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Hat beim Thema Stadthalle einen schweren Stand: Angelika Obermayr, Grafings Bürgermeisterin (Grüne).

Stadthalle: Grafinger Stadträte erheben Vorwürfe wegen erheblicher Versäumnisse

Bürgermeisterin Angelika Obermayr schwer unter Beschuss

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Notdürftig ertüchtigen, total sanieren oder doch abreißen und neu bauen? Die Zukunft der maroden Grafinger Stadthalle bleibt weiter eine Rechnung mit vielen Unbekannten.

Grafing – In der jüngsten Stadtratssitzung sah sich Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) schwerer Kritik ausgesetzt. Es ging dabei um Mängel ihrer Informationspolitik und die Überschreitung ihres persönlichen Verfügungsrahmens bei der Vergabe einer Voruntersuchung. Öffentliche Vorwürfe kamen dabei besonders von der CSU und dem „Bündnis für Grafing“ (BfG).

Eklatante Brandschutzmängel in der Grafinger Stadthalle

Wie berichtet, droht dem beliebten Veranstaltungsort die Schließung, sollten die eklatanten Brandschutzmängel vor allem in der Lüftungsanlage nicht behoben werden. Einen definitiven Termin dazu gibt es noch nicht, allerdings steht für die Schließung inzwischen das Datum 31. Dezember 2020 im Raum, wurde von der Verwaltung mitgeteilt. Und das nur, wenn nicht erkennbar ist, dass die Stadt ernsthaft eine Lösung des Problems anstrebt. Es geht um die Sicherheit der Besucher. Teuer werden alle bisher andiskutierten Maßnahmen.

Obermayr wehrt sich: „Viel Interpretationsspielraum“

Massiv angekreidet wurde Obermayr, dass sie bei der Vergabe einer Voruntersuchung ihren persönlichen Verfügungsrahmen von 30 000 Euro erheblich überschritten hat. Kolportiert werden dabei Größenordnungen von etwa 100 Prozent. Sie selbst sagt dazu: „Das stimmt nicht.“ Dem Vernehmen nach summierten sich die Untersuchungsarbeiten in dem Gebäude auf 74 000 Euro insgesamt und setzen sich aus mehreren Einzelposten zusammen, weshalb Obermayr sagt: „Da gibt es viel Interpretationsspielraum.“ Genaue Zahlen dazu wurden nur in der nichtöffentlichen Sitzung genannt. Gremiumsbeschlüsse gibt es dazu nicht. Das wurde im öffentlichen Teil bestätigt. Die ursprüngliche Kostenschätzung habe bei 22 000 Euro gelegen, es kam wohl nach und nach zu erheblichen Mehrungen infolge zusätzlichen Aufwands.

Grafinger Stadträte ein Jahr lang nicht informiert

BfG-Stadtrat Heinz Fröhlich kritisierte, dass der Grafinger Stadtrat „ein Jahr lang nicht darüber informiert“ worden sei, dass der Stadthalle die Schließung drohe. „Ich habe auch nicht gedacht, dass wir so schnell an einen Neubau und Abriss denken können“, meinte er. Mängel ihrer Informationspolitik räumte Obermayr ein: „Das ist mir durchgerutscht“, sagte sie in der Sitzung wörtlich. „Wenn das ein Jahr lang bekannt ist, dass die Stadthalle geschlossen werden kann, müssten doch die Bürger informiert werden“, setzte Marlene Ottinger (BfG) nach.

Eine Angstwelle in Grafing aufgebaut

Der Vorgang müsse jetzt aufgearbeitet werden, forderte CSU-Stadtrat Josef Carpus. „Ohne Auftrag vergeben, so geht das nicht.“ Die Bürgermeisterin habe ihren Verfügungsrahmen überschritten, insistierte auch CSU-Rat Thomas Huber. „Dabei ist die Gefahr einer Schließung gar nicht so groß, habe ich heute erfahren. Da wurde eine Angstwelle aufgebaut.“

Architekten leisteten hervorragende Arbeit

Architekt Klaus Beslmüller bei einem Informationsrundgang durch die marode Grafinger Stadthalle.

Mit leeren Händen stehen Stadt und Ratsgremium allerdings nicht da. Denn quer durch die Fraktionen anerkannt wurde, dass die Architekten von Studio_Plus, Schrade, Beslmüller und Kiesewetter mit ihrer Voruntersuchung eine hervorragende Arbeit abgeliefert hatten. Die könne jetzt Grundlage für weitere Entscheidungen sein, lobte Josef Klinger (FW). „Das bringt uns in der Stadt nicht weiter, das auszuschlachten.“ Auch ein Detail am Rande lieferte die Stadtverwaltung in ihrer Replik auf den umfangreichen Fragenkatalog, den die CSU vorbereitet hatte. „Die Ehefrau von Hr. Beslmüller ist die Schwester des Mannes der ersten Bürgermeisterin Obermayr.“

Ein Antrag des Bündnis für Grafing, zum künftigen Schicksal der Stadthalle ein Ratsbegehren durchzuführen, wurde gegen die Stimmen des BfG abgelehnt.

Lesen Sie dazu auch: Grafinger Stadthalle schaut innen aus wie ein Rohbau

Ebenfalls interessant: Grafinger CSU verschickt unangenehme Urlaubsgrüße

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