Drahteselsalat am Bahnhof in Grafing: Das neue alltagstaugliche Radwegekonzept der Stadt Grafing soll auch für bessere Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder sorgen – vor allem deswegen, weil Elektroräder in der Anschaffung nicht ganz billig sind.
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Drahteselsalat am Bahnhof in Grafing: Das neue alltagstaugliche Radwegekonzept der Stadt Grafing soll auch für bessere Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder sorgen – vor allem deswegen, weil Elektroräder in der Anschaffung nicht ganz billig sind.

Eigenes, alltagstaugliches Wegenetz ein

Grafing verordnet sich mehr Fahrradfreundlichkeit

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Grafings Attraktivität leidet unter viel Autoverkehr in der Innenstadt. Langfristig soll sich das bessern. Profitieren sollen die Radfahrer.

  • Die Stadt Grafing will fahrradfreundlicher werden.
  • Ein Radwegekonzept ist Teil einer verkehrsberuhigten Innenstadt.
  • E-Autos gelten den Planern als mögliche Konkurrenz zum Fahrrad.

Grafing – Über kaum ein anderes Thema wird im Grafinger Stadtrat so herzhaft debattiert wie über den Straßenverkehr und seine Auswirkungen. In der jüngsten Bauausschusssitzung am Dienstagabend hingegen herrschte ausnahmsweise Einigkeit. Es ging um ein Radwegenetz für die Stadt. An dem wird bereits gearbeitet. Das Gremium erteilte auf der Basis der vom Büro Obermeyer Planen und Beraten GmbH geleisteten Vorarbeit grünes Licht zur Erstellung eines Gesamtkonzeptes.

Der Verkehr am Marktplatz funktioniert wieder.

Grafings Bauamtsleiter Josef Niedermaier

Helmuth Ammerl und Alisa Picha-Rank vom Planungsbüro erläuterten das Ziel des Projektes: „Am Ende soll ein durchgängiges, sicheres und alltagstaugliches Radwegenetz stehen.“ Ammerl ist in den Grafinger Gremien kein Unbekannter. Er hatte unter anderem mit einer Simulation öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als er der Rotter Straße ein stark steigendes Verkehrsaufkommen prophezeit hatte. Es kam bekanntlich anders: „Die Rückstauerscheinungen in der Rotter Straße haben sich nicht eingestellt“, sagte Bauamtsleiter Josef Niedermaier in der öffentlichen Sitzung, die coronabedingt in der Stadthalle stattfand. Die Ostumfahrung hat inzwischen ihre Wirkung entfaltet: „Der Verkehr am Marktplatz funktioniert wieder“, berichtete der Bauamtsleiter.

Ein verkehrsberuhigter Marktplatz und sichere, kurze Wege für Fahrradfahrer

Weitere Entlastung erwarten sich die Ratsmitglieder von der bereits im Bau befindlichen Westumfahrung über Nettelkofen. Noch laufen drei Staatsstraßen und zwei Kreisstraßen sternförmig auf den Grafinger Marktplatz zu. Wenn die herabgestuft werden könnten aufgrund der Entlastungswirkung der Umfahrungen, könnte die Stadt endlich das in Angriff nehmen, was sie schon lange auf dem Zettel hat: Nämlich die Umgestaltung des Grafinger Marktplatzes zum „Verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“, in dem auf einer Fläche Autos, Fußgänger und eben auch Radfahrer die gleichen Rechte haben sollen. Damit die Radfahrer auch sicher und auf kurzen Wegen ins Zentrum gelangen, soll ein eigenes Radwegenetz geschaffen werden, dessen Konzeption jetzt zum Preis von 19.000 Euro das Planungsbüro Obermeyer übernehmen wird.

Fahrrad-Konkurrent E-Auto und fehlende Stellplätze

Ammerl riet den Bauausschussmitgliedern, dabei nicht zu sparsam vorzugehen. Der Fahrradverkehr müsse in Zukunft so attraktiv wie möglich gemacht werden, weil kleine, kompakte E-Autos sonst als Konkurrent zum Rad auftreten könnten. Und weil Pedelecs und E-Bikes immer teurer werden in der Anschaffung, macht das „aufwändigere Fahrradabstellmöglichkeiten erforderlich“, sagte Alisa Picha-Rank.

Polizei schnappt Nobelfahrrad-Dieb: Gefängnis

Gegenstand der Untersuchung wird auch sein, noch bestehende, bedeutende Weglücken festzustellen. Rund um den Grafinger Marktplatz, so berichtete die Fachfrau dem Gremium, seien viele Engstellen vorhanden. Wenig überraschend: Den meisten Radverkehr – nämlich etwa 30 Prozent des Gesamtaufkommens – muss die Kapellenstraße aufnehmen, wenn hier die Kinder täglich zur Schule fahren, berichtete Picha-Rank von einer Voruntersuchung, die Fotos von fehlenden Markierungen an den Querungen beinhaltete. Trotz dieser Mängel seien aber im gesamten Stadtgebiet keine signifikanten Unfallhäufungen ermittelt worden. Immerhin: Pro Jahr passieren in Grafing nach Darstellung von Picha-Rank etwa zehn bis 15 Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt sind.

Mit dem Einstieg in die Defizitanalyse, den Radverkehr betreffend, will der Bauausschuss einen weiteren Schritt gehen auf dem Ziel zur Verwirklichung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes. Eine Schlüsselrolle wird dabei der Neugestaltung des Grafinger Marktplatzes zukommen. Dabei müssen alle einen langen Atem haben. Der Einstieg in den Städtebaulichen Rahmenplan erfolgte bereits im Jahr 1996, also vor fast 25 Jahren.

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