Waldkindergarten Nettelkofen
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im Idyll: Der bestehende Grafinger Waldkindergarten bei Nettelkofen.

Kritik am Standort

Grafing bekommt einen Waldhort - Die Kinder müssen aber mit dem Auto hingebracht werden

  • Michael Seeholzer
    VonMichael Seeholzer
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Die Schulkinder in Grafing sollen ein zusätzliches Betreuungsangebot bekommen - mitsamt Naturerlebnis. Kritik gibt es aber am Standort.

Grafing- Die Corona-Pandemie hat zwar in der Mittagsbetreuung vorübergehend einen erheblich Rückgang des Betreuungsbedarfes verursacht, mittelfristig geht die Verwaltung aber davon aus, dass sich die Nachfrage wieder erhöhen wird. Dafür müssen jetzt bereits Vorkehrungen getroffen werden – das hat der Sozialausschuss in seiner jüngsten Sitzung getan. Die Lösung soll in einem Waldhort bestehen.

Das anvisierte Grundstück stand in der Kritik. Laut Information der Verwaltung war die Mittagsbetreuung noch im Frühjahr 2020 voll belegt und „geriet mit der Betreuung von 140 Kindern an ihre Grenzen“. Weitere 20 Schüler benötigten zu diesem Zeitpunkt aber einen Betreuungsplatz. Dann kam der Einbruch bei den Besucherzahlen. Nachdem sich mit abflauender Pandemie jetzt aber eine Rückkehr zur Normalität abzeichnet, müssen diese Plätze geschaffen werden.

„Im Hinblick auf die Einführung eines Ganztagesbetreuungsanspruchs für Grundschulkinder der ersten Klasse ab 2025 ist die Eröffnung eines Waldhortes ein weiterer Bestandteil eines pluralen Betreuungsangebotes“, hieß es seitens der Verwaltung. Und tatsächlich werde die Waldpädagogik seitens der Elternschaft sehr gut angenommen, wie die Nachfrage nach Plätzen beim bereits bestehenden Waldkindergarten gezeigt habe.

Früher als gedacht: Grundstückssuche schon abgeschlossen

So schnell kann es gehen: Der Antrag, für den Waldhort ein Grundstück und einen Träger zu finden, ist ganze drei Monate alt und kam von den Grünen. Als Träger wird der Verein Socius auftreten, dem der Sozialausschuss einstimmig das Vertrauen aussprach und der im Raum Rosenheim damit schon Erfahrung hat. Auch die Grundstückssuche scheint abgeschlossen – früher als gedacht, alles sei optimal gelaufen.

Das Areal liegt kurz vor Neudichau, nördlich der Kreisstraße und ist etwa 1,8 Kilometer von der Grafinger Grundschule entfernt. „Es gibt aber einen Transfer, wir haben kein näheres Grundstück gefunden“, informierte die Verwaltung.

Kritik: Standort sei ökologisch nicht durchdacht

Da kam Bewegung in die Diskussion. „Die Lage finde ich ganz schlecht“, sagte Veronika Oswald (FW). Ein Standort an einer viel befahrenen Straße „ist für mich nicht machbar“. Sie fände es „schön, wenn die Kinder zu Fuß hingehen könnten“. „Mit dem Radl kann das nicht gefahrlos angefahren werden“, stimmte ihr auch Thomas Huber (CSU) bei. „Die Lage finde ich sehr problematisch“, meinte Regina Offenwanger (SPD). Die Kinder „werden da ökologisch erzogen, aber nicht so hingebracht“, kritisierte sie.

Bürgermeister Christian Bauer (CSU) erinnerte daran, dass auch die Kinder des neuen Waldkindergartens von ihren Eltern mit dem Auto dorthin gefahren würden. „Die Leute kommen mit dem Auto, das ist halt die Realität“, zeigte Grünen-Stadträtin Ottilie Eberl angesichts des eigenen Antrags überraschendes Verständnis für motorisierten Individualverkehr.

Sozialausschuss: „Finanziell ist das für die Stadt ein Schnäppchen“

Der Waldbesitzer jedenfalls, auf dessen Fläche die Kinder betreut werden sollen, wäre damit einverstanden, wenn ihm die Stadt eine jährliche Pacht von 1500 Euro dafür bezahlt. Damit waren im Ausschuss alle einverstanden. Jetzt müsse noch Kontakt mit den Jagdpächtern aufgenommen werden, weil das Areal an der Grenze zweier Reviere liege, so Bauer.

Trotz aller Diskussion um die Eignung des Standortes war der Sozialausschuss einstimmig der Ansicht, dass das Projekt verwirklicht werden soll. „Finanziell ist das für die Stadt ein Schnäppchen. Ökologisch und pädagogisch ist das das Beste, was wir machen können“, sagte Eberl. Dafür müsse die Stadt kein großes Gebäude bauen.

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