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Demonstration im Stadtpark in Grafing. Inzwischen gibt es konkrete Forderungen.

Das fordern die „FridaysForFuture“-Aktivisten

Grafing soll  Klimanotstand erklären

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Die Klimadiskussion in Grafing nimmt Fahrt auf. Formulierten die Demonstranten anfänglich nur allgemein gehaltene Erwartungen, werden inzwischen konkrete Forderungen erhoben. Auch der Stadtrat soll sich befassen.

Grafing – „Der Klimawandel, das Artensterben und auch der Einsatz von Giftstoffen wie Glyphosat finden hier vor unserer Haustür statt. Die Idylle trügt. Es ist Zeit etwas zu ändern!“, sagt die Aktion „FridaysForFutureGrafing“ und formulierte einen Maßnahmenkatalog. Erster Schritt: Die Stadt soll dem Beispiel von Konstanz am Bodensee folgen und den Klimanotstand ausrufen. „Alle zukünftige Entscheidungen der Stadt müssen unter einen Umweltvorbehalt gestellt werden“, fordert die Initiative.

Einen konkreten Antrag dazu gibt es auch schon, und den hat Heinz Fröhlich (Bündnis für Grafing) an den Stadtrat gerichtet. Er will, „dass Beschlussvorlagen bei Entscheidungen des Stadtrates zu Baumaßnahmen im städtischen Hoch- und Tiefbau einen zusätzlichen Vermerk zu der Zeile ,Finanzielle Auswirkungen’ beinhalten. Dieser Vermerk soll heißen ,Klimaschädliche Auswirkungen: ja/nein’“. Außerdem: „Zum Schutz der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger soll baldmöglichst und solange eine Messstelle für Feinstaub am Marktplatz eingerichtet werden, bis die verkehrsberuhigenden Maßnahmen am Marktplatz umgesetzt werden und greifen.“

Forderungen an den Landkreis folgen

Für die Aktion FridaysForFutureGrafing spricht die 27-jährige Studentin Miriam Boehlke. „Die Forderungen richten sich zunächst an die Stadt Grafing. Forderungen und Demonstrationen auf Landkreisebene folgen“, kündigt sie an.

An erster Stelle haben die Klimademonstranten den innerstädtischen Verkehr ins Visier genommen. Es geht ihnen um eine Verringerung des motorisierten Individualverkehrs, einen verkehrsberuhigten Marktplatz, öffentliche Fahrräder an den Bahnhöfen, überdachte Fahrradparkplätze, einen öffentlichen Lastenrad-Verleih, Mitfahrbänke im Landkreis und eine „Zu Fuß zur Schule“-Kampagne.

Damit diese Ziele in der Stadt mit der notwendigen Konsequenz umgesetzt werden, fordert die Initiative die sofortige Besetzung der Stelle eines Klimamanagers in der Stadt, sowie ein Energiemanagement für städtische Gebäude und eine klimaneutrale Energieversorgung von Neubauten. Bei künftiger Bautätigkeit müsse die Bodenversiegelung auf ein Minimum reduziert und Bebauung insgesamt auf Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. 

Ruf nach Tiny-Häusern

„Wir fordern einen Ort für experimentelles Wohnen in Grafing – speziell für Kleinwohnformen wie Tiny- Häuser.“ Bisher lasse die Rechtslage in Bayern mobile Tiny- Häuser zu Wohnzwecken nicht zu. Sie sind nur geduldet oder nur auf Sonderflächen möglich. Deswegen wünschen wir uns Rückenwind von der Kommunalpolitik.“ Zur Erklärung: Bei Tiny-Häusern handelt es um kleinste, meist nur 30 Quadratmeter kleine Holzhäuschen, oft auf Rädern. Diese Minihäuser müssen aber, wenn sie dauerhaft irgendwo stehen, allen geltenden Bauvorschriften genügen. Die Befürworter dieser Wohnform, und dazu zählen auch die Grafinger Aktivisten, sehen darin ein „Ventil, um Kosten- sowie Bedarfs-Druck aus dem Wohnungsmarkt zu nehmen und eine Chance für junge Menschen, Eigentum zu schaffen“.

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Gefordert wird darüber hinaus ein Verbot von Einweg-Plastik in Grafing. Zur Reduzierung der Abfallmenge solle die Stadt eine zusätzliche Sackgebühr für Restmüll einführen.

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Grafing solle außerdem „kritische Stadtführungen“ veranstalten, bei denen Impulse gegeben werden für nachhaltige Lebensweisen. „Die Stadt sollte der entsprechenden Person eine angemessene Aufwandsentschädigung bereitstellen“, so die Initiative.

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