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Die Grafinger Stadthalle als Sorgenkind oder als große Chance? Darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Sebastian Schlagenhaufer stellt Konzept für Grafinger Stadthalle vor – und bekommt Beifall

Mehr Leben – weniger Defizit

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Ein ansprechendes kulturelles Angebot gehört zu den weichen Standortfaktoren einer Stadt. Messbar freilich sind die Auswirkungen einer solchen Auswahl nicht unmittelbar. 

Grafing – Wenn es in Grafing um die Stadthalle geht, gibt es regelmäßig Diskussionen nach dem Motto: „Braucht’s das wirklich?“ Ein jüngstes Beispiel dazu lieferte der Sozialausschuss der Stadt Grafing.

Der künstlerische Leiter der Stadthalle, Sebastian Schlagenhaufer, war offensichtlich bestens präpariert, so schlimm kam es aber dann doch nicht. Er präsentierte einige seiner Gedanken, wie das Gebäude besser ausgelastet werden könnte. Eine höhere Auslastung, so nämlich die einfache Rechnung, würde auch mit einem höheren Kostendeckungsgrad einhergehen.

Jährlich 250.000 Euro

Derzeit werden für die Stadthalle jährlich 250 000 Euro im städtischen Haushalt eingestellt. Grafing übernimmt damit auch interkommunale Verantwortung, denn Veranstaltungsorte dieser Größe sind inzwischen Mangelware im Landkreis und auch für Hochzeiten werden schon mal Gasthäuser mit großen Sälen außerhalb in Anspruch genommen – etwa in Ramerberg.

Baugenehmigung erhalten

„Ich möchte die Stadthalle nicht immer als Sorgenkind bezeichnen. Die kostet Geld, wir müssen investieren, damit die Baugenehmigung erhalten bleibt“, versuchte Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) eingangs der Diskussion auf deren Richtung Einfluss zu nehmen. Trotzdem kam die Sprache sehr schnell auf Mängel, die auch den Besuchern nicht verborgen bleiben.

Löcher in der Decke

CSU-Ratsmitglied Georg Schlechte monierte, dass in den Gästetoiletten „seit zehn Jahren Löcher in der Decke“ zu sehen seien, aus denen „Kabel heraushängen“, wie ihm Fraktionskollege Franz Saißreiner beipflichtete. Schlechte schob nach, dass das Gebäude keinen barrierefreien Zugang habe, „wenn der Aufzug einmal ausfällt“. Und Josef Rothmoser (CSU) hielt es angesichts dieses Dauerthemas für angemessen, zur Sanierung endlich „einen Plan zu entwerfen und umzusetzen“.

Ausschließlich professionelle Künstler

Schlagenhaufer hingegen ging es um die Frage, „wie die Stadthalle künftig wahrgenommen werden soll“. Denn derzeit würden dort ausschließlich professionelle Künstler auftreten, der künstlerische Leiter will aber „Ansprechpartner für alle Kulturschaffenden in der Stadt sein“. Er hat dabei die örtlichen Vereine im Blick und will das Angebot künftig „familienfreundlicher“ gestalten, die anspruchsvollen Veranstaltungen aber aufrechterhalten. Die sind es jedoch nicht ausschließlich, die das Publikum bringen. Beispiel: Ein Puppentheater buchte spontan einen zweiten Tag, weil die Nachfrage so groß war.

Kulturbüro als Ansprechpartner

Schlagenhaufer schlug vor, ähnlich eines Vereinskartells künftig ein Kulturbüro als Ansprechpartner in der Stadt zu installieren – freilich ohne personellen Mehraufwand. „Bestimmte Dinge kann man relativ schnell umsetzen“, versprach er. „10 000 Euro Defizit pro Veranstaltungsabend“, so wie von CSU-Ratsmitglied Max Graf von Rechberg moniert, gehören seit Schlagenhaufers „Amtsantritt“ ohnehin der Vergangenheit an, wie er versicherte.

Bedeutsam für den Haushalt

„Das ist sicher ein richtiges Konzept“, so Rechberg, „Ich hoffe nur, dass jeder weiß, was das für den Haushalt bedeutet“. Wie der künstlerische Leiter vorrechnete, sei die Halle im Moment an 160 Tagen im Jahr belegt, da ist noch Luft nach oben. Er will sich auf die Suche machen nach Interessenten, die das Angebot in der Stadt nicht auf dem Schirm haben, und dazu gehören nach Ansicht von Veronika Oswald (FW) auch Firmen, für die die Stadthalle unter der Woche geöffnet werden könnte, etwa für Seminare oder Kongresse. „Das findet schon statt“ so Schlagenhaufer, allerdings seien die Räume „nicht ganz ideal“. Das weiß er aus den Rückmeldungen. Das Grafinger Angebot hat er in mehrere Portale im Internet aufnehmen lassen, um es bekannter zu machen. Insgesamt, so legten die Wortmeldungen nahe, sind die Stadträte aber zufrieden damit, wie Schlagenhaufer versucht, mehr Leben in den größten Veranstaltungsort der Stadt zu bringen.

Lesen Sie dazu auch: Grafinger Stadthalle geht um die Welt

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