 20-Kilo-Rucksack für Claudi zu schwer war, hatte sich das Paar eine Sackkarre gebastelt. Trotz 14 Reifenpannen hatten sie es in die portugiesische Hauptstadt geschafft. Von dort aus flogen sie in die brasilianische Stadt Salvador. Das Flugzeug nahmen sie nur, weil es nach Brasilien bekanntlich keinen Landweg gibt.

3700 Kilometer per Anhalter gereist

Auf ihrer Reise haben die Abenteurer bereits viel erlebt. Sie haben in einer Art Kommune gelebt, dort an einem Haus mitgebaut, sie wurden während einer Mehrtageswanderung von einem Unwetter überrascht. Und immer wieder nette Menschen, die sie in ihren Autos mitgenommen haben. 41 mal wurden sie mitgenommen, insgesamt 3700 Kilometer sind sie per Anhalter gereist. Ein Franzose nahm die beiden hunderte Kilometer in seinem Sprinter mit und ließ sie in seiner Gewürzfirma übernachten. Schlafen zwischen Pimentgläsern.

Theoretisch müssen sie nicht zurück

So viel Zeit zusammen zu verbringen, ist für das Paar eine Herausforderung. „Schlechte Laune lässt man schnell an dem anderen aus“, sagt Jara. In Spanien schliefen sie nach einem Streit für eine Nacht getrennt. Tags darauf haben sich die Grafinger aber wieder zusammengerauft. „Wir teilen uns gut auf“, sagt die junge Frau. Sie ist die Organisatorin, Jara ist für’s Technische und Packen zuständig.

Bald wollen sie auf dem Amazonas nach Peru fahren. Wie lange die Globetrotter herumreisen wollen, wissen sie nicht. „Theoretisch müssten wir nie wieder zurück“, sagt Claudi. Noch in Grafing hätten sie alles geregelt.

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