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Der Ausbau der Wasserburger Straße ist nur ein Baustein von vielen in der Investitionsarchitektur der Stadt Grafing, die viel Geld ausgibt für notwendige Infrastrukturmaßnahmen. 

Gute Einnahmen aber auch enorme Investitionen

Blick über die Grafinger Schuldentürme

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Die Stadt Grafing muss in den kommenden Jahren hohe finanzielle Belastungen stemmen und baut Schulden auf. Das wurde bei der jüngsten Finanzausschusssitzung deutlich.

Grafing – Weil die Kommunalwahl vor der Türe steht, wurden die Zahlen, die Kämmerer Christian Bauer zum aktuellen Haushalt vorgelegt hatte, sehr unterschiedlich interpretiert. Fest steht: Das viele Geld ist nicht weg, es wurde in zahlreiche Projekte investiert, die oft erst später „rentierlich“ werden.

Die Grafinger zahlen sprechen für sich

Die nackten Zahlen sprechen für sich: Der Vermögenshaushalt 2020 hat einen Umfang von fast 21 Millionen Euro, der Verwaltungshaushalt einen von 29 Millionen und ist auch dadurch etwas gewachsen, weil die München-Zulage für die Stadt-Beschäftigten mit 600 000 Euro zu Buche schlägt. Anlass zur Kritik gab das nicht, die Ratsmitglieder waren erkennbar der Ansicht, dass man sich im Wettbewerb um gutes Personal befindet und deswegen entsprechende Löhne und Gehälter bezahlen muss.

Hohe Auslagen für die Berufsschule in Grafing

Ein großer Einzelposten im Haushalt ist der Aufwand, mit dem die Stadt für den Bau der neuen Berufsschule in Grafing-Bahnhof in Vorleistung gegangen ist. Dass in einem Finanzplan zur besseren Überschaubarkeit auch künftige Einnahmen eingepflegt werden sollten, war Anlass einer Wortmeldung von Roswitha Singer (Grüne): „Das ist mir zu pessimistisch gerechnet, weil die Kosten für das Grundstück für die Berufsschule durch den Landkreis wieder zurückerstattet werden.“ „Die Verträge sind noch nicht unterzeichnet, das kann dann natürlich wieder anders aussehen“, räumte Bauer angesichts der sich in seiner Grafik auftürmenden Schuldensäulen ein. Bei der Stadt hängen bleiben wird jedoch die gesamte Erschließung des Schulgeländes.

Die Stadt Grafing hat in den vergangenen Jahrzehnten eine enorme Integrationsleistung erbracht. Die Einwohnerzahl wuchs um etwa 5000 Bürger.

Sieben Millionen Euro für Grafinger Schule

„Dieses Gremium hat in den letzten Jahren enorme Investitionen verabschiedet, deshalb überrascht mich der Schuldenstand nicht“, räumte Regina Offenwanger (SPD) ein. „Ich glaube nicht, dass wir unsere Gebäude vergolden“, gab Josef Carpus (CSU) zurück. „Unsere Schulen vergammeln nicht, sondern werden kontinuierlich saniert und verbessert“, lenkte Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) den Blick auf den größten Posten im Haushalt: „Wir bauen eine neue Schule, davon wurden bereits sieben Millionen Euro bezahlt“, sagte sie und machte eine Rechnung auf: Der Schuldenstand der Stadt lag Ende des Jahres 2014 bei 4,5 Millionen, denen aktuell 11,7 Millionen Euro Schulden gegenübersteht. Sollte heißen: Wenn man die sieben Millionen für den Schulneubau abzöge, wären die Verbindlichkeiten der Stadt nur marginal gestiegen – und das trotz der Investitionen in die Wasserburger Straße, den neuen Verkehrsübungsplatz, in Sozialwohnungen, den Neubau des Bauhofes, in die Kindergärten am Dobelweg und in Oberelkofen sowie in ein neues Gewerbegebiet.

Trotzdem Zuführung zum Vermögenshaushalt

2,6 Millionen können trotzdem auf die hohe Kante gelegt werden. Möglich ist das durch gute Steuereinnahmen der Stadt, die Offenwanger mit einem neuen Gewerbebauriegel in Grafing-Bahnhof noch erhöhen möchte – vielleicht mit zusätzlichem Lärmschutzeffekt für die Anwohner. In einer Gewerbeansiedlung dort sieht Obermayr aber eine „unzumutbare zusätzliche Belastung für die Einwohner“. Einmütigkeit herrschte im Gremium darüber, dass die Stadt ihre Einkommenssituation verbessern muss. Der Haushalt wird vor einer endgültigen Beschlussfassung vom Stadtrat noch einmal behandelt.

Einen Kommentar zu diesem Artikel lesen Sie in der Printausgabe der Ebersberger Zeitung vom 13. Februar.

Das digitale Klassenzimmer soll Schulen im Kreis Ebersberg zukunftsfähig machen. Der Staat fördert Investitionen, aber keine neuen Personalkosten. Es braucht IT-Betreuer.

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