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Schluss nach 25 Jahren: Clown August, alias Christian Fischer, gab seine letzte Varieté-Vorstellung – und das mit lädiertem Bein.

Grafinger Faschingsvarieté

Lebende Marionetten und ein Abschied

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Das Grafinger Faschingsvarieté hat in seiner 120. Auflage in vier Vorstellungen am Wochenende mit Akrobatik, Witz und Spott begeistert. Bei aller Gaudi gab es aber auch einen wehmütigen Abschied.

Grafing - Selbst mit gut gemeinten Dankesschreiben sollte man vorsichtig sein. Diese Erfahrung musste Ebersbergs 2. Bürgermeister Toni Ried beim Grafinger Faschingsvarieté leidvoll machen. Und das, obwohl er selbst gar nicht anwesend war, sondern derzeit in der sonnigen Toskana urlaubt. Just von dort schickte er eine Karte, um sich für die Einladung zum Varieté zu bedanken, an dem er mit seiner Frau immer gerne teilnehme. Nur für heuer müsse er sich entschuldigen, heißt es in dem Schriftstück.

Nette Karte - falscher Adressat

Dumm nur, dass Ried diese Karten den Faschingsbären und deren Vorstand Kurt Koch schickte, weil er diese als Veranstalter wähnte. Ein Fauxpas, den die Clowns gleich bei ihrem ersten Auftritt des Abends genüsslich sezierten. Der TSV Grafing und nicht die Faschingsbären veranstaltet das Varieté seit nunmehr 120 Jahren (!), das sollte eigentlich auch ein Vize-Bürgermeister der Nachbarstadt wissen. Giagl, Wiggal und August reichten die Karte an Ebersbergs Rathaushef Walter Brilmayer, der im Publikum saß: „Da, Walter, gib’s eam bitte zruck.“

120 Jahre Faschingsvarieté waren nicht der einzige „runde Geburtstag“, den es zu würdigen galt. Auch Clown August, alias Christian Fischer, feierte Jubiläum. Seit 25 Jahren ist er Teil des Trios, das die Grafinger Prominenz in jeder Faschingssaison mit bissigem, aber immer augenzwinkernden Spott überzieht. Heuer war seine letzte Saison, August zieht sich zurück, wie die Clowns in ihrem „Abschiedssong“ verkündeten. Vier Landräte, drei Bürgermeister und drei Pfarrer hätten sie gemeinsam „verschlissen“. Nun sei es an der Zeit, den Mund zu halten – zumindest in dieser Besetzung.

Verplanter Bundestags-Andi

Zuvor allerdings hatten Hermann Holzmann (Wiggal), Martin Weigand (Giagl) und eben Christian Fischer (August) noch einmal ihr Bestes gegeben. Den CSU-Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz besangen sie als verplanten Zeitgenossen, der sich bei seinem Grafinger Landtagskollegen Thomas Huber schon mal einen Trachtenanzug („Sommer-stoiber“) ausleihen muss, um das Starkbierfest in Moosach zu besuchen, und der notorisch „ohne Kohle“ unterwegs ist. „Gott sei Dank hast du an Tom, der für di mitdenkt und der dir, wenn’s sei mua, a Tankfüllung schenkt“.

Ihr Fett bekamen daneben auch der Grafinger CSU-Stadtrat Josef Carpus weg, der sich eine Drohne anschaffte und diese in einer Akazie versenkte und Landrat Robert Niedergesäß, der als Chef der „Ebersberger Mafia“ bezeichnet wurde, weil er den Ebersberger Forst zum Steuerparadies gemacht hat.

Lebende Marionetten

Als lebende Marionetten hatten die Grafinger Faschingsbären ihren viel umjubelten Auftritt. Sie nahmen in ihrem Sketch die Einweihung der Grafinger Ostumfahrung („Tomas-Huber-Gedächtnis-Tangente) vorweg und ließen Grafinger Persönlichkeiten wie Metzger, Physiotherapeut, Tankstellen-Besitzer, Polizist und Pfarrer das großartige Ereignis miterleben und kommentieren.

Die Feuerwehr dagegen schob die Kommunalpolitik heuer ganz beiseite und konzentrierte sich auf eine Studie des Alltags in der „kostbar“ im örtlichen Rewe-Markt, wo sich Tagediebe und ältere Damen rund um einen neu installierten Milchautomaten ein Stelldichein geben und von Gaetano mit allerlei Leckerein von der Fischtheke verwöhnen lassen.

Garniert wurden die Sketche mit sehenswerten Auftritten der Turner-Jugend und der Showtanzgruppe High Energy – gekonnt angekündigt von den Varieté-Direktoren Felix Richter und Thomas Urban. Den Abschluss bildeten die beliebten Tschippendales, die Szenen einer Unterrichtsstunde mit gelangweilten pubertierenden Mädchen zum Besten gaben, bevor die TSV-Garde, die die Gäste bereits begrüßt hatte, diese unter dem Motto „Work this body“ nach Hause schickte.

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