Da war die Welt noch in Ordnung: Die vier CSU-Stifter der Betonstele bei ihrer Einweihung am 3. Oktober 2020: (von links) Landtagsabgeordneter Huber, Bundestagsabgeordneter Lenz, Europaabgeordnete Niebler und Bürgermeister Bauer
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Da war die Welt noch in Ordnung: Die vier CSU-Stifter der Betonstele bei ihrer Einweihung am 3. Oktober 2020: (von links) Landtagsabgeordneter Huber, Bundestagsabgeordneter Lenz, Europaabgeordnete Niebler und Bürgermeister Bauer

Umstrittenes Denkmal im Grafinger Stadtpark

CSU-Front bröckelt: Bundestags-Abgeordneter will Grafinger Mauer abreißen

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Mit seiner Forderung hat er seine Parteifreunde kalt erwischt: Der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz fordert den Abriss der CSU-Mauer im Grafinger Stadtpark, die er selbst mit eingeweiht hat.

Grafing – Die CSU-Front, die bisher das umstrittene Grafinger Mauerdenkmal verteidigt hat, bröckelt: Der Frauenneuhartinger Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz, einer der vier Stifter der Betonstele im Stadtpark, fordert nun offen ihren Abriss. „Es kann ja auch ein Zeichen von Stärke zu sein, so etwas wieder rückgängig zu machen“, sagte er der EZ am Freitag. Bislang hatte sich Lenz zu dem Thema eher bedeckt gehalten, mittlerweile halte er den Abriss aber für sinnvoll – „um des lieben Friedens willen“, wie er sagt.

Alternativ-Vorschlag des Bundestagsabgeordneten: Eine „Nachdenk-Bank“

Sein Vorschlag: Eine „Nachdenk-Bank“ in der Nähe der vier gepflanzten Bäume, die ja auch zum Einheitsdenkmal gehören, mit dem die CSU die Stadt am 3. Oktober 2020 anlässlich 30 Jahren Deutscher Einheit überrascht hatte. An eine Plakette dort könne man Hermann Huber verewigen, den Grafinger, der als Deutscher Botschafter in Prag den 1989 für die zu ihm in die Botschaft geflüchteten DDR-Bürger die Ausreise organisierte. Für Ärger hatte in Grafing auch gesorgt, dass der Name des Botschafters nirgends an dem Denkmal zu finden war, stattdessen die der vier CSU-Spender: Landtagsabgeordneter Thomas Huber, Bürgermeister Christian Bauer, Europaabgeordnete Angelika Niebler und eben Andreas Lenz.

Mehrfach übermalt wurde die Grafinger Mauer seit ihrer Einweihung. Oft drehen sich die Graffiti um Kritik an der CSU.

Dieser hat übrigens noch einen Vorschlag: Das Einreißen der Mauer als „Event“ zu gestalten – wer für einen guten Zweck spende, dürfe bei der Gelegenheit beim Abriss mitmachen und so selbst zum Mauerspecht werden, schlägt Lenz vor. Der Abgeordnete unterstreicht den guten Willen der vier Spender: „Das hat niemand in böser Absicht gemacht“, sagt er über den in der Stadt ausgelösten Unfrieden.

Grafinger Mauer: Bürgermeister und Initiator pochen auf Entscheidung des Arbeitskreises

Da ist Bürgermeister Bauer ganz bei ihm. „Wir wollten etwas Gutes für die Stadt erreichen“, sagt er. Dass die Debatte so „künstlich hochgekocht wird“, sei bedenklich, es sei ein regelrechtes Haberfeldtreiben gegen die Mauer und ihre Initiatoren entstanden – obwohl es eigentlich „immer nur die fünf bis zehn Gleichen sind, die sich aufregen“, so Bauer zur EZ. Es habe ihm gegenüber zahlreiche positive Reaktionen auf das Denkmal und kreative Ideen für die Umgestaltung der Mauer gegeben.

Der Bürgermeister betont, trotz des Vorstoßes seines Parteikollegen, das Ergebnis des zur CSU-Mauer gegründeten Arbeitskreises abwarten zu wollen. Daran ändere auch eine laufende Prüfung im Landratsamt nichts: Zum Vorgehen des Bürgermeisters hatten Stadträte einen Prüfantrag gestellt, weil dieser das Thema trotz eines Mehrheitsantrags nicht mehr im Kommunalgremium behandeln wollte. Bauer sagt dazu: „Ich glaube nicht, dass ich getadelt werde.“ Der Initiator der Aktion, Thomas Huber, ist sich mit Bauer einig, das Ergebnis des nächste Woche erstmals tagenden Arbeitskreises abwarten zu wollen. „Wie auch immer es ausfällt“, sagte Huber der EZ am Freitag, „ich werden es akzeptieren und zur Umsetzung meinen Beitrag leisten“.

Der EZ-Kommentar zum Thema: Reißt das Ding endlich ab!

Es ist ein bisserl unübersichtlich geworden, was die Gegnerschaft der Grafinger CSU-Mauer angeht, so viele sind es. Da ist eine Stadtratsmehrheit von den Grünen bis hin zur Bayernpartei, die den Abriss fordert. Auch sonst erntet die missglückte Hauruck-Aktion der Christsozialen Kopfschütteln und Kritik, wo man sich umhört – daran wird auch kein Arbeitskreis etwas ändern.

Nun schlägt sich auch noch CSU-Mann Lenz, auf die Seite der Mauerspechte – er will schließlich trotz der Skandale in seiner Union im Herbst sein Bundestagsmandat verteidigen. Kadergehorsam, das hat er gemerkt, ist beim Wähler nicht gefragt, wenn sich die Umfragewerte der eigenen Partei im freien Fall befinden.

Lenz’ Ansage ist ein weiterer Todesstoß für das Denkmal. Bürgermeister Bauer sollte Größe zeigen und den Fehler eingestehen, den ihm sein Parteifreund eingebrockt hat, der Organisator der Aktion, Landtagsabgeordneter Huber. Reißt das Ding endlich ab!

Josef Ametsbichler

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