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„Unsere Mitglieder sind der Meinung, dass man eine Mango gar nicht isst“: Jule Iberl (43) von der „Unverpackt Gruppe“ Grafing, die eine Kooperative für Lebensmittel gründen will.

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Unverpackt-Initiative Grafing plant neuartige Einkaufsgemeinschaft

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Die Unverpackt-Initiative in Grafing will eine sogenannte Foodcoop gründen. Dabei geht‘s darum, Lebensmittel gemeinsam in größeren Mengen zu kaufen. 

Grafing – Am Anfang stand die Idee, dass die Verpackung wichtiger ist als der Inhalt. Das war damals ein Einfall von Marketingstrategen. Diese Idee mündete schließlich in einer Flut von Verpackungsmüll, der zum Problem geworden ist und die Umwelt belastet. In Grafing steht jetzt deshalb eine ganz andere Idee am Anfang.

„Unser Ziel ist die Gründung einer Foodcoop, in der wir Lebensmittel in größeren Mengen mit wenig Verpackung gemeinsam bestellen. Die umweltfreundliche und faire Herstellung der Produkte ist uns dabei wichtig“, sagt Jule Iberl (43) von der „Unverpackt Gruppe“.

Das Vorhaben gehört zu einer Reihe von Projekten im Rahmen der Transition Town Initiative Grafing. Die Aktiven suchen jetzt einen Raum, in dem die gemeinsam bestellten Waren gelagert werden können. Er müsste deshalb über einen Strom- und Wasseranschluss verfügen und barrierefrei erreichbar sein, „damit die Lieferanten die Ware dort mit dem Rollwagen problemlos anliefern können“.

30 Quadratmeter-Raum gesucht

Etwa 30 Quadratmeter sollte die „Warenunterkunft“ groß sein, „aber da haben wir uns noch nicht festgelegt“, sagt Iberl. Die Gruppe ist noch relativ frisch, das erste Treffen dazu hat erst im Oktober vergangenen Jahres stattgefunden. Auch über das Warenangebot wird noch diskutiert. Fest steht lediglich, dass es „gesunde Lebensmittel aus der Region“ sein sollen. „Nach Möglichkeit aus Deutschland“, so Iberl. „Unsere Mitglieder sind der Meinung, dass man eine Mango gar nicht isst“, sagt die 43-Jährige mit Hinweis auf die CO2-Vermeidung.

Die Grafinger Akteure befinden sich in zahlreicher Gesellschaft, wie ein Blick auf die Internetseite des Bundeszentrums für Ernährung zeigt. „In Deutschland gibt es derzeit über 3000 Foodcoops, die alle etwas anders funktionieren“, wird dort informiert. Bei den meisten Initiativen dieser Art bestelle „eine Gruppe Menschen gemeinsam große Mengen Lebensmittel beim Großhändler und umgeht den Einzelhandel. So kann sie die Lebensmittel zu günstigeren Preisen an ihre Mitglieder abgeben“, erläutert die Bundeszentrale. Damit kämen „auch Menschen mit kleinem Geldbeutel in den Genuss nachhaltig erzeugter und gehandelter Lebensmittel“.

Video: Zero-Waste: Am Besten ganz ohne Verpackungsmüll

Workshops und Einkaufsguides sollen folgen

Die Grafinger Ziele sind aber etwas anders gefasst. Dazu gehören „die Organisation von Workshops zu Themen, die mit Plastik- und Müllvermeidung zu tun haben, der Dialog mit bereits ansässigen Einzelhändlern, um das Angebot unverpackter Lebensmittel zu verbessern und die Erstellung eines Einkaufsguides, in dem verzeichnet ist, wo welche Artikel bereits unverpackt erhältlich sind“. Auch das Thema Foodsharing bzw. Essensrettung soll eine Rolle spielen ebenso wie Kontakte zu Personen, die sich in diesem Bereich bereits engagieren. Und die gibt es im Landkreis Ebersberg auch. „Den zündenden Funken“ für das Grafinger Projekt „entfachte die Ankündigung der Eröffnung eines genossenschaftlich organisierten Unverpacktladens in Zorneding“.

Auf der Suche nach einer geeigneten Lagerfläche haben sich die Grafinger Initiatoren an den Wirtschaftsförderer der Stadt Tim Grebner gewandt. „Freitag soll ein Treffen stattfinden“, berichtet Iberl. Wer sich für eine Mitarbeit oder Teilnahme an der Kooperation interessiert, hat bald Gelegenheit, sich zu informieren. „Die nächsten Termine für unsere Treffen sind Sonntag, 16. Februar, Mittwoch, 4. März, und Sonntag, 22. März, jeweils um 19 Uhr im Familien- und Bürgerzentrum in der Münchner Straße 12, im Rückgebäude (Eingang von der Kirchenstraße aus).“

Mitglieder sollen bestellte Produkte selbst abholen

Und so soll es funktionieren: Nach der Warenanlieferung können die Mitglieder zwei bis drei Tage lang ihre bestellten Produkte selbst abholen. Den Zugang zum Lager erhalten sie über einen Schlüsselsafe mit Zahlenkombination. Jetzt muss erst ein geeigneter Raum gefunden werden. Vielleicht hat ja jemand einen Tipp.

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