Hotel Vier Jahreszeiten in München
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Auch in diesem Münchner Luxushotel traf sich die Angeklagte mit dem Augsburger Kunden.

Hotelbesuch endet vor Gericht

Illegale Prostitution: Escort-Dame aus Grafing verurteilt

Weil sie sich im Münchner Sperrbezirk mit einem Kunden getroffen hat, ist eine Escort-Dame aus Grafing am Donnerstag, 29. Juli, vor dem Amtsgericht Ebersberg zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Grafing – Besser hätte es sich auch der Autor eines Groschenromans nicht ausdenken können: Ein 60-Jähriger, der sich eine 26-jährige Escort-Dame sucht und sich in sie verliebt. Weil die junge Frau die „Beziehung“ nach etwa einem halben Jahr nicht mehr fortsetzen möchte, landet der Fall wegen unerlaubter Prostitution drei Jahre später vor dem Amtsgericht Ebersberg.

Der heute 63-jährige Augsburger hat sich 2018 regelmäßig mit der Grafingerin in Münchner Nobel-Hotels getroffen. Diese liegen aber im Sperrbezirk, wodurch sich die mittlerweile 29-Jährige strafbar gemacht hat.

Bezahlung für Dienste der Frau: Uhr im Wert von über 45.000 Euro

Wie auswendig gelernt zählte der Mann vor Gericht die Tage auf, an denen es zwischen ihm und der Angeklagten zu sexuellen Handlungen gekommen sei. „Sie reden immer pauschal von sexuellen Handlungen“, hakte der Verteidiger schließlich nach. „Was genau ist denn da passiert?“ „Also, vom Alter her müssten Sie wissen, was sexuelle Handlungen sind“, gab der Augsburger patzig als Antwort. Worauf der Verteidiger hinaus wollte: Laut der Grafingerin ist es nicht bei jedem der aufgezählten Treffen zum Geschlechtsverkehr gekommen, der 63-Jährige sei dazu nicht immer in der Lage gewesen. Das stritt dieser vor Gericht aber ab.

Um die Escort-Dame nicht jedes Mal bezahlen zu müssen, habe er mit der jungen Frau ausgehandelt, ihr eine Uhr im Wert von 45.500 Euro zu kaufen. Seiner Aussage nach habe man vereinbart, sie solle diese Uhr im Anschluss abarbeiten. Vor Gericht verglich er die Uhr mit einer 10er-Karte fürs Freibad: „Jedes Mal wenn ich hingehe wird abgelocht und irgendwann ist es dann zu Ende.“ Wegen der Uhr laufe auch bereits ein gesondertes Verfahren, er wolle „die unverbrauchte Zeit zurück“.

Zweite Uhr für 31.000 Euro war ein Geschenk

„Das stimmt einfach nicht!“, rief die Grafingerin dazwischen. Für sie habe der Deal darin bestanden, dass der Kunde ihr kein Bargeld mehr geben müsse. Dass dafür eine bestimmte Anzahl an weiteren Treffen hätte stattfinden müssen, sei nie Teil der Absprache gewesen.

Eine zweite Uhr hat der 63-Jährige ihr zum Geburtstag geschenkt. Diese hat einen Wert von über 31.000 Euro. „Die war ein Geschenk, ganz unstrittig“, erklärte er. Die Reaktion der Angeklagten auf das Geschenk würde der Bundesgerichtshof seiner Ansicht nach aber als „groben Undank“ bezeichnen, sagte er weiter: Während der gesamten Zeit habe sie ihm nie ihre genaue Adresse verraten. „Nach so einem Geschenk möchte man meinen, man würde zumindest noch auf einen Kaffee in die Wohnung eingeladen. Aber nichts“, empörte er sich vor Gericht. „Ich bin einfach eiskalt abgesägt worden“, sagte der Augsburger.

29-Jährige vor Gericht: „Er ist älter als meine Eltern.“

Warum sie das Verhältnis so plötzlich beendet hatte, fragte Richterin Vera Hörauf die Angeklagte. „Das ist ja schon ein eklatanter Altersunterschied“, erklärte diese. Sie habe das genaue Alter des Augsburgers nicht gekannt, bis sie zufällig bei einem gemeinsam Urlaub in St. Moritz seinen Führerschein gesehen habe. „Er ist älter als meine Eltern.“ Angezeigt habe sie der 63-Jährige aus „absoluter Rachsucht“. Er habe eine „starke Obsession“ entwickelt: Nachdem sie das Verhältnis beendet hatte, habe er alles getan, sie bei Ämtern anzuschwärzen. „Er ist auf Vernichtung aus.“

Dass es zu Sex im Hotel Vier Jahreszeiten und Mandarin Oriental in München gekommen sei, gab sie dann offen zu. Und weil es sich nur um diesen Tatvorwurf in dem Verfahren drehte, wurde die 29-Jährige deshalb schließlich zu einer Geldstrafe von 11.000 Euro verurteilt.

von Helena Grillenberger

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