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Manchmal nur 15 km/h schnell: Mit der Ape über die Alpen

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Von: Michael Seeholzer

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Drei Männer und ihre Blechkisten namens Ape: Thomas Tikovsky, Joseph Noder und Michael Koppitz am südlichsten Punkt ihrer Reise in Lugana/Sirmione.
Drei Männer und ihre Blechkisten namens Ape: Thomas Tikovsky, Joseph Noder und Michael Koppitz am südlichsten Punkt ihrer Reise in Lugana/Sirmione. © Privat

Drei Grafinger Freunde haben sich auf den Weg über die Alpen an den Gardasee gemacht - jeder von ihnen in einer Ape. Ein Unterfangen, bei dem man vor allem eines braucht: Geduld.

Grafing - Mit einem italienischen Kultfahrzeug nach Italien fahren? Die Idee dazu entstand schon 2014, als der Grafinger Michael Koppitz (27) mit seiner Ape erstmals ins Zillertal auf eine Berghütte ratterte. Aber genau, als es dann soweit sein sollte, „mussten wir es wegen Corona verschieben“, sagt er zum geplanten Italienprojekt. Aufzuhalten waren Koppitz und seine beiden Freunde Joseph Noder (25) und Thomas Tikovsky (25) trotzdem nicht. „Jetzt fahren wir an den Gardasee“, beschloss das Trio vor wenigen Tagen. Bislang lief es (fast) pannenfrei.

Eine Tour, für die man viel Zeit braucht

Ape heißt auf Italienisch Biene und ist eigentlich die große Schwester des beliebten Rollers Vespa, der Wespe. Beide Fahrzeuge sind längst Legende und ab und zu sieht man auch bei uns jemand stolz mit so einem Unikum aus Blech mit Ladefläche herumkurven. Die drei Exemplare, die Michael, Joseph und Thomas fahren, haben jeweils einen Motor mit 50 Kubikzentimetern und drei PS Leistung. Richtig schnell wird man damit nicht. Deswegen wurde für die Tour genügend Zeit eingeplant.

Auf der Autobahn wäre man mit der Ape falsch. „Wir sind alles Landstraße gefahren“, berichtet Joseph, „die alte Römerstraße“. Wie schnell läuft so eine Ape eigentlich? „Maximal 45 km/h, kommt darauf an, ob es bergauf oder bergab geht.“ Je nach Steigung können es dann vielleicht auch nur noch 15 Stundenkilometer sein. Und das sorgt auf der Landstraße nicht gerade für Begeisterung bei allen Autofahrern.

Fenster am besten mit Silikon abdichten

Die blaue Abgasfahne eines Zweitakters ist ein Schmankerl. Da lohnt es sich, alle Fenster zu schließen, mit Silikon abzudichten, die Klimaanlage auf Umluft zu stellen und nur noch flach zu atmen. „Aber dafür gibt es ja die Rettungsbuchten“, erklärt Joseph eine Praxis, immer wieder Fahrzeuge vorbeizulassen. Die meisten Leute begegnen den drei „Tedeschi“ jedenfalls freundlich. Immerhin haben sie doch für italienische Verhältnisse genau den richtigen Fahrzeuggeschmack.

Im Durchschnitt werden pro Stunde nicht mehr als maximal 35 Kilometer Distanz bewältigt. Die Ape hat zwar für ihre Größe reichlich viel Ladefläche, aber „die darf man nicht vollmachen, sonst fahren wir nur noch 20 Stundenkilometer.“ Deshalb wurde auch kein Zelt mitgenommen und an Gepäck ebenfalls nur das Nötigste. „Lieber nehmen wir drei Flaschen Wein mehr mit nach Hause.“

Zwischenstoff im Bräustüberl am Tegernsee

16 Tage sind für die Reise eingeplant, es werden am Ende gut über 1000 Kilometer Fahrstrecke werden. Gestartet wurde mit Ziel Innsbruck als erstem Tagesziel. Dabei musste ein Zwischenstopp in Tegernsee eingelegt werden. „Ich hab’ noch Schuhe liefern müssen“, sagt Koppitz entschuldigend, der gelernter Schuhmacher ist. Aber wer schon mal da ist, kann einem Abstecher ins Tegernseer Bräustüberl kaum ausweichen. „Es gab Weißwürscht“, berichten die drei Ape-Alpen-Fahrer.

Weiter ging es dann am zweiten Tag über den Brenner. Mühsame Angelegenheit. Von Kaltern sollte eine Tagesetappe nach Riva del Garda führen „aber da gab es keine Unterkunft für uns.“ Kein Problem für einen echten Apler. Das Trio fuhr einfach weiter bis nach Limone. Nächster Stopp: Sirmione, wo der südlichste Punkt der Reise erreicht wurde. Weiter am Ostufer des Gardasees Richtung Torbole und schließlich wieder die beschwerliche Alpenfahrt zurück Grafing. Die Ankunft ist am kommenden Sonntag geplant.

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Für Thomas ist es die erste lange Fahrt mit einer Ape. Er hat sein Fahrzeug neu gekauft. „Gerade mal 1700 Kilometer“ zeigt die Uhr. Würde er sich so eine Strapaze noch einmal antun? „Auf jeden Fall“, sagt der 25-Jährige. Klimaanlage und Heizung? Das gibt es in einer Ape nicht. „Wir frieren nicht, aber wir schwitzen wie die Sau“, sagt Koppitz. Mittlerweile kostet ein neue Ape zwar so um die 7500 Euro. Ganz viel Geld für ganz wenig Technik, räumt Michael ein. Aber mal ehrlich: 7500 Euro sind auch nicht so viel dafür, dass man überall wahrgenommen wird als echter Fan italienischer Fahrzeugbaukunst sozusagen. Abstriche muss man trotzdem machen. Im Schiebebetrieb kann der Motor schon mal richtig warm werden. „Mir ist eine Zündkerze abgebrannt“, berichtet Michael. War aber kein Problem. Denn Freund Joseph ist Kfz-Meister. Das Trio hat sozusagen seinen eigenen Team-Mechaniker dabei.

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