Die grüne Jugend hat es sich in der Eiche bereits eingerichtet. Die ersten Hängematten sind da.
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Die grüne Jugend hat es sich in der Eiche bereits eingerichtet. Die ersten Hängematten sind da.

Demonstration in Seeschneid gegen Fällung einer 300 Jahre alten Eiche

Der Protest wird lauter: „Die Hängematten hängen schon“

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Die Bürger nehmen das nicht hin: Mit einer Demonstration bekräftigten knapp 200 Teilnehmer, dass sie die Fällung einer 300-jährigen Eiche für einen Umwelfrevel halten.

Grafing/Seeschneid – Der Baum soll einem Straßen und Radwegebau vom Kreisel in Seeschneid Richtung Nettelkofen weichen (wir berichteten). Dagegen wurde am Samstag mit einer Kundgebung protestiert. Die Spuren, die die Bagger bereits in der Landschaft hinterlassen haben, bildeten dazu die Kulisse.

Organisator war der Bund Naturschutz

Die Organisation lag in den Händen des Bund Naturschutz. Der Ablauf wurde von Klaus Grünebach dirigiert. Die Demonstranten trugen Mund-Nasen-Masken und wurden aufgefordert, auch bei der abschließend gebildeten Menschenkette die vorgeschriebenen Mindestabstände einzuhalten. Diese Maßnahmen erschwerten zwar den Demonstrationsablauf, ließen aber kaum einen Zweifel daran aufkommen, wie ernst es den Teilnehmern ist, die bei brütender Hitze mit ihren Masken schwitzend und schwer atmend bis zum Schluss der Kundgebung aushielten.

„Verzichten und Bäume pflanzen“

Die Rednerliste war lang. Die Vorträge reichten von der Rezitation eines romantischen Hölderlingedichts bis hin zu harten Fakten, mit denen der Meteorologe Björn Walz aus Grafing die Demonstranten konfrontierte. Der Gehalt an CO2 in der Luft hat laut aktuellen Messungen einen neuen Rekordwert von 417 ppm erreicht. Es gebe nur zwei Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken. „Einfach verzichten ohne Komfortverlust und Bäume pflanzen“, sagte Walz. Da sei die Beseitigung der 300 Jahre alten Eiche in Seeschneid gerade kontraproduktiv, auch wenn der Baum pro Tag nur soviel Kohlendioxid speichern könne, wie eine Autofahrt über 500 Meter verursache. Eine Fällung solcher Bäume sei „unsinnig“, so Walz. Die Eiche mit ihrer Pfahlwurzel komme am besten mit dem trockenen Klima zurecht, das zu erwarten sei.

Zwischendurch starker Beifall

„Es ist unverständlich, dass das den Planern nicht aufgefallen ist“, meinte die Vorsitzende der Grünen im Ebersberger Kreistag, Waltraud Gruber zur Vorgeschichte. Weil aber auch die SPD-Kreisrätin Bianca Poscherieder von einer „falschen Entscheidung im Umweltausschuss“ sprach, könnte bei dem einen oder anderen Demonstrationsbesucher der Verdacht aufgekommen sein, dass die Kreisräte selbst hier Entscheidungen trafen oder befürworteten, ohne sich die Mühe zu machen, vorher einmal wenigstens den Ort zu besichtigen, über den sie im Landratsamt entschieden. Poschenrieder jedenfalls meinte, würde an der Stelle, wo die Eiche steht, eine 300 Jahre alte Kapelle stehen, es wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, sie wegen eines Straßenbaus abzureißen. Dafür gab es starken Beifall.

Kindliche Kritik an Landrat

Knapp zweihundert Personen nahmen an der Demonstration gegen die Fällung der Eiche in Seeschneid teil.

„Ich finde, dass es gar keinen Grund dafür gibt, die wundervolle Eiche zu töten“, sagte das zehnjährige Mädchen Rosamond in einem kurzen Vortrag. Sie hatte einen Brief an Landrat Robert Niedergesäß (CSU) geschrieben, und auch eine Antwort erhalten, die das Bedauern über die jetzige Entwicklung zum Ausdruck brachte. Das reichte der Fünftklässlerin nicht: „Ich finde, dass sich der Landrat nicht genug Mühe macht“, sagte das Mädchen mit fester Stimme.

Robert Böhnlein, Kreisrat der Bayernpartei kritisierte, dass die Eiche als Stück unserer Heimat „zivilisatorischen Ansprüchen“ weichen solle. Alles werde berechnet, als ob es ausschließlich wirtschaftliche Gesichtspunkte gäbe, kritisierte Marlene Ottinger von der Linken. Da gab ihr Charlotte Schmid, die Initiatorin der Online--Petition recht. „Die Politiker wissen nicht alles besser als die Bürger“, sagte sie. „Wenn sie sich irren, kann man sagen: Stop!“ Und weil inzwischen 3300 Personen die Petition unterstützen, „sind wir nicht mehr zu überhören“.

Die Schülerinnen Laura und Anna erinnerten daran, dass eine alte Eiche dieses Formats „ein ganzer Lebensraum für sich“ sei.

Kommen bald „Baumbesetzer?“

In seiner Krone hat sich übrigens eine neue Spezies festgesetzt. Tobias Manegold von der Grünen Jugend meinte: „Wir kritisieren die Verantwortlichen im Landratsamt. Die Hängematten hängen schon und das Baumhaus ist auch in Planung. Wenn die Politiker nicht reagieren, haben wir auch kein Problem damit.“

Organisator Klaus Grünebach versprach den Jugendlichen, er werde sie im Falle einer „Baumbesetzung“ mit Essen versorgen. Dann machten sich die Demonstranten auf zur Menschenkette. „Mich würde es freuen, wenn die da oben bleiben würden“, meinte Grünebach über die Jugendlichen der Grünen.

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