+
Auf dem alten Baywa-Gelände in Grafing entsteht ein neues Wohnquart ier in unmittelbarer S-Bahn-Nähe. Hier werden hochwertige Eigentumswohnungen gebaut. Die Arbeitsgemeinschaft Heimatkunde Grafing warnt indes vor weiterem, ungebremsten Wachstum. 

Arbeitsgemeinschaft Heimatkunde schreibt offenen Brief an Stadtrat

Sorge um Gesicht der Stadt - Wackelt der Wohnungsmarkt?

  • schließen

Wird zu wenig gebaut, müssen junge Grafinger Familien stark steigende Mieten akzeptieren oder abwandern. Wird zu viel gebaut, kann sich das Bild der Stadt zum Nachteil verändern.

Grafing– Große Sorgen um das künftige Ortsbild macht sich die Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde Grafing. „Angesichts der gegenwärtig immensen Bautätigkeit und Neuansiedlung ist unseres Erachtens dringend Augenmaß geboten, um den ländlichen Charakter Grafings nicht zu zerstören“, schreibt die Arge deshalb in einem offenen Brief an den Grafinger Stadtrat. Dabei darf eines nicht vergessen werden: Auch das derzeitige Erscheinungsbild der Stadt ist das Resultat eines langen Wachstumsprozesses.

Wenig Arbeitslose - viele Auspendler

Grafing hatte im Jahr 1980 noch 8585 Einwohner, 2018 waren es dagegen schon 13 785. In der vergangenen Dekade summiert sich das Bevölkerungswachstum auf durchschnittlich 5,3 Prozent jährlich.

Die Arbeitslosenquote ist niedrig, die Anzahl der Auspendler liegt bei etwa 4000 Beschäftigten. In Grafing wohnen und in München arbeiten ist für viele tägliche und gewollte Routine. Allerdings spricht die Zahl von über 1600 Einpendlern auch für Grafing als gefragten Beschäftigungsstandort.

Nicht in den Wahlkampf einmischen

Die Arbeitsgemeinschaft Heimatkunde betont, sie wolle sich „nicht parteipolitisch in den beginnenden Kommunalwahlkampf einmischen“. Trotzdem wird der Sorge „um unsere schöne Heimatstadt“ Ausdruck gegeben. „Wir bürden uns diverse Nachfolgelasten an der Infrastruktur, finanzielle Risiken und soziale Spannungen auf. Daher müssen negative Auswirkungen für unsere künftige Stadtentwicklung befürchtet werden“.

Kommunalpolitische Gestaltungskraft gefordert

Die Arge warnt weiter: „Die Rasanz am Baumarkt wird sich nicht ständig fortsetzen, ist nicht so schicksalhaft hinzunehmen, sondern erfordert kommunalpolitische Gestaltungskraft.“

Tatsächlich gibt es in Grafing derzeit ungewöhnlich viele Baustellen, die von einem starken, weiteren Wachstum zeugen. 

Lesen Sie dazu auch: Grafinger Wachstum mit Bauchweh

Die Wasserburger Straße verändert ihr Gesicht gerade total, auf dem nahen alten Lentner-Gelände soll eine dichte Bebauung entstehen, Ecke Glonner Straße/Aiblinger Straße wächst momentan sogar ein neues Stadtquartier, das alte Baywagelände wird umgewandelt in die „Grafinger Höfe“ mit bester S-Bahn-Anbindung. Und es sind noch mehr Pfeile im Köcher. Zum Beispiel soll der Parkplatz am Grafinger Waldfriedhof bebaut werden und auch das alte Bauhofgelände hat der Grafinger Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung ins Visier genommen mit drei Bebauungsvarianten. Dazu kommen weitere Nachverdichtungsmaßnahmen.

Erinnerungen an Baueuphorie 1972

Angesichts der Projekte erinnert die Arge Heimatkunde an die Baueuphorie zur Olympiade 1972 und darauf folgende „Absatzstockungen“, denen „wirtschaftliche Pleiten folgten“. Der Vorsitzende der Arge, Josef Höhl, wünscht deshalb dem Stadtrat und Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) eine „maßvolle Hand für eine positive Entwicklung unserer Heimatstadt“. Obermayr hatte vor kurzem bei der Bekanntgabe ihrer erneuten Bürgermeisterkandidatur ein Wachstumsziel von „unter einem halben Prozent“ jährlich genannt.

In diesem Zusammenhang auch interessant: Bürger bewältigen Integration

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Volksfest Poing: Termin für 2020 steht
Der Termin fürs Volksfest Poing 2020 steht fest. Und auch, wie viel Geld die Gemeinde für 2019 ausgegeben hat.
Volksfest Poing: Termin für 2020 steht
Schon wieder rufen „falsche Polizisten“ an
Es hört nicht auf: Erneut wurden der Polizeiinspektion Poing Anrufe gemeldet von Betrügern, die sich als Polizisten ausgegeben haben. Die Anrufe erfolgten Dienstagabend.
Schon wieder rufen „falsche Polizisten“ an
Mit 160 km/h mitten durch den Ort
Markt Schwaben ist in Sorge, dass der Ausbau der Bahnstrecke München - Freilassing mit Folgen insbesondere für die eigenen Bürger verbunden ist.
Mit 160 km/h mitten durch den Ort
Kommunen in Sorge: Mehr Personal für digitale Schulen
Das digitale Klassenzimmer soll Schulen im Kreis Ebersberg zukunftsfähig machen. Der Staat fördert Investitionen, aber keine neuen Personalkosten. Es braucht IT-Betreuer.
Kommunen in Sorge: Mehr Personal für digitale Schulen

Kommentare