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Auf dieser freien Gewerbefläche an der Münchener Straße in Grafing könnte eine moderne Tankstelle mit E-Schnellladestationen und Wasserstoffzapfstelle entstehen. 

Grafinger wegen Diesel, Benzin, Wasserstoff und Waschstraße in Sorge

Willkommen an der Zankstelle

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In Grafing gibt‘s Zoff: Bürger wehren sich gegen eine geplante Tankstelle an der Münchener Straße. Der Ton ist rau.

Grafing– Eine Tankstelle mit zusätzlichen Elektroschnellladestationen, einer eingehausten Waschstraße und einem Wasserstoffzapfpunkt in Grafing: Was für die Befürworter alternativer Antriebsformen eine Wunschvorstellung ist, ist für die unmittelbaren Anlieger eher Anlass zur Sorge. Es geht um einen möglichen Tankstellenbetrieb an der Münchener Straße. Dazu fand am Montag eine Bürgerinformation statt, an der im Rathaus fast 60 Personen teilnahmen.

Vorwurfsvoller Ton

Der Ton war anfangs rau und vorwurfsvoll, wich aber im Laufe des Abends durchaus konstruktiven Wortbeiträgen. „Entweder wir schaffen es, das Ganze vorher zu Grabe zu tragen, oder wir haben die Arschkarte gezogen“, lautete jedenfalls eine der ersten Wortmeldungen eines besorgten Bürgers.

Investor ist kompromissbereit

Investor Manfred Singer gab Antworten auf alle Fragen der Anlieger in der Gustl-Waldau-Straße und zeigte dabei eine Bereitschaft, die Tankstelle auch ohne Waschstraße zu projektieren, nachdem besonders diesem Punkt viel Skepsis der Bürger entgegen schlug.

Obermayr kündigt Ortstermin an

Zur besseren Visualisierung wird auf Kosten des Investors jetzt ein virtuelles 3-D-Modell angefertigt, mittes dessen die Bürger sich dann ein Bild der genauen Dimensionen des Projektes machen können. Das ist bereits in Arbeit. Danach wird es einen Ortstermin geben, kündigte Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) an. Vor der Kommunalwahl, so sagte sie, werde ohnehin keine Entscheidung mehr für oder gegen einen Einstieg in ein Verfahren fallen, was mit Blick auf die bisherige und sehr dünne Faktenlage auch kaum möglich wäre. „Dann werden wir nicht wählen“, konterte eine Bürgerin laut.

Bauamtsleiter Josef Niedermaier verwies darauf, dass für das Areal an der Münchener Straße nur mehr ein sehr geringes Lärmkontingent vorhanden sei, nachdem dieses durch bereits bestehendes Gewerbe in Anspruch genommen wird. Ein Nachtbetrieb der Tankstelle sei nicht möglich, was der Investor weiß. Er will die Betriebszeiten beschränken auf 6 bis 22 Uhr, sie auch nicht mittels EC-Kartentanksäule erweitern und verzichtet auf Neonbeleuchtung.

Als Gewerbefläche ausgewiesen

Im Flächennutzungsplan der Stadt ist das Areal seit 1986 als Gewerbefläche ausgewiesen. Ein erster Abschnitt anliegender Wohnbebauung entstand 1998, ein zweiter dann im Jahr 2012, zeigte Niedermaier die Historie auf. In diesem Zusammenhang stellte ein Bürger die Frage in den Raum, ob die Flächennutzungsplanung der Stadt an dieser Stelle überhaupt noch zeitgemäß sei.

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Die Stadt möchte an einmal bereits ausgewiesenen Arealen erkennbar festhalten, weil sie im Bemühen um neue Gewerbeflächen an ihre Grenzen stößt. Das ist unter anderem dem sich schnell formierenden, massiven Widerstand aus der Bürgerschaft geschuldet. Der würde sich laut Niedermaier auch erheben, wenn die Tankstelle an der Ostumfahrung platziert würde, wie ein Vorschlag lautete. Dieser Standort scheitert aber auch an den Vorgaben der Regierung von Oberbayern, erläuterte der Bauamtsleiter – Stichwort Anbindungsgebot.

Seit 20 Jahren auf der Suche nach neuem Platz

Singer ist seit etwa 20 Jahren auf der Suche nach einem neuen Platz, weil seine Tankstelle an der Rotter Straße nicht erweitert werden kann. „Wir suchen nach einer Möglichkeit, die Stadt zu versorgen mit neuen Energien und wollen dabei das Zentrum stärken“, sagte Singer zur Wahl dieses Standortes. Elektroladesäulen seien wichtig für Bürger, die in einer Mietwohnung wohnen und keinen Tiefgaragenplatz haben. „Das kommt schneller, als wir denken“, meinte er. Rein rechtlich hätte die Stadt die Möglichkeit, eine Tankstelle an dieser Stelle auszuschließen. Dann käme aber aber ein anderes Gewerbe. Es gibt jedoch noch überhaupt keinen Beschluss, es ist alles in der Schwebe.

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