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Wohnen im Gewerbegebiet: Grafing will’s lieber krachen lassen

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Von: Michael Seeholzer

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Das Gewerbegebiet Schammach wächst und wächst. Weitere Betriebsleiterwohnungen soll es nicht geben, damit sich auch lärmintensives Gewerbe ansiedeln kann. Wir brauchen ein Teilgebiet, wo unbeschränkte Lärmentwicklung möglich ist Christian Bauer (CSU), Bürgermeister
Das Gewerbegebiet Schammach wächst und wächst. Weitere Betriebsleiterwohnungen soll es nicht geben, damit sich auch lärmintensives Gewerbe ansiedeln kann. Wir brauchen ein Teilgebiet, wo unbeschränkte Lärmentwicklung möglich ist Christian Bauer (CSU), Bürgermeister © Stefan Rossmann

Dort wohnen, wo man arbeitet - für viele Menschen die Idealvorstellung. Für eine Stadt nicht unbedingt. Denn diese will im Gewerbegebiet auch lärmintensive Unternehmen ansiedeln können.

Grafing – Das Thema Betriebsleiterwohnungen im Gewerbegebiet Schammach in Grafing war von Anfang an belastet. Auf der einen Seite standen Unternehmer, die an ihren neuen Betrieb eine Wohnung angliedern wollten. Das ist verständlich, nicht nur wegen der kurzen Wege zwischen Wohnen und Arbeiten, sondern auch deswegen, weil der Grund im Gewerbegebiet wesentlich günstiger zu haben ist als auf dem Markt für Wohnbebauung in Grafing.

Wohnen und Gewerbe verträgt sich aber manchmal schlecht, besonders wenn es auch nachts in den Betrieben laut wird. Die Stadt hat ein Interesse, die Gewerbesteuerzahler am Ort zu halten oder neue hinzuzugewinnen. Aber gerade die mögliche Neuansiedlung von lärmintensiven Betrieben führt jetzt zu einem Konflikt und schließlich aktuell zu einer Veränderungssperre.

Gewergebiet Schammach II: Stadt erlässt Veränderungssperre

Die hat der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung für ein Kerngebiet in Schammach II mehrheitlich erlassen. Gegen die Einleitung eines entsprechenden Verfahrens, um lärmintensive Betriebe zu ermöglichen, stimmten Walter Schmidtke (Bayernpartei) und Josef Pollinger (CSU), gegen die Veränderungssperre Josef Pollinger alleine.

„Wir brauchen ein Teilgebiet, wo unbeschränkte Lärmentwicklung möglich ist“, eröffnete Bürgermeister Christian Bauer (CSU) die Aussprache zu diesem Punkt. Bauamtsleiter Josef Niedermaier glaubt, dass für ein Grundstück mit einer Fläche von 11000 Quadratmetern eine Erhöhung des Emmissionskontingentes auf 72 dB(A) am Tag und 57 dB(A) nachts möglich ist. Wesentlich mehr, als bisher. „Das lasse ich mir durch ein Anwaltsbüro bestätigen“, sagt Niedermaier, denn die Rechtslage ist offensichtlich knifflig und wohl zum Teil auch juristisches Neuland. Sollte sich die Erhöhung des Emmissionskontingents nicht durchsetzen lassen, hätte das Folgen: „Die Stadt hat dann im gesamten Gemeindegebiet kein einziges, festgesetztes Gewerbegebiet mehr ohne Emissionsbeschränkung.“

Nur ein Raum, so groß, dass es für ein Bett reicht

Wenn sich die Verwaltung aber damit durchsetzen kann, hat das wiederum Auswirkungen für die ansiedlungswilligen Unternehmer. Denn in dem betroffenen Gebiet wären dann Betriebsleiterwohnungen künftig kategorisch ausgeschlossen. Lediglich ein „Raum für Sicherheitspersonal könnte eine Ausnahme darstellen“, so Niedermaier. So klein, dass es für ein Bett reicht. Aktuell betroffen davon sei eine Fläche von 1,5 Hektar, erläuterte der Bauamtsleiter.

Und damit die Betriebsleiterwohnungen nicht noch schnell errichtet werden, hat der Bauausschuss jetzt eine Veränderungssperre erlassen. Dazu soll ein Bebauungsplan geändert werden, der erst vor sieben Jahren erlassen wurde. „Die gewerblichen Wohnungen sind zwar nicht allgemein, sondern nur ausnahmsweise zulässig. Jedoch zeigen die Erfahrungen, dass vor allem bei der Errichtung zeitlich vor den gewerblichen Gebäuden nur schwer eine Ablehnung durchzusetzen ist. Ein später zu errichtender Gewerbebetrieb hat dann auf die bestehende Wohnnutzung Rücksicht zu nehmen“, heißt es dazu in einer Information aus der Verwaltung. Wer also zuerst da wohnt, kann dem Gewerbe später Schwierigkeiten machen.

Betriebsleiterwohnungen boomen

Da aufgrund der Entwicklung der Wohnmarktpreise derzeit ein regelrechter „Boom“ für Betriebsleiterwohnungen entstanden ist, „sollen dringlichst mögliche Umsetzungshindernisse einer unbeschränkten Gewerbeausübung von vorneherein ausgeschlossen werden. „Der vorrangige Schutz, ein Teilgebiet für eine unbeschränkte Gewerbeausübung auszuweisen, hat Vorrang“, informierte die Bauverwaltung.

Gerecht oder ungerecht? Zumindest gibt es in Schammach bald Unternehmen mit und ohne Betriebsleiterwohnung, denn eine solche Betriebsleiterwohnung wurde sogar im Erweiterungsgebiet bereits genehmigt. Um das Verfahren rechtlich unangreifbar zu machen, wird das Gewerbegebiet Schammach per neuem Bebauungsplan insgesamt in drei Teilbereiche mit unterschiedlichen Emmissionskontingenten eingeteilt. Seitdem feststehe, dass der Bebauungsplan hinsichtlich der Emissionskontingentierung angepasst werden muss, um besonders lärmintensiven Betrieben die Ansiedlung zu ermöglichen, „wurde das Einvernehmen für entsprechende Ausnahmen verweigert“, informierte die Verwaltung darüber hinaus. „Weitere beantragte betriebliche Wohnungen“ hatten „so verhindert werden“ können, wurde informiert.

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