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Die Schutzschilder im Einsatz: Mit einem Scharnier an der Lupenbrille befestigt, bietet die Erfindung aus Grafing zusätzlichen Schutz für medizinisches Personal.

Idee in Corona-Krise

Corona-Krise als Chance: Grafinger Unternehmer baut Schutzschilde

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Grafinger Unternehmer überzeugt mit einem neuen Produkt medizinisches Personal. Es geht um Schutzschilde.

Grafing – Die Coronakrise als Chance? Hört sich so leicht an, aber ist da wirklich etwas dran? Vielleicht kann mancher Gewerbetreibende im Moment diesem Gedanken ja so gar nichts abgewinnen. Unternehmer Martin Bodenburg aus Grafing (51) ist derzeit jedoch ein gefragter Mann. „Ich muss jeden Tag nach München fahren zum Ausliefern“, schildert er seine Situation.

Die Spezialität von Bodenburgs Unternehmen im Schammacher Gewerbegebiet in Grafing sind eigentlich hochwertige Präzisionslupenbrillen für medizinisches Personal, die in Partnerschaft mit Swarovsky Optik und Zeiss entstehen. Jetzt hat er seine Produktpalette erweitert. Er baut Schutzschilde. Und die sind der Renner.

Zahnärzte, Chirurgen, alle Mediziner, die ganz nahe am Patienten arbeiten, gehörten bisher schon zu seinen Kunden. „Alles zusammen haben wir 34 Beschäftigte“, schildert der 51-jährige Grafinger Unternehmer Bodenburg, der seit 1999 selbständig ist und auch schon viele Patente angemeldet hat.

„Gebrauchsmusterschutz ist erledigt, Anmeldung zum Patent auf dem Weg“

„Gebrauchsmusterschutz ist erledigt, Anmeldung zum Patent auf dem Weg“, sagt er über seine neueste Erfindung, die aus einem Gesichtsschutz für medizinisches Personal besteht, Sie sei „gemacht für einen Arbeitsabstand von 30 bis 50 Zentimetern zum Patienten“, wie der Unternehmer informiert. „Genau dafür ist es entwickelt worden. Wir haben schon recherchiert. So etwas gibt es noch nicht.“

Das „Protectshield“ wird mit einer Aufnahme an der Lupenbrille oder einer ganz normalen Brille befestigt und ist hochklappbar. „Es gibt zwei Modelle.“ Der Schutz verhindert unter anderem zuverlässig, dass infektiöses Material in die Augen des Arztes gelangen kann. Denn auch über die Schleimhäute kann sich jemand zum Beispiel mit dem Coronavirus infizieren. Das ärztliche Personal muss geschützt werden, es ist in der Krisensituation gefährdet und wird gleichzeitig dringend benötigt. „In der Dentalbranche bin ich damit unsterblich geworden“, sagt Bodenburg und schmunzelt. „Jedenfalls haben mir das einige so bestätigt.“

Dass der Schutz auch an einer normalen Brille befestigt werden kann, ist von Vorteil: „70 bis 80 Prozent der Ärzte tragen eine Brille“, hat Bodenburg nachrecherchiert.

Zusammenarbeit mit der Firma Musterbau & Acrylglas Derschmidt aus Alxing

Entwickelt hat der 51-Jährige das Gesichtsschild zusammen mit einem Münchner Implantologen. Gebaut würden die Schutzvorrichtungen in Zusammenarbeit mit der Firma Musterbau & Acrylglas Derschmidt aus Alxing, berichtet Bodenburg. Der Produktionsprozess sehe im Groben etwa so aus: Zuerst werden aus einer vier mal zwei Meter großen Platte aus hochdurchsichtigen Kunststoff Rechtecke ausgeschnitten. Die werden dann geformt und gefräst, so dass das richtige Profil erreicht wird für den geplanten Arbeitsabstand. „Dann haben sie die größte Schutzwirkung“, sagt der 51-Jährige. „Das Material ist teuer und wird langsam knapp.“ Zum Schluss werde alles samt Gelenkhalterung fertig zusammenmontiert.

Firmenchef Martin Bodenburg (r.) und Werkstattleiter Gabor Lentner im Schammacher Unternehmen.

Ähnliche Masken gebe es bereits, aber mit einem entscheidenden Nachteil. Sie seien zum Beispiel als Stirnreifen konzipiert „und beschlagen beim Arbeiten“ durch den dauernden körperlichen Kontakt zum Träger. Das sei mit seiner Maske nicht gegeben, das Infektionsrisiko werde trotzdem stark gemildert. „Auf die kurze Distanz deckt das Schild alles ab, es ist für den ganzen Tag geeignet.“

Anästhesieabteilung einer großen Münchner Klinik als Kunde

Wer bei dem Grafinger Unternehmen ein Gesichtsschild bestellt, erhalte einen Gutschein für eine weitere Bestellung. Ganz aktuell sei die Anästhesieabteilung einer großen Münchner Klinik als Kunde dazugekommen. Die Nachfrage steige stark. „Wir überlegen, ob wir nicht eine dritte Schicht in der Firma einlegen.“

„Momentan sind wir dabei, 2000 Schilder abzuarbeiten“, berichtet der Grafinger Unternehmer. Da muss der Chef die Ware schon mal selbst ausfahren. „Am Tag produzieren wir die Brillen, die zweite Schicht stellte die Gesichtsschilder her.“ Die Kunden würden auch über einen Newsletter informiert. Zum Teil geht seine Ware bereits ins Ausland „nach Spanien, Italien, die Ukraine, Luxemburg und Israel“, berichtet der 51-Jährige. „Wir brauchen bald einen Lieferwagen in der großen Version und arbeiten am Anschlag.“ Aktuell habe ihn eine Bestellung aus Spanien über 500 Stück erreicht. Außerdem habe die Firma soeben eine Sondergenehmigung erhalten, die Ware auch in die Vereinigten Staaten zu liefern „für unsere amerikanischen Freunde“, so Bodenburg. Die Schichten sind so organisiert, dass immer jemand bei den Kindern zu Hause ist, wenn die Beschäftigten welche haben.

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