Der Unsinnige Donnerstag in Grafing war bisher der Höhepunkt des Straßenfaschings im südlichen Landkreis. Im nächsten Jahr fällt er wegen der Corona-Pandemie aus. Foto: Stefan Rossmann
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Der Unsinnige Donnerstag in Grafing war bisher der Höhepunkt des Straßenfaschings im südlichen Landkreis. Im nächsten Jahr fällt er wegen der Corona-Pandemie aus.

Grafing und seine Vereine arbeiten an neuem Konzept

Fasching 2021 in Grafing: TSV-Varieté, Usido und Lumpenball fallen aus - doch es gibt einen Ersatz-Plan

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Der Fasching in Grafing wird 2021 höchstens in einer abgespeckten Variante stattfinden. Das beliebte Varieté des TSV ist abgesagt. Doch der Stadthallen-Chef tüftelt an einem Ersatzplan.

Grafing – Offiziell ist der Fasching 2021 nicht gestorben. Doch Sebastian Schlagenhaufer, Chef der Stadthalle Grafing, sagt schon heute: „Wir müssen uns von dem Gedanken an Faschingsbälle mit Tanz und Barbetrieb verabschieden.“ Statt einfach alles abzusagen, wählt Grafing, die Faschingshochburg im Landkreis-Süden, aber einen anderen Weg. Das zeichnet sich nach einem Treffen der Verantwortlichen von Stadt und Vereinen am Montag ab, auch Bürgermeister Christian Bauer (CSU) war dabei.

Fasching 2021 in Grafing: Mehrere kleine Veranstaltungen sollen die großen Feste ersetzen

Statt der großen Faschingssausen könnte es über die feierkritischen vier Wochen hinweg ein knappes Dutzend kleinerer Veranstaltungen in der Stadthalle geben – kürzer, mit weniger Besuchern auf einmal und festen Sitzplätzen statt gaudibunter Gemengelage. „Wir wollen keine Schlupflöcher suchen und ausnutzen“, sagt Schlagenhaufer. „Das Ganze soll regelkonform und verantwortungsbewusst ablaufen.“

In die Stadthalle können nur rund 80 Zuschauer - und auch auf der Bühne gilt wohl der Mindestabstand

Das heißt zum Beispiel, dass pro Veranstaltung nur gut 80 Zuschauer auftauchen könnten – mehr fasse die Stadthalle pandemiehygienebedingt guten Gewissens nicht, rechnet der Chef vor. Schlagenhaufer wünscht sich ein abgespecktes Bühnenprogramm – damit auch dort die Mindestabstände eingehalten werden können. Bürgermeister Christian Bauer (CSU) sei von diesem Plan ebenfalls überzeugt.

Schlagenhaufer kann sich Einzelveranstaltungen der besonders faschingsverdächtigen Vereine – TSV, Feuerwehr und Faschingsbären – vorstellen. Aber auch neue Konzepte wie eine Talkshow mit alteingesessenen Grafinger Faschingsveteranen oder Rückblicke in die abwechslungsreiche Varietégeschichte: Was wurde aus denen, die vor zehn Jahren derbleckten und derbleckt wurden?

Hauptsache ein Signal setzen, findet der Stadthallenchef. „Der Fasching schläft nur“, sagt er. „Wir kommen wieder!“ Gefragt ist nun auch der Einfallsreichtum der Vereine. „Die Stadt wird sie unterstützen“, verspricht Schlagenhaufer.

TSV Grafing sagt Faschingsvarieté für 2021 ab

Eine schlechte Nachricht steht aber mittlerweile fest. „Das Varieté fällt heuer aus“, sagt Anna Hopfes, Vorsitzende des TSV, auf EZ-Anfrage. Es werde auch keine „Light-Version geben“ – in der Stadthalle sei heuer mit Tanzgruppen nichts zu machen. Stattdessen soll die Turnabteilung eine Kinder-Turngala in der Dreifach-Turnhalle abhalten, die mehr Zuschauer fasse – um den Kindern eine Möglichkeit für einen Auftritt vor den Eltern zu geben.

Das beliebte Clown-Trio habe aber grünes Licht, eine eigene Veranstaltung oder eine Kooperation mit der Stadt Grafing auf die Beine zu stellen. Dazu laufe die Planung gerade erst an, so Hopfes. Auch sei denkbar, dass sich TSV-Vertreter an kleineren Kulturveranstaltungen beteiligt, wie sie Stadthallen-Chef Schlagenhaufer vorschlägt.

Die Grafinger Faschingsbären denken über Veranstaltungen ohne Tanz und Barbetrieb nach

Am 11.11. um 11.11 Uhr soll in Grafing der Fasching beginnen – „auf jeden Fall!“, sagt Felix Pollinger, Vorstand der Faschingsbären. Der traditionelle Anstich auf dem Marktplatz sei in Planung und als Draußen-Veranstaltung wohl gut zu machen. Der Unsinnige Donnerstag wiederum liege auf Eis – schon wegen der kaum einzuhaltenden Abstandsregeln.

Anstelle ausgelassenen Feierns und Tanzens in der Stadthalle kann sich der Faschingsbären-Chef ein maskiertes Abendessen vorstellen – mit einem Bühnenprogramm, beispielsweise einer Büttenrede: „Wir sind froh, dass die Stadt etwas ermöglichen will und uns unterstützt.“ Ob die Tanzgruppen auftreten dürfen oder auch auf der Bühne der Sicherheitsabstand regiert, kläre man gerade ab. „Miteinander trainieren dürfen sie ja“, sagt Pollinger. Außerdem denke der Verein über einen Ball nur für die Mitglieder nach – abhängig von den dann geltenden Vorschriften. Kinderfasching und Familiennachmittage seien dagegen wohl nicht zu machen, sagt der Vereinsvorstand: „Schade, aber so ist es halt.“ Bei allen Planungen spiele auch die Sorge vor einem „Superspreader“ mit – und das Risiko, wegen eines solchen Falles als fahrlässige Virenverbreiter gebrandmarkt zu werden.

Die Feuerwehr lässt den Lumpenball ausfallen - meldet aber Kooperationsbereitschaft an

Der beliebte Lumpenball der Freiwilligen Feuerwehr wird im kommenden Fasching wohl ausfallen. „Ich gehe stark davon aus, dass das nichts wird“, sagt der Vorstand des Feuerwehrvereins, Andreas Schmidt. „Wir wollen ja kein Hotspot werden.“ Falls es sich ergibt, könne sich die Feuerwehr mit einer kleinen Einlage an einer Veranstaltung beteiligen, selbst plane man aber derzeit nichts. „Wir gehen aber noch mal in uns“, verspricht Schmidt – und spricht damit irgendwie auch für alle Grafinger Faschings-Verantwortlichen. Es läuft die Findungsphase.

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