Seit wann weiß Landrat Robert Niedergesäß vom Schutzstatus der alten Eiche? Hier ist er Anfang Juni beim Spatenstich für die neue Straße zu sehen.
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Seit wann weiß Landrat Robert Niedergesäß vom Schutzstatus der alten Eiche? Hier ist er Anfang Juni beim Spatenstich für die neue Straße zu sehen.

Kreisfachberater wies 2018 auf den Baum hin

Jahrhundert-Eiche: Ihr Schutzstatus ist schon länger bekannt

  • Robert Langer
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Dass die alte Eiche bei Seeschneid besonders erhaltenswert ist, war dem Landratsamt spätestens seit 2018 bekannt. Doch es passierte nichts zu ihrem Schutz.

Landkreis – Im Streit um die rund 300 Jahre alte Eiche, die für ein Straßen- und Radwegprojekt nördlich von Grafing gefällt werden soll, kommen nun weitere Informationen ans Licht. Demnach war im Landratsamt Ebersberg wohl spätestens ab November 2018 bekannt, wie wichtig und schützenswert der alte Baum ist.

Norbert Neugebauer, Büroleiter von Landrat Robert Niedergesäß (CSU), bestätigte am Donnerstag, 2. Juli, auf Anfrage unserer Zeitung, dass Harald Käsbauer, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, sich den Baum Ende 2018 angesehen habe. Der Experte habe eine große Bedeutung der Eiche und ihren hohen ökologischen Wert festgestellt. Nach seiner Ansicht hätte der Baum als schützenswert und als Naturdenkmal in die entsprechenden Pläne eingetragen werden sollen. 

Experten-Empfehlung lautete: Als Naturdenkmal eintragen!

Das ist jedoch nicht geschehen. Nach Ansicht von Käsbauer hätte die Eiche noch eine Lebensdauer von 400 Jahren vor sich. Andere Angaben, die zwischenzeitlich geäußert wurden und nur eine Lebensdauer von 80 Jahren zugrunde legten, seien eine „Fehleinschätzung“ gewesen, so Neugebauer gegenüber der Ebersberger Zeitung.

Straßenbauamt wurde auf Baum hingewiesen

Johann Taschner, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, habe sich nach der Einschätzung von Käsbauer mit dem Straßenbauamt Rosenheim als Planer der Straße in Verbindung gesetzt und auf die Erkenntnisse hingewiesen, sagte Neugebauer weiter. Auswirkungen auf das Projekt habe das allerdings nicht gehabt.

Wann wusste der Landrat Bescheid?

Ob und wann Landrat Robert Niedergesäß (CSU) über die Einschätzung des Landratsamtsmitarbeiters Käsbauer informiert war, konnte oder wollte dass Amt am Donnerstag nicht beantworten. In der Sitzung des Kreisumweltausschusses am vergangenen Dienstag hatte der Landrat eingeräumt, dass sich ein Grundstückseigentümer für den Erhalt der Eiche ausgesprochen habe. Auch der Naturschutzbeirat des Landkreises habe sich mit dem Thema beschäftigt. Er selbst sei 2019 informiert worden, hatte Niedergesäß zuvor geäußert.

Breiter Widerstand in der Bevölkerung

Gegen die Fällung der Eiche hatte sich in den vergangenen Wochen heftiger Widerstand in der Bevölkerung formiert. Es gab eine Demonstration vor Ort und eine Unterschriftenaktion. Der Umweltausschuss des Kreistages hatte sich am Dienstag mit dem Thema beschäftigt. Eine Entscheidung wurde vertagt. Zunächst soll nun ein Alternativ-Vorschlag der Grünen für eine geänderte Planung geprüft werden. Angesetzt wurde eine Sondersitzung, bei der auch ein Sachverständiger für naturverträgliche Verkehrsplanung gehört werden soll.

Kommentar: Augenmaß ist gefragt

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