Da wachte der Bronzebär noch an seinem angestammten Platz am Wirtshauseingang.
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Da wachte der Bronzebär noch an seinem angestammten Platz am Wirtshauseingang.

Neuigkeiten vom Grafinger Marktplatz - Brunnen aus Stein

Aufregung um Grafinger Wappentier: Der Bär ist los

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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So lange er da war, nahm in der Öffentlichkeit kaum einer merklich Notiz von ihm, jetzt wo er weg ist, gibt es Stimmen des Bedauerns. Es geht um einen Grafinger Bären.

Grafing – Ganz verschwinden wird der Bär zwar nicht, aber über seine neue Heimat ist dem Wildbräuchef Gregor Schlederer noch nichts zu entlocken. Das bleibe noch geheim, sagt er auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung.

Wappentier und Markenbär

Der Bär ist das Wappentier von Grafing und gleichzeitig der Markenbär der Brauerei Wildbräu. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und über den künstlerischen Wert des Bronzebären auch. Fest steht, dass er jahrzehntelang am Marktplatz neben der Mariensäule Wache hielt und dabei nicht wenige Gasthausbesucher des „Gefreiten Hauses“ in Grafing beim Wirtshausbesuch stumm begrüßte und auch wieder auf den Heimweg verabschiedete. Dann wurde die Skulptur vor Wochen abmontiert und abtransportiert. Die Funktion als Aufpasser soll künftig ein steinerner Bär übernehmen, der aber versteckt sich derzeit noch in einem monumentalen Steinblock, aus den ihn eine Steinmetzfirma in Rott am Inn herausarbeiten und anschließend in die Sonne entlassen soll.

Stein für Brunnen liegt in Hafen fest

Das Problem dabei: „Der Stein liegt aufgrund der Corona-Situation in einem Hafen fest“, sagt Schlederer. Auf die Betonfläche am Eingang des Biergartens mitten in Grafing soll statt des Bronzebärs ein Brunnen gestellt werden, „in den ein Bär integriert ist“, kündigt der Wildbräuchef an. „Das Ganze hat mich echt ein paar graue Haare gekostet.“ Denn für den Umbau musste Schlederer „1000 Auflagen erfüllen“. Und alle Genehmigungen hätten unter Zeitdruck eingeholt werden müssen, schließlich sollte der Pächter der Gaststätte am Marktplatz pünktlich zur Lockerung der Corona-Bestimmungen seinen Biergarten wieder eröffnen können.

Auch das Denkmalamt gab dabei eine „Bestellung“ auf in Form von Auflagen. Schließlich habe aber doch alles geklappt, „gearbeitet wurde unter Hochdruck“, versichert der Brauereichef. „Das wurde alles auf Biegen und Brechen auf die Beine gestellt.“

Schlederer will schönen Biergarten

Der Wildbräu-Biergarten am Marktplatz in Grafing wurde umgestaltet, ein neuer Bär soll folgen.

„Ich wollte einfach einen schönen Biergarten gestalten“, sagt Schlederer zum Grund des Umbaus. Der neue Bär werde schöner als der Altbär. Das alte Wappentier sei nämlich eh kein richtiger Petz gewesen, sondern eher ein „Contergan-Bär“, der zur 350-Jahr-Feier in dem Vorgarten des Wirtshauses am Marktplatz aufgestellt worden sei, sagt Schlederer. „Der Umbau ist mit dem Denkmalamt abgestimmt“, die Behörde sei dabei kompromissbereit gewesen, bescheinigt ihr der Brauereibesitzer. Pünktlich am vergangenen Montag sei der Betrieb im Biergarten dann wieder aufgenommen worden – vorläufig noch ohne Wildbräu– oder Wappenbär.

Der Bär im Heimatkundeunterricht

Ein paar gibt es aber doch, die dem Altbären ein paar Tränchen nachweinen. Auch im Heimatkundeunterricht sei der Bär Thema gewesen und damals Vorlage für eine Zeichnung, erinnern sich Grafinger Bürger, die freilich die Schulbank schon seit Jahrzehnten hinter sich gelassen haben.

Momentan lagert der Bronzebär wenig fotogen in einem Speicherraum, sagt Schlederer. „Wir setzen den schon wieder irgendwo hin“, meint er ausweichend auf die Frage nach dem künftigen Standort. Ein Umzug eines Denkmals hingegen ist im Landkreis Ebersberg keine Ausnahme. Auch die Säule am Ebersberger Marktplatz, aus der beidseitig ein Eberkopf Wasser spendet, musste schon umziehen, allerdings vom Schlossplatz mitten ins Zentrum. Und wenn der Ebersberg Marktplatz dereinst wieder umgestaltet wird, ist auch ein weiterer Umzug der Eberschädel zurück an den alten Standort im Gespräch. Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass man auch als Denkmal in diesen unseren Zeiten etwas flexibel sein muss.

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