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Die Alten werden immer mehr: Jeder fünfte Grafinger ist inzwischen älter als 65 Jahre. Der Seniorenbeirat versucht, die Interessen dieser Gruppe zu vertreten. 

Bilanz des Grafinger Seniorenbeirats: Kurzzeitpflege und Beratung oben auf der Wunschliste

Schwierige Lobbyarbeit für alte Menschen

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Kommen die älteren Menschen in Grafing zu kurz? Der Seniorenbeirat ist manchmal dieser Ansicht.

Grafing– Jeder fünfte Grafinger ist inzwischen älter als 65 Jahre. Dieser Personenkreis macht die zweitgrößte Gruppe in der städtischen Bevölkerungsstruktur aus und wird in den kommenden Jahren noch erheblich anwachsen. Denn etwas größer ist laut Statistischem Landesamt nur noch die Kohorte der derzeit 50 bis 65-Jährigen. Eine ähnliche Situation findet man freilich in vielen Gemeinden im Landkreis Ebersberg.

Seniorenbeirat ist wichtig

Knapp die Hälfte aller Grafinger ist also bereits über 50 Jahre alt. Das gibt dem örtlichen Seniorenbeirat ein Gewicht, der hier quasi Lobbyfunktion leistet. Angesichts der Alterstruktur stellt sich im Stadtrat einerseits immer wieder die Frage, welches Angebot die wachsende Gruppe der Senioren braucht, um hier lebenswerte Verhältnisse vorzufinden, die ihnen möglichst lange ein selbstbestimmtes Dasein ermöglichen. Das ist nicht nur menschlich nachvollziehbar, sondern gleichzeitig auch die billigste Lösung. Andererseits kosten selbst Kleinigkeiten Geld, das erst erwirtschaftet werden muss.

Jüngste Zahlen aus dem Dezember 2017

Betrachtet man die Bevölkerungsstruktur, so stellt sich heraus, dass die Gruppe der wirtschaftsstarken 25- bis unter 50-Jährigen derzeit genau noch ein Drittel aller Grafinger ausmacht. Das hat das Statistische Landesamt ermittelt. Die Zahlen stammen aus dem Dezember 2017.

Pflichtübung für Ausschuss

Wer der jüngsten Sitzung des Grafinger Sozialausschusses beiwohnte, konnte sich beim Bericht des Seniorenbeirats-Vorsitzenden des Eindrucks nicht erwehren, als würde das Gremium eine Pflichtübung absolvieren. Zwar wurde Josef Koller von Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) für sein Engagement ausdrücklich gedankt, gleichwohl wurde deutlich, dass nicht alle Baustellen zur Zufriedenheit der älteren und weniger mobilen Mitbürger ausreichend bearbeitet sind. Koller monierte zum Beispiel, dass die Behindertentoilette in der Stadthalle nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entspricht und „jeder Behinderte von Veranstaltungen in der Turmstube ausgeschlossen ist. Das geht nach Gesetzeslage nicht“, sagte er.

Schaffung von zwei Kurzzeitpflegeplätzen

Ein größeres Anliegen des Seniorenbeirats und seines Vorsitzenden ist freilich die Schaffung von zwei Kurzzeitpflegeplätzen „im Zuge der Erweiterung des örtlichen Seniorenheimes“ am Hans-Eham-Platz. Es wurde deswegen „an den Pflegestern der Antrag gestellt, dass im Zuge des Erweiterungsbaus zwei ständige Kurzzeitpflegeplätze eingerichtet werden“, berichtete Koller. Zudem habe der Seniorenbeirat angeregt, dass die Beratung zu Fragen rund um die ambulante Pflege und Versorgung für Senioren wieder aufgenommen werden soll. „Hier ist allerdings die Finanzierung noch nicht geklärt“, informierte er. Kurzzeitpflegeplätze würden vor allem Familien entlasten, die ihre Angehörigen selbst pflegen und auch mal in Urlaub fahren wollen, so wie alle anderen. „Ambulant vor stationär“ hat der Gesetzgeber im Pflegegesetz als Prinzip festgeschrieben.

Monatliche Kaffeenachmittage

Oft sind es jedoch kleine Dinge, die dem Leben älterer Menschen Abwechslung verleihen. „Die monatlichen Kaffeenachmittage im Glashaus erfreuen sich großer Beliebtheit“, berichtete Koller. „Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen 30 und 40 Personen.“

Auch an den Sitzungen zum Integrierten Stadtkonzept hat sich Koller beteiligt, der in der Vergangenheit immer wieder zu erkennen gegeben hat, dass er die Schaffung einer eigenen Planstelle für die Belange der Senioren in der Verwaltung für angemessen halten würde. Auch das ließ er in seiner Bilanz vor dem Sozialausschuss wieder durchblicken.

Einen Kommentar zu diesem Artikel finden Sie in der Printausgabe der Ebersberger Zeitung vom 30./31. März 2019.

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