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Gekonnter Geschichtsdozent : Zu anschaulichen Berichten aus Revolutionszeit in Bayern servierte der Autor Günter Baumgartner seinen Zuhörern einen „Dotschntauch“. 

Lesung mit Grafinger Autor Günter Baumgartner

Als Bayern seinen König stürzte: Dotschntauch und Revolution

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Günter Baumgartner macht bayerische Revolutionsgeschichte wieder lebendig. Der Grafinger Autor las im Heckerkeller aus seinem Buch. dabei wurde auch gesungen.

Grafing – Einige der Passanten, die über den Grafinger Marktplatz marschierten, spitzten kürzlich verwundert vor dem Heckerbräu die Ohren. Denn dort, oben im Saal, war am Freitagabend die Revolution von 1918 noch einmal ausgebrochen. 40 Leute sangen aus voller Kehle Revolutions- und Volkslieder aus der betreffenden Zeit.

Lebensumstände der einfachen Arbeiter und Bauern verheerend

Der Abend ging aber ohne Umsturz zu Ende, denn die Besucher waren an bayerischer Geschichte interessiert. Und lauschten dem Grafinger Günter Baumgartner, wie er mit dem Klischee der guten alten Zeit aufräumte, wie es das Königlich Bayerische Amtsgericht seine Zuschauer glauben machte. Denn schon vor dem Ersten Weltkrieg seien die Lebensumstände der einfachen Arbeiter und Bauern teils verheerend gewesen. Die Revolution? – eine logische Konsequenz. „Das war bewaffneter, böser Klassenkampf“, sagte Baumgartner.

Soldaten- und Arbeiterräte bis in die letzten Winkel des Landes

Und beerdigte gleich ein weiteres Vorurteil: dass die Revolution vor allem in der Stadt stattgefunden habe und eine Intellektuellenveranstaltung gewesen sei. Nein, aus ganz Oberbayern hat Baumgartner Berichte aus der Zeit zusammengetragen, als die Monarchie in Bayern ihr Ende fand. Und als sich Soldaten- und Arbeiterräte bis in die letzten Winkel des Landes ausbreiteten.

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Es gab roggenes Schmalzgebäck

Um die Zuhörer in die Stimmung der Zeit zu versetzen, servierte er ihnen einen „Dotschntauch“ mit roggenem Schmalzgebackenen – zur damaligen Jahrhundertwende ein Armeleuteessen aus Steckrüben. Und Ernst Schusser vom Bayerischen Volksmusikarchiv animierte den Saal an der Ziach mit Liedern aus der gar nicht zu guten alten Zeit zum Mitsingen.

Fundierte Erkenntnisse zum Revolutionsgeschehen auf dem Land

Man gerät fast in Versuchung, Baumgartner einen Hobbyhistoriker zu nennen, und dem Abend, an dem er in Grafing sein Buch „Die bayerische Revolution 1918 in Stadt und Land“ vorstellte, das Etikett „Infotainment“ anzuheften. Doch das griffe viel zu kurz, denn wohl kaum einer kann so fundiert, und anschaulich von den Revolutionsgeschehnissen auf dem Land erzählen wie Baumgartner, der sein Geld eigentlich als IT-Betreuer verdient. Auf fast 650 Seiten hat er seine Erkenntnisse zusammengetragen – das Buch für 49,80 Euro, erschienen im Verlag Edition AV, ist ein Nachschlagewerk, das für jeden Heimatinteressierten überraschende Einblicke bereithält. 

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