+
Grafing-Bahnhof: Solche Szenen dürften sogar die härtesten Bahn-Pendler geschockt haben.

Pendler geschockt

Bahn bringt Kundin zum Weinen - gespenstische Szene in Grafing

  • Christoph Hollender
    VonChristoph Hollender
    schließen

Diese Szenen dürften die härtesten Bahn-Pendler schocken: Eine Frau steht am Gleis in Grafing-Bahnhof und weint. Aus der Politik kommt nun Kritik an der Bahn.

Eine Frau steht am Montagvormittag am Bahnsteig in Grafing-Bahnhof und weint. Sie schreit sogar kurz, weil sie nicht mehr weiter weiß. Andere Fahrgäste helfen ihr und beruhigen sie. Der Winterwind pfeift ihnen ins Gesicht. Von Bahnangestellten fehlt jede Spur. Die Stimmung ist gespenstisch.

Auf der S-Bahnstrecke zwischen München und Ebersberg kommt es an diesem Tag – mal wieder! – zu Verspätungen. Die Folge: Eine S-Bahn fährt nicht wie sie sollte bis Ebersberg, sondern endet (spontan) in Grafing-Bahnhof. Alle Fahrgäste müssen aussteigen. Wie es weitergeht, weiß niemand. Dann folgt die Szene mit der Frau, die einen Termin hat.

Grafing-Bahnhof: Der versprochene Kiosk kommt nicht

Alle warten auf die nächste S-Bahn nach Ebersberg. Doch auch diese hat 15 Minuten Verspätung. Zwei kurze Durchsagen weisen darauf hin. Etwa 30 Minuten müssen die Fahrgäste und Pendler in der Kälte warten. Es gibt weder Busse, noch einen Schienenersatzverkehr. Ein Bahn-Kiosk, der bereits seit Sommer hätte in Grafing-Bahnhof eröffnet werden sollen, hat seine Türen geschlossen. 

Lesen Sie auch: Der Kiosk lässt auf sich warten, wie Merkur.de* berichtet.

Drinnen hängen Kabel aus den Wänden, von einer Einrichtung fehlt jede Spur. Aufwärmen ist nicht möglich, einen Warteraum gibt es auch nicht. Ein Fahrgast sagt: „Ich kann mir nicht mal einen Tee kaufen.“ Ein anderer überlegt, die Bahn zu verklagen. Die Wut der Menschen an diesem ungemütlichen Vormittag ist groß.

Lesen Sie dazu einen Kommentar von unserem Merkur-Reporter Christoph Hollender: Weinende Kunden, ausfallende Züge und einen Hintern voller Schulden: Hallo Bahn, wir haben es satt!

Das Verhalten der Deutschen Bahn macht Thomas Huber, Landtagsabgeordneter aus Grafing, stinksauer. Er spricht von unzumutbaren Zuständen. „Was das Unternehmen macht, ist katastrophal.“ Nicht nur, dass es regelmäßig zu Verspätungen und Zugausfällen komme, der Gipfel sei der Kiosk. Am 1. Juli hätte dieser eröffnet werden sollen. Seitdem sei man immer wieder vertröstet worden, sagt Huber. Der CSU-Politiker habe an oberster Stelle der Bahn Druck gemacht, Mails geschrieben, persönliche Gespräche geführt. Doch: „Die Bahn hält sich an nichts.“

„Hinhaltetaktik, katastrophal...“

Die Hinhaltetaktik macht auch Angelika Obermayr wütend. Die Bürgermeisterin von Grafing habe der Bahn oft zu verstehen gegeben, dass die Zustände völlig inakzeptabel sind und gefragt, wann der Kiosk endlich eröffnet. Zuletzt im Oktober per Mail. „Ich habe keine Antwort bekommen“, sagt Obermayr „angefressen“. Der Druck auf die Bahn wächst. Die Presse berichtete nicht nur einmal über Grafing-Bahnhof. Die Bahn äußerte sich gestern vor Redaktionsschluss trotz Anruf und Mail nicht mehr.

Das sagt die Bahn zur Situation am Bahnhof Grafing

Die Bahn äußerte sich gestern kurz vor Redaktionsschluss: „Zunächst möchten wir uns entschuldigen“, schreibt einen Sprecherin. Verzögerungen ließen sich in einem so eng getakteten und beanspruchten System wie der Münchner S-Bahn nie ganz vermeiden. Grund für das Ende in Grafing-Bahnhof: Gleisbelegung von der Südostbayernbahn. Für die Verspätung der Folge S-Bahn sei es „unter anderem wegen eines Notarzteinsatzes“ gekommen. Zum Kiosk schreibt die Bahn: „Die Ladenfläche für den Kiosk ist an die neue Betreiberin übergeben worden. Dort finden nun die Umbauarbeiten für den geplanten Verkaufsbereich statt.“ Abschluss: Ende 2018.

Video: Deutsche Bahn - Ab 60 Minuten Verspätung gibt es Geld zurück

Lesen Sie auch:

Todes-Rätsel um Reisenden nach drei Jahren gelöst - durch traurige Entdeckung seines Sohnes

Nach dreijähriger Fahndung ist die Identität eines mysteriösen Toten in Unterfranken geklärt. Durch eine traurige Entdeckung.

Taxifahrer (80) verursacht schweren Geisterfahrer-Unfall: Polizei nennt schockierende Details

Bei Wolfratshausen ist es auf der A95 zu einem schweren Geisterfahrer-Unfall gekommen. Die Polizei nennt nun erschreckende Details über das Unglück.

Bahnstrecke Ebersberg-Wasserburg wird bis 2025 elektrifiziert

Gute Nachricht für Pendler im Landkreis Ebersberg. Die Bahnstrecke zwischen Ebersberg und Wasserburg, wo der Filzenexpress verkehrt, wird elektrifiziert. Bis 2025 soll das Projekt abgeschlossen sein, berichtet Merkur.de*.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare