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Landwirt vermietet Tiere an Schule: Hühner als Stars auf dem Schulhof

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Von: Michael Seeholzer

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Vier Schüler beobachten die Hühner auf der Wiese.
Karl, Dearn, Velentin und Thomas (v.l.) versorgen die Hühner, die derzeit an der Johann-Comenius-Schule in Grafing ihr Leben genießen. Eine Aufgabe, die die Kinder gerne übernehmen. © Stefan Roßmann

Das Johann-Comenius-Förderzentrum in Grafing will mit ungewöhnlichem Natur-Projekt Schüler und Tiere einander näher bringen.

Grafing – Was bedeutet eine Null auf einem Ei? Welche Vögel gibt es bei uns? Wie sieht ein naturnaher Lebensraum aus? Und welche Pflege brauchen eigentlich Haushühner? Antworten auf diese Fragen kennen die Schüler der 4. Klassen des Johann-Comenius-Förderzentrums in Grafing. „Unsere Einrichtung ist auch auf die Vermittlung von Alltagskompetenzen ausgerichtet“, erläutert Schulleiter Josef Klinger.

Besuch im Klassenzimmer. Lehrerin Gabriele Müller erklärt zusammen mit ihren Schülern das „Hühnerprojekt“. Müller hat ein Unternehmen ausfindig gemacht, das Haushühner vermietet. Vier Stück scharren im Hof der Schule derzeit auf einem eingezäunten Grundstück. Darauf steht ein schmucker Hühnerstall samt Tränke und integrierter Eiablage. Zwei Eier sind die heutige Ausbeute. Die Hühner haben einen Namen. Sie heißen Ursel, Uschi, Evi und Heidi. „Ursel ist die Chefin“, erklärt Müller. Zu einem Preis von gut 300 Euro für drei Wochen hat diese Ausrüstung samt der vier Tiere die Firma „handle my hendl“ zur Verfügung gestellt. In Grafing bleiben die Tiere vier Wochen. Das Unternehmen sitzt in Buch am Erlbach in der Nähe von Landshut.

Zum Eierlegen brauchen Hühner: Haus, Ruhe Platz und Menschen

Lehrerin Gabriele Müller und Dominik mit frischen Eiern am Hühnerstall der Schule.
Lehrerin Gabriele Müller und Dominik mit frischen Eiern am Hühnerstall der Schule. © Stefan Roßmann

„Wir sind die erste Schule in Bayern, an die der Betrieb seine Hühner vermietet“, erklärt die Grafinger Lehrerin voller Stolz. In anderen Bundesländern würden auch an Seniorenheime ab und zu Hühner leihweise vermittelt.

„Wir haben den Stall ausgemistet, das Wasser ausgetauscht und die Leiter sauber gemacht“, berichtet der Schüler Valentin. „Außerdem haben wir die Hühner mit Mehlwürmern belohnt.“ Das war nicht ganz uneigennützig. Schließlich wollen die Schüler die Hühner auch mal „aufheben und streicheln“. das klappt noch nicht so ganz. Was brauchen Hühner, damit sie Eier legen? „Ein Haus, Ruhe, Platz und Menschen, die sich um sie kümmern“, wissen die Schüler. „Und sie brauchen Futter, Luzerne oder Klee“, ergänzt Thomas. Was man aus Eiern alles machen kann in der Küche, das weiß Vanessa. Auf eine entsprechende Frage sagt sie: „Pfannkuchen und Kaiserschmarrn“. Die Klasse ist international besetzt, und deswegen werden auch Rezepte aus dem jeweiligen Heimatland genannt. Viele Schüler berichten, dass ihre Großeltern ebenfalls Hühner hielten.

Vogelhaus mit Webcam

Am Abend muss der Hühnerstall zugesperrt werden, damit kein Fuchs auf die Idee kommt, den Kindern ihre Unterrichtshühner zu stehlen. „Das muss die Lehrerin machen, weil die Kinder zum Teil mit dem Bus weitere Strecken zur Schule zurücklegen müssen“, berichtet Müller. Für den Hühnerdienst sind zwei Teams eingeteilt worden.

Aber nicht nur Hühner stehen auf dem Unterrichtsplan. Auch die heimische Vogelwelt wurde durchgenommen. Dazu wurden am Schulgebäude in luftiger Höhe Vogelhäuschen aufgehängt. „Mit Webcam sogar“, berichtet Schulleiter Klinger. Auf diese Weise konnte im Klassenzimmer am Bildschirm beobachtet werden, wie die Vögel in den Nistkästen ihren Nachwuchs aufzogen. Jetzt sind sie ausgeflogen, die Webcam zeigt ein leeres Häuschen. „Es waren Kohl-meisen und Stare“, wissen die Schüler inzwischen.

Auch Hilfen für Mauersegler und Schwalben in Planung

„Wir wollen auch noch Nisthilfen für Schwalben und Mauersegler aufstellen“, berichtet Müller vom nächsten Projekt, auf das die Schüler schon ganz gespannt sind. Momentan aber sind die vier Hühner die Stars auf dem Schulgelände. „Bitte leise sein und den Zaun nicht anfassen“, haben die Kinder auf einen Zettel geschrieben. Außerdem wurden Bilderwände angefertigt, auf denen das Unterrichtsgeschehen noch einmal dargestellt wurde.

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