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Die Lichter gehen nicht ganz aus im Grafinger Stadionstüberl, aber es wird nur noch „Notbetrieb“ geben. 

Grafinger Institution nur noch im „Notbetrieb“

Letzte Runde fürs Stadionstüberl

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Das Grafinger Stadionstüberl, eine der letzten städtische Institutionen seiner Art, steht vor einer ungewissen Zukunft.

Grafing – Hier wurden schon Pläne geschmiedet, Niederlagen verdaut, Siege gefeiert, Neuigkeiten ausgetauscht und auch Gerüchte, es wurde Karten gespielt, die Kommunikation gepflegt und Weißwürste für die Gymnastikdamen gab es auch. Damit ist zum Jahresende Schluss. Das Grafinger Stadionstüberl, eine der letzten städtische Institutionen seiner Art, steht vor einer ungewissen Zukunft.

In der jüngsten Sportausschusssitzung befassten sich die Stadträte mit der Frage, wie es mit dem Stüberl weitergehen soll. Zum Jahresende gibt es keinen Pächter mehr, die Wirtin Rosi Koch hört auf. Sie hat den Vertrag mit der Stadt fristgerecht gekündigt. Nicht wenige Grafinger werden das bedauern, und zu diesen Bürgern gehören auch die verdienten, alten Abteilungsleiter, die dem TSV über viele Jahrzehnte die Treue halten und sich hier treffen – zum Beispiel am Freitag, zu einer lustigen Schafkopfrunde.

Für die Verwaltung stellt sich die Situation so dar: Größtes Problem für eine Neuverpachtung sind die bestehenden Mängel am Pachtobjekt. Die Theke entspricht nicht mehr den Hygieneanforderungen, die Kühlung braucht zu viel Strom, es gibt keinen zweiten Fluchtweg und die Sanitäranlagen sind fast aus den Zeiten des Turnvaters Jahn, mindestens aber 50 Jahre alt. Vor einer Neuverpachtung müsste das Gebäude grundlegend saniert werden, an das das Pächterehepaar mit städtischer Genehmigung einen Wintergarten angebaut hat. Die Materialkosten wurden damals von der Verwaltung übernommen. „Das ist ein Fass ohne Boden“, warnte Max Graf von Rechberg (CSU).

Vor diesem Hintergrund stellte Ratsmitglied Heinz Fröhlich (Bürger für Grafing) den Antrag, „die Stadt möge beschließen, Gastronomie bis auf weiteres ganz auszuschließen“. Da war er in der Abstimmung aber der Einzige, der dafür seine Hand erhob. Alle anderen Ratsmitglieder waren dagegen. Stadtrat Johannes Oswald, selbst beim TSV aktiv, wollte den von Fröhlich an den Verein gerichteten Vorwurf der „Salamitaktik“ nicht gelten lassen. „Das ist falsch“, sagte er vielleicht auch vor dem Hintergrund, dass sich der Verein bei vorangegangenen Investitionen in die städtische Sportanlage immer beteiligt hatte.

Fest steht, dass das Stüberl für den TSV so etwas darstellt wie ein Vereinsheim, in dem sich auch Abteilungen zu Sitzungen treffen, wie zum Beispiel die TSV-Garde am Mittwochabend. Der TSV ist mit der größte Verein der Stadt, leistet eine enorme Jugendarbeit und braucht einen Treffpunkt, weil man zum Beispiel mit Jugendlichen nicht einfach in die örtliche Gastronomie ausweichen kann und will. „Wenn sich da junge Leute treffen, sollten wir froh sein. Warum sollen wir dem jetzt schon einen Riegel vorschieben“, meinte Veronika Oswald (FW) in Antwort auf den Antrag von Fröhlich.

„Das ist schon so etwas wie das Herz des Vereines“, sagt eine TSV-Vertreterin am Tag nach der Sitzung im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung. Besondere Bedeutung bekommt das Stüberl zusätzlich deswegen, weil eine Verkaufsmöglichkeit in der Dreifachturnhalle bisher an den Brandschutzvorschriften scheiterte.

Ein Neubau aus Mitteln der Stadt scheitert dagegen an den finanziellen Möglichkeiten, die sich Grafing trotz rekordverdächtiger Steuereinnahmen bieten. In dieser Situation entschloss sich das Gremium zu einer Notlösung.

„Die Nutzung für Spielerbesprechungen und während der Spiele für Erwachsene wird auf Widerruf genehmigt. Geburtstagsfeiern oder Ähnliches wird nicht genehmigt. Der Betrieb endet spätestens um 23 Uhr.“ Das war dann einstimmig. Nicht näher getreten wurde dem Vorschlag, die Toiletten „zuzumauern“. „Sonst wird das ein Wanderverein zur Turnhalle“, befürchtete Georg Schlechte (CSU). „Und manche schaffen das dann vielleicht nicht.“

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