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Dieser Bus steht ungenutzt am Grafinger Bauhof. Der Seniorenbeirat hat die Idee, dieses Fahrzeug als Stadtbus für ältere und behinderte Menschen einzusetzen.

Vorschlag des Beirats

Grafinger Senioren wollen Stadtbus wiederbeleben

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2005 drehte er seine letzte Runde, aus dem Bewusstsein der Bevölkerung ist er hingegen nie ganz verschwunden. Es dreht sich um den Grafinger Stadtbus. Eingestellt wurde er, weil er zu viel Defizit einfuhr. Jetzt gibt es aber neue Begehrlichkeiten.

Grafing – Zur Erinnerung: ÜWG und CSU zogen damals die Notbremse. Der Stadtbusbetrieb lief vier Jahre und im Laufe der Zeit immer stotternder. Zum Schluss betrug die Zahl der Einsteiger am Tag noch etwa 130 Personen, zu besten Zeiten waren es über 170 gewesen. Aber das Minus wuchs, und daran war eine Ausdünnung des Angebots nicht ganz unschuldig, wie die Grünen damals kritisierten. Zuerst wurden Fahrten gestrichen, dann der Bus selbst, weil er zuviel „Miese“ produzierte, nämlich 58 000 Euro pro Jahr.

Es gibt in Grafing aber Senioren, die ihrem Stadtbus heute immer noch nachtrauern, und einer davon ist Josef Koller vom örtlichen Seniorenbeirat. In dessen jüngster Zusammenkunft setzte er das Thema Bürgerbus wieder auf die Tagesordnung. Seine Hoffnung: Ein Stadtbus auf ehrenamtlicher Basis.

Geeigneter Bus wäre vorhanden

Das Fahrzeug dazu wäre vorhanden. Nach Informationen von Koller steht ein geeigneter Bus derzeit aber auf dem Grafinger Bauhof herum. „Da nutzt er auch nichts.“ Im Mai gab es dazu einen gemeinsamen Antrag von Grünen, Freien Wählern und SPD, den Stadtbus wiederzubeleben. Die Stadt solle prüfen, ob Zuschüsse für eine Umrüstung eines bestehenden Fahrzeuges geleistet werden können.

Der Bus stamme aus einer Spende, berichtete Koller den Seniorenbeiratsmitgliedern. Das Problem dabei: Der Transporter hat 18 Sitze. Für Koller ist klar: „Er müsste zurückgebaut werden“, weil sich sonst nicht so leicht jemand finde, der ihn fahren könne.

Bis zu acht Personen können mit einem „normalen“ Führerschein transportiert werden. Über acht Personen hingegen ist ein Führerschein der Klasse D beziehungsweise D1 notwendig. In jedem Fall benötigt wird ein Personenbeförderungsschein, wenn der Stadtbus gewerblich betrieben werden würde. Und wer sich das „antun“ will, der braucht außerdem eine „Unternehmerzulassung“, informierte der Vorsitzende des Seniorenbeirates.

Vorschlag: Bus umbauen

Koller hat in diesem Zusammenhang zwei Vorschläge. Wenn der Bus so umgebaut würde, dass nur mehr acht Personen (plus Fahrer) transportiert werden können, würde sich eher ein Fahrer finden lassen. Auf dem frei werdenden Platz könnten dann sogar gehbehinderte Menschen bequem mitgenommen werden.

Koller ist klar, dass so ein Umbau Geld kostet und er hat auch schon eine ungefähre Vorstellung, wie viel das sein wird: „Etwa 10 000 Euro, dann hat man ein rollstuhlgerechtes Fahrzeug.“

Er hofft auf die Unterstützung der Stadt und argumentiert dabei: „So ein Stadtbus fährt auch zur S-Bahn und nicht nur die Senioren.“ Das würde eine städtische Beteiligung an der Finanzierung rechtfertigen, ließ der Vorsitzende des Seniorenbeirates durchblicken.

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Gleichzeitig sagt er aber: „Wenn das ein richtiger Betreiber macht, wird das ein großer Aufwand. Vielleicht kann man mit ehrenamtlichen Fahrern arbeiten.“ Die Senioren jedenfalls würden sich einen Bürgerbus wünschen, etwa für Fahrten zum „Einkaufen oder auch zum Friedhof.“

Grüne trauern Bus nach

Die Grünen trauerten dem Stadtbus bei seiner Einstellung im Dezember 2005 arg nach. Bürgermeisterin Angelika Obermayr, damals noch Stadträtin, argumentierte, dass öffentlicher Personen-Nahverkehr nie kostendeckend sei. Besonders Pendler und Senioren gehörten zu den Benutzern des Stadtbusses, dessen Einstellung scharf kritisiert wurde. Alle Bürger, die mit der Streichung des Angebots nicht einverstanden waren, wurden aufgefordert, an der letzten Fahrt teilzunehmen.

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