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Rathauschefin Angelika Obermayr (Grüne) widmete der Stadthallensanierung bei der Bürgerversammlung breiten Raum. Es gab auch Wortmeldungen zu diesem Dauerthema. 

Vorschlag aus der Bürgerversammlung: Förderverein gründen

Marode Grafinger Stadthalle weckt viele Emotionen

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Wie geht es weiter mit der schwer sanierungsbedürftigen Grafinger Stadthalle? Das war erwartungsgemäß das Hauptthema der jüngsten Bürgerversammlung. 

Grafing – Rathauschefin Angelika Obermayr (Grüne) widmete dem Kapitel Stadthallensanierung Raum in ihrem Rechenschaftsbericht und es gab dazu auch eine Reihe von Wortmeldungen – kritische wie konstruktive.

Der Zustand der Halle sei „ziemlich schockierend“, stellte Obermayr heraus. Um Skeptikern dieser Aussage einen kleinen Beweis zu liefern, hätte sie nur auf die Bühne gehen, linker Hand den Vorhang zur Seite ziehen und die Bürger auf eine Brandschutztüre aufmerksam machen müssen. Wenn man die öffnet, muss man feststellen, dass der Zugang zur Lüftungsanlage vermutlich vor vielen Jahren, wenn nicht sogar schon von Anfang an zugemauert worden war. Nur ein Beispiel von vielen, aber immerhin ein deutliches. Das Gebäude weist konstruktive Mängel auf.

Obermayr wehrt sich gegen Vorwürfe

Obermayr widersprach dem öffentlichen Vorwurf, sie habe sich bereits für den Abriss der Halle ausgesprochen und reagierte auch auf Vorhaltungen, sie habe bei der freihändigen Vergabe zur Erstellung eines Sanierungsvorschlages ihren persönlichen Verfügungsrahmen von 30 000 Euro drastisch überschritten. Das prüft derzeit die Rechtsaufsicht des Landratsamtes Ebersberg.

Untersuchung ist gute Entscheidungsgrundlage

Allerdings herrscht unter den Stadtratsfraktionen ziemlich einhellig die Meinung, dass man mit dieser fundierten Untersuchung jetzt eine gute Entscheidungsgrundlage hat für das weitere Vorgehen – nach Jahrzehnten der Improvisation. „Zum allerersten Mal haben wir ein Konzept. Das Gewurschtel hat ein Ende“, meinte die Bürgermeisterin unter Beifall, die bei diesem Thema sichtlich emotional wurde. Sie wies auch den Vorwurf zurück, sie hätte bei der Vergabe eine angeheiratete Verwandtschaft bevorzugt. Obermayr informierte die Bürgerschaft, dass zuerst der Grafinger Architekt Christian Einhellig angefragt worden sei, der allerdings aus Mangel an freien Kapazitäten den Auftrag nicht habe übernehmen können. Deshalb wurde die Untersuchung durch die Fachleute des Architekturbüros Studio Plus durchgeführt.

Lesen Sie dazu auch: Ein Rundgang durch die Halle offenbart viele Mängel

Grafinger Bürger macht einen Vorschlag

Der Grafinger Dieter Schönfeld bracht eine Lanze für das alte Gebäude. „Die Stadthalle berührt uns alle. Sie ist immer noch ein kultureller Mittelpunkt in Grafing und deswegen müssen wir auch dafür sorgen, dass sie bleibt.“ Er verband damit einen Aufruf an die Grafinger Bürger: „Gründen sie einen Förderverein“, meinte er, schließlich sei die alte Jahnturnhalle, der Vorläuferbau der jetzigen Stadthalle, auch in viel Eigenleistung errichtet worden.

Jährlich 155 Belegungstage

Obermayr berichtet von jährlich 155 Belegungstagen. „Die Stadthalle läuft, und es tut mir in der Seele weh, dass wir solche Schwierigkeiten haben“, sagte sie und erläuterte, dass aus Brandschutzgründen leider keine parallelen Veranstaltungen im Saal und in der Turmstube stattfinden könnten. Die wenigsten Grafinger wissen, dass sich unter dem Dach der Stadthalle ein weiterer Saal befindet, der aber aufgrund der beengten Zugänge nie richtig in Betrieb genommen werden konnte. Es sei ein Arbeitskreis gegründet worden, der nach Lösungsmöglichkeiten für diese ganzen Problemfelder suchen soll, die Obermayr praktisch von ihren zwei Vorgängern geerbt hat.

Weitere Themen an diesem Abend waren unter anderem mehr Tempo-30-Zonen, Nachbesserungen an der Böschung der Ostumfahrung, ein dauerdefekter Aufzug in Grafing-Bahnhof und zuviel Störstoffe in der Biomülltonne, die in den Kompostieranlagen mühsam wieder aussortiert werden müssen. Das Grafinger Restmüllaufkommen sei gesunken, berichtete Obermayr und Komposthofbetreiber Babtist Lindner jr. ergänzte: „Wenn er dann bei uns gelandet ist“, sei das nicht gut.

Ebenfalls interessant: Grafinger Bürgermeisterin: Sie hat‘s gemacht

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