Verwaiste Bildungsstätten: Die Volkshochschulen kämpfen ums Überleben.
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Verwaiste Bildungsstätten: Die Volkshochschulen kämpfen ums Überleben.

Keine Perspektive für Erwachsenenbildung

Vhs-Chefin sagt: „Wir sind vergessen worden“

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Die Volkshochschule fühlen sich im Stich gelassen. Während in anderen Bereichen an das Leben vor Corona angeknüpft wird, gibt es für die Erwachsenenbildung keine Perspektive.

Grafing – Martina Eglauer, Chefin der Grafinger Volkshochschule, versteht die Welt nicht mehr. „Wir sind fassungslos“, sagt sie. Der Martina Eglauer Vhs-Chefin.Grund: Eine Shoppingtour, ein Besuch im Biergarten, eine Demonstration mit tausenden anderen Menschen sind Corona zum Trotz schon jetzt möglich. Das Lernen Erwachsener hingegen – in kleinen Gruppen, unter Einhaltung geregelter Infektionsschutzmaßnahmen – in Integrationskursen, im Sprachenbereich, in der präventiven Gesundheitsbildung, in der politischen, kulturellen und künstlerischen Bildung hat weiterhin keine Perspektive. „Die Erwachsenenbildung ist von der Politik vergessen worden. Wir sind mal wieder hinten runtergekippt“, sagt Eglauer zornig.

Martina Eglauer Vhs-Chefin.

Es geht darum, dass die Volkshochschulen bis heute keine konkrete Öffnungsperspektive haben. Der Präsenz-unterricht ist bis 29. Mai weiterhin untersagt. Lockerungen finden mittlerweile in vielen Bereichen der Gesellschaft statt, das gilt allerdings nicht für die Erwachsenenbildung. Während Viertklässler und die Jugendliche der Abschlussklassen wieder in die Schulen gehen können, müssen bildungshungrige Erwachsene zu Hause bleiben.

Täglich rufen Menschen an

Das könnten die Menschen, Teilnehmende und auch die Kursleitungen, nicht mehr nachvollziehen, sagt Eglauer. Täglich erreichten die Vhs Anfragen. Das Bildungsbedürfnis sei da. Die Menschen wollten sich wieder begegnen – unter Einhaltung der gebotenen Abstandsregeln. „Wir brauchen jedoch auch eine Vorlauf, um die Wiederaufnahme des Präsenzbetriebes zu organisieren. Deshalb drängt die Zeit, wenn wir den Menschen nach den Pfingstferien wieder Präsenzkurse anbieten möchten“, so Eglauer. Wenn die Entscheidung nicht die nächsten Tage falle, könne man in diesem Semester nicht mehr an den Start gehen. Die Folge sind erhebliche Einnahmeverluste, die wohl auch von den im Zweckverband kommunale Bildung vertretenen Gemeinden und damit vom Steuerzahler aufgefangen werden müssten.

Online ersetzt Präsenzunterricht nicht

Die Volkshochschulen hätten unter enormen Anstrengungen und mit hohem Engagement innerhalb kürzester Zeit ein Online-Angebot auf die Beine gestellt, das auf großes Interesse stoße und viele positive Rückmeldungen bewirke, sagt die Vhs-Chefin. Diese digitalen Angebote könnten jedoch die Präsenzvolkshochschule nicht ersetzen. Die Menschen warteten darauf, dass es wieder losgehen kann. Es gehe nicht um eine möglichst schnelle Öffnung, „aber wir brauchen einen konkreten Zeitplan, der uns bisher verwehrt geblieben ist. Die Volkshochschulen hängen nach wie vor in der Luft“, sagt Eglauer.

Unterstützung durch die Gemeinden

Von Seiten der Gemeinden erfahre die Erwachsenenbildung große Unterstützung. So könne die Vhs zum Beispiel den Saal im Unterbräu in Markt Schwaben für Gruppen nutzen und auch den Raum „Unterm First“ im Klosterbauhof in Ebersberg. In diesen Räumen könne der Unterricht unter Einhaltung der Abstandsregelungen gut organisiert werden. Auch Landrat Robert Niedergesäßhabe die Nutzung der Räume an weiterführenden Schulen für die Vhs-Kurse zugesagt. „Wir brauchen nur noch grünes Licht von der Staatsregierung. Auch was eine staatliche Unterstützung für die enormen Einnahmenausfälle betrifft, sind die Volkshochschulen bisher nicht bedacht. Hier braucht es ebenso deutliche Signale in Form einen Rettungsschirmes für die Erwachsenenbildung“, sagt Eglauer, die auch betont, dass Bildung das einzige Instrument gegen die Verschwörungstheorien seien, die angesichts der Corona-Pandemie verbreitet würden.

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