Die Eiche bereitet ihm Kummer: Landrat Robert Niedergesäß.
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Die Eiche bereitet ihm Kummer: Landrat Robert Niedergesäß.

Diskussion um gefährdeten Baum

Jahrhundert-Eiche: Niedergesäß sieht Versagen an vielen Stellen

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß  (CSU) spricht im Zusammenhang mit der gefährdeten 300 Jahre alten Eiche von Versagen an vielen Orten und Stellen.

Grafing - Landrat Robert Niedergesäß ärgert sich maßlos, dass er und seine Untere Naturschutzbehörde Aussagen des Staatlichen Bauamts Rosenheim akzeptiert hatten, die besagten, dass die 300 Jahre alte Eiche bei Seeschneid nicht zu retten sei. Das teilte der CSU-Politiker am Freitag, 3. Juli mit.

„Multikausales Versagen“

Wäre er frühzeitiger für diesen besonderen Baum sensibilisiert worden z.B. im Rahmen eines Ortstermins, „hätte man schlichtweg anders geplant und mit den Grundstückseigentümern andere Grundstückszuschnitte verhandeln können, wenngleich die jetzt erarbeitete Alternativtrasse mehr Land benötigen und wertvollen Baumbestand auf der anderen Straßenseite kosten würde, so der Landrat:  „Das Informations- und Abstimmungsnetzwerk hat hier multikausal versagt, an vielen Orten und Stellen.“

Diskussion hält seit Wochen an

Seit Wochen gibt es eine hitzige Diskussion um den 300 Jahre alten Baum bei Seeschneid, der einem Straßenbau samt Radweg zum Opfer fallen soll. 

„Im Protokoll nichts zu finden“

Bewusst informiert worden sei er über die Existenz dieses ganz besonderen Baumes ca. Mitte 2019 und zwar vom Grundstückseigentümer, sagt Niedergesäß. Dieser habe die Planer und die Verwaltung bereits Ende 2018 darüber informiert, sodass Ende November 2018 in der nichtöffentlichen Sitzungsvorlage des Verkehrs- und Umweltausschusses eine kurze Randnotiz zu finden gewesen sei. „Ob darüber im Ausschuss gesprochen wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, da sich auch im Protokoll dazu nichts finden lässt“, sagt der Landrat.

Ähnlich sei es wohl auch im Naturschutzbeirat gewesen, ein nichtöffentliches Gremium, dem insbesondere Vertreter der Naturschutzorganisationen angehören, u.a. auch der Bund Naturschutz. Hier sei das Thema seitens der unteren Naturschutzbehörde im März 2019 unter „Verschiedenes“ kurz angesprochen, eine Aussprache dazu  habe wohl nicht stattgefunden, im Protokoll gebe es zu diesem Punkt keine Anmerkung. Niedergesäß hat an dieser Sitzung eigenen Angaben zufolge  aus Gründen einer Terminkollision nicht teilnehmen können. 

Bauamt: Trasse alternativlos

Der Landrat sei weder hausintern noch z.B. über die Stadt Grafing in dieser Angelegenheit informiert oder sensibilisiert worden, heißt es aus dem Landratsamt. Er stellt sich aber hinter die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt, die sich nach Bekanntwerden der Problematik dazu intensiv mit dem Staatlichen Bauamt auseinandergesetzt und für den Erhalt der Eiche eingesetzt habe. Von dort sei stets und in aller Klarheit auf die Alternativlosigkeit der Planung hingewiesen worden.

Kommentar: Augenmaß ist gefragt

Als der Landrat vom Grundstückseigentümer Mitte 2019 auf diesen besonderen Baum und seine Bedeutung hingewiesen wurde, habe er umgehend über die Verwaltung den Prüfungsauftrag an das Staatliche Bauamt Rosenheim erteilt, eine Lösung zu suchen, bei der der Baum erhalten werden kann. Aber auch gegenüber dem Landrat sei seitens der damals Verantwortlichen des staatlichen Bauamtes klar artikuliert worden, dass es keine Alternative zur bestehenden Planung gebe. Sowohl der Landrat als auch die Naturschutzbehörde hätten diese klare fachliche Ansage unabhängig voneinander akzeptiert. Darüber ärgert sich Robert Niedergesäß heute maßlos, wie er sagt.

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