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So soll die neue Kindertagesstätte am Dobelwald aussehen, wenn der Umbau des Gebäudes beendet ist.

Grafing hat entschieden

Kinderwerkstatt kommt an den Dobelwald

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Die Stadt Grafing baut einen neuen Kindergarten. Dieser entsteht direkt am Dobelwald - in einer ehemaligen Werkstatt eines Steinmetzbetriebs.

Grafing – Jetzt ist Improvisationstalent gefragt, aber gleich auf mehreren Seiten. Die Kommunen im Landkreis müssen immer größere Lücken füllen, leer ausgehende Eltern müssen schauen, wie sie zurechtkommen, und die jeweiligen Träger sich in Übergangslösungen zurechtfinden. Die Kinderbetreuung wird zusehens zum Problem. Woran liegt das?

Der Bedarf an Betreuung wächst stetig und korreliert nicht zufällig mit dem starken Anstieg der Mieten und Lebenshaltungskosten im Münchner Osten. Die Kinder werden immer früher in den Einrichtungen abgegeben, die Betreuungszeiten werden tendenziell länger. Dazu kommt ein Sonderfaktor: Der neu eingeführte Einschulungskorridor, der es Eltern ermöglicht, ihre Kinder später einschulen zu lassen. Sie bleiben damit manchmal länger im Kindergarten, Plätze für Nachrückende werden deshalb zunehmend knapper.

Spontane Notgruppen

Die Kommunen helfen sich gegenseitig mit spontanen Notgruppen wo es geht, die Neubauten von Tagestätten belasten die kommunalen Haushalte.

Etwa 1,2 Millionen Euro wird das Neubauvorhaben Kindergarten am Dobelweg in Grafing kosten. Die Stadt konnte hier überraschend eine Steinmetzwerkstatt samt Wohntrakt erwerben (wir berichteten). Das Gebäude wird für seinen neuen Zweck ertüchtigt. Der entsprechende Beschluss erfolgte mit einer Gegenstimme in der jüngsten Bauausschussitzung des Stadtrats. Der besondere Charme: Die Kinder werden keine 20 Meter gehen müssen, schon sind sie im angrenzenden Wald mit allen seinen Möglichkeiten.

Wenden in der Stichstraße

Kleiner Haken: Das Grundstück musste erweitert werden, damit hier 37 Kinder untergebracht werden können. Vor dem Haus sind gerade einmal drei Parkplätze geplant, was Ratsmitglied Max Graf von Rechberg (CSU) schon in einer vorangegangenen Sitzung kritisiert hatte. Damit die Autos in der Stichstraße überhaupt wenden können, muss das Tor den angrenzenden Friedhofes um knapp zwei Meter nach hinten versetzt werden.

Auch über den Bau von Wohnungen für städtische Angestellte wurde an dieser Stelle nachgedacht, denn an der Wohnungsfront sieht es genauso düster aus. Die Betreuungssituation aber war dringlicher, was auch der Umstand illustriert, dass in Grafing aktuell 40 Krippenplätze und 30 Kindergartenplätze fehlen.

Die betroffenen Eltern in Grafing sind auf einer Warteliste erfasst, Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) wird sie eigener Auskunft nach zeitnah zu einem Elternabend ins Rathaus einladen. Bei diesem Abend sollen die verbliebenen Möglichkeiten aufgezeigt werden. Zu denen gehören vorübergehende Interimslösungen – dem Vernehmen nach auch gemeindeübergreifend.

Auch Ebersberg ist in Not

Ein Bemühen, die Situation zu entschärfen ist erkennbar und Grafing steht nicht alleine da mit dieser Not. Auch in Ebersberg gehen nach derzeitigem Stand über 50 Kinder leer aus, wurde in der Sitzung des Sozialausschusses informiert. Auch dort ist der Bedarf an Krippenplätzen überdimensional gewachsen.

Für die 1,17 Millionen Euro Baukosten wird das Gebäude grundsaniert, bekommt eine Fußbodenheizung, eine neue Raumaufteilung in Trockenbauweise, im Erd- und Obergeschoss Gruppen-, Schlaf- und Sanitärräume. Das Dachgeschoss wird weitgehend entkernt, und im Süden mit einer neuen, großen Gaube versehen. Das Grundstück ist mit einer Fläche von 370 Quadratmetern gerade groß genug für seinen Zweck, an Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien wird es den Kindern angesichts der guten und ruhigen Lage trotzdem nicht fehlen.

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 Die Stadt rechnet mit Fördermitteln in Höhe von fast 900 000 Euro, was den Ratsmitgliedern den Durchführungsbeschluss für das Projekt ein bisschen leichter machte. Die Inbetriebnahme des neuen Hauses ist für den September 2020 vorgesehen, die Bauarbeiten sollen noch heuer beginnen, teilte die Verwaltung mit.

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