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Die Stadthalle Grafing (hier Landfrauentag 2019) ist ein Sorgenkind der Kommune. 

Stadthalle als Wahlkampfthema

Grafinger CSU verschickt unangenehme Urlaubsgrüße

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Die sanierungsbedürftige Stadthalle ist von der Grafinger CSU um Wahlkampfthema Nummer 1 auserkoren worden. Mitten in deren Urlaub konfrontiert sie Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) mit einem Fragenkatalog.

Grafing –  In dem Schreiben wird von CSU-Stadtratsfraktion und -Ortsverband auch thematisiert, dass der mit der Stadthallen-Untersuchung beauftragte Architekt Klaus Beslmüller Obermayrs Schwager ist. Die CSU versucht dem Verdacht der Vetternwirtschaft Nahrung zu geben.

Halle muss dringen saniert werden

Zum Hintergrund: Die gut 30 Jahre alte Stadthalle, die ein jährliches Defizit von rund 400 000 Euro verursacht, muss dringend saniert werden, sonst droht die Schließung. Das Hauptproblem sind asbesthaltige Brandschutzklappen an der Lüftungsanlage, die ausgetauscht werden müssen. Das Landratsamt hat der Stadt eine Frist bis Ende des Jahres gesetzt, die allerdings später auf Mitte 2020 verschoben wurde. Allein die Kosten für die Lüftung werden auf 1,7 Millionen Euro geschätzt.

CSU sieht Verschleppung des Problems

Die CSU spielt in ihrem Fragenkatalog auf eine Verschleppung des Problems an. und will wissen, warum die Brandschutzklappen nicht schon 2016 ausgetauscht wurden, obwohl das Asbest in deren Dichtungen schon damals thematisiert worden sei. 

Zudem fragen Fraktionssprecher Max Graf von Rechberg, sein Stellvertreter Thomas Huber und Ortsvorsitzender Florian Wieser, warum der Stadtrat erst jetzt darüber informiert wurde, dass der Halle zum Ende des Jahres die Schließung droht. Ein entsprechendes Schreiben des Landratsamts habe die Stadt schon Ende Juni 2018 erhalten.

Fragen zum Schwager

Und dann die Sache mit dem Schwager. Die CSU schreibt: „Gab es für diese umfangreiche Beauftragung an Ihren Schwager, Herrn Beslmüller, einen Gremien-Beschluss? Wie viele Aufträge wurden seit dem Amtsantritt der Bürgermeisterin an Herrn Beslmüller bzw. die Fa. Plus vergeben, wie hoch war der jeweilige Angebotspreis und was wurde dann tatsächlich in Rechnung gestellt? Gab es dazu Gremienbeschlüsse?“

Einhellig wäre erste Wahl gewesen

Der Hinweis auf ihre Verwandtschaft mit Klaus Beslmüller (die Ehefrau von Beslmüller ist die Schwester des Mannes von Obermayr) sei an dieser Stelle müßig – die Tatsache sei seit Jahren bekannt, schreibt die Bürgermeisterin aus dem Urlaub. Das technische Bauamt der Stadt und sie selbst hätten „sehr gerne Architekt und Stadtrat Christian Einhellig (dessen Vater ja der Architekt der Stadthalle war) mit der Untersuchung der Stadthalle beauftragt, der dies aus verschiedenen Gründen jedoch abgelehnt hat.“ Das technische Bauamt habe daraufhin Beslmüller präferiert, „aufgrund der guten Erfahrungen mit seiner Arbeit bei Sanierungen im Bestand (z.B. Rathaus, Dreifachturnhalle).“

„Nur ein Kleinauftrag an Beslmüller“

Seit ihrem Amstantritt habe sie an Architekt Beslmüller nur einen Kleinauftrag „im Wert von einigen Tausend Euro vergeben – eine Kostenschätzung für eine „Minimalsanierung“ der Rotter Straße.“ Obermayr: „Es sei mir der Hinweis erlaubt, dass die Brandschutzsanierung Rathaus, Sanierung Dreifachturnhalle und die Neubauplanungen Rotterstraße 8 von meinem Vorgänger Herrn Heiler an Herrn Beslmüller vergeben wurden. Es kann also durchaus die Feststellung getroffen werden, dass nach meinem Amtsantritt ein Einbruch der städtischen Aufträge an das Büro Beslmüller eingetreten ist. Eine Skandalisierung meines Verwandtschaftsverhältnisses, wie es in Ihrer Anfrage und in Facebook-Beiträgen von Herrn Thomas Huber versucht wird, ist hier also vollkommen unangebracht.“

Probleme seit 2009 bekannt

Die baulichen Probleme der Stadthalle sind laut Obermayr dem Stadtrat seit 2009 bekannt. In diesem Jahr sei eine langdauernde, im Bestand zu erledigende Sanierung der Elektrik vom Bauausschuss beschlossen worden.

Lesen Sie auch: Stadthalle Grafing: Abriss steht zur Debatte

„Das ganze Paket der Sanierungsmaßnahmen, bestehend aus Brandschutz- und Elektroarbeiten wurde auch im Juli 2017 im Bauausschuss behandelt und beschlossen“, so Obermayr. Jetzt gelte es, die Lüftungsanlage zu sanierung (Kosten: 1,7 Millionen Euro), um die Halle weiter nutzen zu können. Obermayr: „Meine persönliche Präferenz ist, ohne einer Entscheidung des Stadtrats vorgreifen zu wollen, dass ein Abriss nicht nachhaltig ist und das Gebäude stadtbildprägend erhaltenswert ist. Ungeachtet aller bautechnischer und wirtschaftlicher Bedenken.

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