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In Grafing wird das Trinkwasser knapp: Zum Glück gibt es Hilfe aus Ebersberg

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Von: Michael Seeholzer

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Rettende Leitung: Während der Brunnensanierung fließt Wasser von Ebersberg in die Grafinger Haushalte – hier die beiden Bürgermeister Ulrich Proske (li.) und Christian Bauer (re.) beim Baubeginn des Notverbunds im März 2021. sro
Rettende Leitung: Während der Brunnensanierung fließt Wasser von Ebersberg in die Grafinger Haushalte – hier die beiden Bürgermeister Ulrich Proske (li.) und Christian Bauer (re.) beim Baubeginn des Notverbunds im März 2021. © Stefan Roßmann

Die Trinkwasserbrunnen der Stadt Grafing sind marode. Deshalb wird wohl bald der neue Wasser-Notverbund mit Ebersberg eine Rolle spielen.

Grafing – Der Notverbund kam keinen Moment zu früh. Ohne Hilfe aus Ebersberg wäre eine gesicherte Wasserversorgung der Stadt Grafing in Gefahr – beziehungsweise überhaupt nicht mehr gewährleistet. Das wurde in der jüngsten Bauausschusssitzung deutlich. Jetzt ist guter Rat teuer, und es steht auch schon ein Preis fest: Die reinen Baukosten für die Sanierung von vier Brunnen in Öxing am Hochholz werden zwei Millionen Euro betragen.

Zwei Millionen Euro Sanierungskosten

Böse Überraschung, nicht nur für die Stadträte. Denn der Investitionsbetrag soll durch Gebühren wieder eingespielt werden, sprich die Verbraucher werden das später bezahlen. Die Brunnen am Hochholz bilden zusammen mit den leistungsfähigen Quellen in Aiterndorf das Rückgrat der Versorgungssicherheit. Aber während die Aiterndorfer Gewinnung bis Ende 2040 gesichert ist, schaut es für die Brunnen am Hochholz düster aus. Und weil aktuell dort ein Wasserrechtsverfahren läuft, muss investiert werden. Langfristig soll die Wassergewinnung Öxing jährlich 350 000 Kubikmeter liefern, „was dem natürlichen Dargebot entspricht“, wurde in der Sitzung von der Verwaltung erläutert. Den Sachvortrag dazu hielt Anna-Maria Pätzold.

Zu den zwei Millionen Euro Sanierungsbaukosten meinte sie vorsichtig: „Das ist nur eine ganz grobe Schätzung.“ Bürgermeister Christian Bauer (CSU) stellte aber klar: „Wir müssen das machen, da bleibt uns gar nichts anderes übrig.“

„Vollständiger Ausfall nicht auszuschließen“

Die Gewinnungsanlage am Hochholz macht schon seit längerer Zeit Ärger. Eine der vier Förderstellen wurde wegen baulicher und hydrochemischer Mängel bereits Ende der 90er-Jahre vom Netz genommen. Dort soll jetzt ein Ersatzbrunnen abgeteuft werden. Um das gesamte Potenzial auszunutzen, ist auch diese Förderstelle notwendig. Der zweite der vier Brunnen ist älter als 50 Jahre, nicht mehr Stand der Technik und außerdem stark korrodiert. „Ein vollständiger Ausfall“ sei „nicht auszuschließen“.

Im Brunnen drei fand eine Kamerabefahrung statt. Ergebnis: „Massive Schadstellen.“ Außerdem war dessen Wasser wiederholt schon verkeimt. Die Förderstelle wurde deshalb vom Netz genommen – nachdem sie im Juli 2021 erst regeneriert worden war. Aktuell wird das Wasser zur Pflege der Anlage zweimal wöchentlich einfach abgepumpt. Alles in allem gibt es also zahlreiche Baustellen.

Versorgungslücke in Grafing soll neuer Notverbund mit Ebersberg zwei Jahre überbrücken

Am Hochholz werden derzeit trotz aller Probleme noch 240 000 Kubikmeter Wasser jährlich für die Grafinger Versorgung gewonnen. Zum Vergleich: Der Brunnen in Elkofen liefert nur ein Zehntel dieser Menge, nämlich 24 000 Kubikmeter. 240 000 Kubikmeter aber sind eine Masse, die von den Aiterndorfer Quellen auf Dauer nicht zusätzlich gefördert werden können, jedenfalls nicht alleine. Es entsteht also eine Versorgungslücke.

Bei einer Vollsanierung der vier Öxinger Brunnen muss die genannte Fördermenge durch die „Fremdversorgung über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren Bauzeit durch die Stadt Ebersberg im Notverbund“ gewährleistet werden.

Grafing und Ebersberg: Gegenseitige Unterstützung beim Trinkwasser

Die Grafinger Notlage hat also auch Auswirkungen auf die Kreisstadt. Deshalb fand Anfang Dezember eine Besprechung mit Vertretern beider Städte statt. Beide Kommunen hatten sich dabei laut Grafinger Verwaltung gegenseitige Unterstützung zugesichert, deren Dreh- und Angelpunkt jetzt die neue Notversorgung mit Übergabepunkt in Gsprait ist.

Die Ebersberger werden deshalb ihre angedachten Maßnahmen am eigenen Wasserversorgungsnetz um zwei Jahre zurückstellen, bis die Grafinger Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind. Im Grafinger Bauausschuss gab es dazu ein einstimmiges Votum, nachdem Stadtrat Max Graf von Rechberg (CSU) sich kurz vorher noch beklagt hatte, dass die Stadt wegen immer neu auftauchender und unaufschiebbarer Investitionen „nie“ von ihrem Schuldenberg herunterkommen wird.

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