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So schaut’s aus: Auf fünf Fairways des Golfclub Schloss Elkofen haben Wildsaurotten den Boden aufgewühlt. Der Spielbetrieb sei derzeit aber noch nicht beeinträchtigt, lautet die Auskunft des Clubs.

Überall Löcher, wo keine hingehören

Sie kommen immer nachts: Wildsauplage auf Golfplatz

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Der Golfclub Schloss Elkofen hat ungebetenen Besuch bekommen. Eine Rotte Wildsäue wühlte auf fünf Fairways die Grasnarbe um. Viel Arbeit für den Greenkeeper.

Elkofen – „Zweistellig“ schätzt Helmut Hampel, der Präsident des Clubs, die Anzahl der Wildschweine ein, die hier ihr Unwesen getrieben haben.

„Momentan wird versucht, das einzudämmen“, berichtet Hampel. Davon zeugen auch Jägerstände, die auf dem Gelände verteilt aufgestellt wurden. Zwar halte sich der Schaden derzeit noch in Grenzen, weil keine Greens betroffen seien. Das könne sich aber sehr schnell ändern. Größer wäre der Ärger, wenn der Spielbetrieb beeinträchtigt würde. „Das ist aber aktuell nicht der Fall“, atmet Hampel auf.

Die Elkofener teilen sich ihre Schwierigkeiten offensichtlich mit anderen. „Das Problem hat wahrscheinlich jeder“, lautet die Auskunft der Golfanlage Gut Thailling. Auch hier waren bisher nur die Fairways betroffen, „gottseidank“. Glück hatten dagegen offensichtlich nur die Egmatinger, deren Golfanlage noch verschont blieb, „wenigstens die letzten Jahre“. Hampel weiß jedoch von Plätzen in Deutschland, „die komplett eingezäunt werden mussten“. Der Erfolg einer solchen Maßnahme sei zweifelhaft, weil die Wildschweine diese Elektrozäune immer wieder durchbrechen. „Einmal kräftig dagegenlaufen“, dann seien sie durch.

Auf der Suche nach Insektenlarven

Was suchen die Tiere eigentlich auf den intensiv gepflegten Flächen? Die Antwort darauf gibt Konrad Metzger, der Vorsitzende der Kreisgruppe Ebersberg im Landesjagdverband. Die Wildsäue würden heuer besonders viele Eicheln und Bucheckern fressen. Dieses Überangebot an pflanzlichem Eiweiß „müssen die Tiere irgendwie ausgleichen“. Sie würden deshalb den Boden nach Insektenlarven durchwühlen auf der Suche nach tierischem Eiweiß. Die Folgen sind in Elkofen deutlich geworden. Weil der Platz zum Teil von Waldflächen umgeben ist, haben die Wildsäue tagsüber genügend Deckungsmöglichkeiten.

Die Bejagung stellt die Jäger vor Probleme, weil die Wildschweine gerne im Schutz der Dunkelheit auf Nahrungssuche gehen. „Wer hat schon die ganze Nacht Zeit?“, sagt Hampel. Und dann müsse man zur richtigen Zeit auch noch am richtigen Ort sein.

Eigentümer des Golfgeländes ist Max Graf von Rechberg. Er ist selbst Jäger und versucht, mit sechs Helfern die Wildschweine zu erlegen. „Die kommen zu 20 und drehen 500 Quadratmeter Boden um. Am andern Tag muss der Greenkeeper dann mühsam auf den Knien versuchen, den Schaden wieder zu beheben“, berichtet er. Die Jagd sei schwierig, weil bis zum letzten Licht Golf gespielt werde und beim ersten Licht schon wieder, wofür er Verständnis habe. 

„Als ob sie genau wüssten, was los ist“

Die Behörden genehmigten ihm ein Nachtzielgerät. Inzwischen wurden auch schon Tiere geschossen, „etwa zehn Prozent“, schätzt Rechberg. Eine Wildkamera hat ein Video von einer Wildsau auf dem Gelände gemacht. Der Zeitstempel verrät die Uhrzeit: Die Aufnahme wurde um 2.44 Uhr ausgelöst. Außerdem sind die Tiere offensichtlich sehr schlau. „Seit die Jägerstände auf dem Platz stehen, sind sie anscheinend nicht mehr aufgetaucht. Es ist, als ob sie genau wüssten, was los ist“, berichtet ein Mitglied.

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