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Vor dem Landgericht München II wird der Grafinger Fall verhandelt. Eine Frau hat ein Modegeschäft verklagt, weil sie darin gestürzt war.

Prozess vor dem Landgericht

Gestürzt: Frau will 25 000 Euro von Grafinger Geschäft

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Sie wollte für ihre Schwiegertochter ein Oberteil kaufen und brach sich beide Füße. Jetzt hat eine 70-Jährige ein Bekleidungsgeschäft in Grafing wegen mangelnder Verkehrssicherungspflicht verklagt.

Grafing – Vor dem Landgericht forderte die Frau 25 000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz, weil sie in dem Geschäft gestürzt war. Vermutlich einigen sich Kundin und Geschäftsführer auf einen Vergleich von 5000 Euro.

Es war ein heißer Junitag 2017, als die flotte Seniorin plötzlich im Geschäft zu Boden ging. Sie stürzte in einen kreisrunden, tiefer gelegten Bereich, der eigentlich für Kinder und die Kaffeebar gedacht ist. Der Geschäftsführer vermutete zunächst einen Schwächeanfall und tatsächlich soll ihm die Frau erklärt haben, es sei so heiß, vielleicht habe sie einen kleinen Blackout gehabt.

Klägerin: Ich hatte keinen Schwächeanfall

Vor Gericht wollte die Seniorin davon aber nichts wissen. „Ich hatte keinen Schwächeanfall, nichts“, sagte sie. Sie sei ihrer Schwiegertochter gefolgt, von der Herren- in die Damenabteilung. Eine auffällige Bodenmarkierung will sie nicht bemerkt haben. Ihr Blick sei nach vorne gerichtet gewesen. Angeblich standen damals die Kleiderständer ziemlich nah an der Kante zum tiefer gelegten Bereich. „Ich habe noch gedacht, dass ist ein bisschen doof hier“, erinnerte sich die Schwiegertochter als Zeugin vor Gericht. Sie wollte die 70-Jährige noch warnen, da war sie schon gestürzt.

Der rechte Knöchel schwoll sofort an und wurde blau, die Schmerzen waren so gemein, dass die Klägerin gleich stöhnte. Sie kam ins Krankenhaus, wurde zweimal operiert. Einen Monat saß sie im Rollstuhl, konnte bis Mitte September nur an Krücken oder am Rollator gehen. Vom Bekleidungsgeschäft verlangte sie 250 Euro Fahrtkosten, Haushalts-Führungskosten in Höhe von 15 000 und 10 000 Euro Schmerzensgeld. Sie hielt die Verkehrssicherungs-Pflicht für verletzt. Diese Bodenabsenkung ergebe keinen Sinn, argumentierte sie.

Spielfläche war farblich getrennt

Aus Sicht der Geschäftsleitung war die Spielfläche durch einen roten Teppich farblich abgetrennt, die Ränder mit schwarz-gelben Markierungen deutlich aufgezeichnet. Diese Markierungen würden alle zwei Jahr erneuert, hieß es. Bislang war es zu keinem vergleichbar schweren Unfall gekommen, die Seniorin wusste aber vom Hören-Sagen, dass etliche Kundinnen angeblich schon beinahe im Geschäft gestürzt wären.

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Die Richterin mahnte wiederholt zum Vergleich an und schlug als Summe 5000 Euro vor. Der Geschäftsführer und sein Anwalt erbaten sich zwei Wochen Prüffrist. Sollten sie den Vergleich ablehnen, will die Richterin einen Ortstermin in Grafing anberaumen.

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