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Am Amtsgericht Ebersberg wurde der 22-Jährige jetzt verurteilt.

Verhandlung am Amtsgericht

Grafinger (22): Straftaten-Irrsinn im Drogenrausch

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Ein Grafinger (22) hat innerhalb von sechs Monaten mehr als 20 Straftaten begangen. Eine Geschichte über einen Heranwachsenden, der in den Drogensumpf abstieg.

Ebersberg – Beleidigung, Sachbeschädigung, Körperverletzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch. Minutenlang liest die Staatsanwältin die Anklageschrift im Ebersberger Amtsgericht vor. Vorgeworfen wird sie einem 22-Jährigen aus dem südlichen Landkreis.

Zuhause in einer Einrichtung für Suchtkranke

Derzeit lebt er in einer Einrichtung für Suchtkranke im Münchner Landkreis. Innerhalb von sechs Monaten hatte der junge Mann im vergangenen Jahr mehr als 20 Straftaten begangen. Dabei hatte er Schäden in Höhe von 4700 Euro angerichtet.

Die Vorwürfe gegen den damals 20-Jährigen beginnen mit einer Straftat, die er im Februar 2018 beging. In einem Discounter in Wasserburg klaut er Pfandflaschen und löst sie dort direkt wieder ein.

In Ottobrunn bricht er wenig später mit einem Bekannten in einen Keller ein. In Ebersberg missbraucht er den Polizeinotruf und täuscht die Behörde, in dem er eine Massenschlägerei vorgaukelt. Er klaut Lebensmittel, tritt den Außenspiegel eines fremden Autos ab, schlägt sich mit einem Mann in Grafing.

Er steigt in Wohnmobile ein

Er plündert mehrmals in einem Kaufhaus in München, wo er doch Hausverbot hat. Er bestiehlt einen drogenabhängigen Bekannten, beleidigt und schlägt eine Sicherheitsmitarbeiterin, steigt nachts in Wohnmobile ein, beschädigt sie, übernachtet dort und raubt die Fahrzeuge aus.

Der Irrsinn endet im Februar

Die Straftaten begeht er teilweise an nur einem Tag. 4700 Euro Schaden, mehr als 20 Straftaten, innerhalb von nur sechs Monaten. Immer wieder landet er bei der Polizei oder wird in Einrichtungen untergebracht. Im Wahn greift er während einer Autofahrt mit seiner Mutter ins Lenkrad und zieht den Schlüssel ab. Alles im völligen Drogenrausch: Er nimmt Ecstasy, die Partydroge MDMA, spritzt sich Heroin und Badesalz. Ein Irrsinn, der Mitte Februar diesen Jahres endete. Seitdem ist er in einer Suchteinrichtung untergebracht.

Klassische Drogen-Biografie

Der Beschuldigte gibt alle Anklagepunkte zu. Er sitzt auf der Anklagebank im Gerichtssaal, blättert nervös Aktenordner durch, kann sich an die Straftaten nicht mehr genau erinnern. Psychotherapeut, Bewährungshelferin, Vertreter der Jugendhilfe – sie skizzieren eine klassische Drogen-Biografie.

Therapie zeigt Erfolg

Mit 16 raucht der Angeklagte erstmals Cannabis. Als er volljährig ist, nimmt er die Feierdrogen Ecstasy und MDMA. Er bricht zwei Ausbildungen ab. Mit 18 Jahren begeht er mehrfach schwere Körperverletzung unter Einsatz von Waffen, muss für 20 Monate in den Jugendvollzug. Als er aus dem Knast kommt, ist er perspektivlos, fängt an, sich Heroin und Badesalze zu spritzen. Die Straftaten gehen weiter. Die Therapie in der Suchteinrichtung aber zeigt Erfolg, sagt eine Sozialpädagogin im Zeugenstand: „Der Angeklagte ist therapiemotiviert, er setzt sich mit seiner Sucht- und psychischen Erkrankung auseinander“.

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Das Schöffengericht unter Vorsitz von Markus Nikol folgt der Einschätzung der geladenen Experten und verurteilt den jungen Mann zu 22 Monaten Jugendstrafe auf Bewährung. Er muss seine Therapie zu Ende führen und an einer Folgemaßnahme mitwirken. „Sie sind ein Paradebeispiel für den Abstieg im Drogenmilieu“, sagt Nikol zum Ende. 

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