Am Tag der Einheit 2020 hielten sie ihre CSU-Mauer noch für eine tolle Idee (v.l.): Thomas Huber, Landtagsabgeordneter, Andreas Lenz, Bundestagsabgeordneter, Angelika Niebler, Europaabgeordnete und Bürgermeister Christian Bauer.
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Am Tag der Einheit 2020 hielten sie ihre CSU-Mauer noch für eine tolle Idee (v.l.): Thomas Huber, Landtagsabgeordneter, Andreas Lenz, Bundestagsabgeordneter, Angelika Niebler, Europaabgeordnete und Bürgermeister Christian Bauer.

Bürgermeister Bauer: „Wollen uns beugen“

Jetzt steht‘s fest: Die Grafinger CSU-Mauer wird abgerissen

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Jetzt steht fest: Die heftig umstrittene Grafinger CSU-Mauer im Stadtpark wird entfernt. Der Stadtrat machte den Weg dafür frei. Damit geht eine Posse zu Ende.

Grafing – Kurz und schmerzlos: So könnte man das Ende des umstrittenen Grafinger Wiedervereinigungsdenkmals im Stadtpark beschreiben. Am Dienstagabend traf das Ratsgremium dazu eine Entscheidung. Die Mauer muss weg. Bürgermeister Christian Bauer (CSU) kürzte die Diskussion darüber ab, in dem er die Stadträte daran erinnerte, dass man sich dem Votum des extra für diesen Fall gegründeten Arbeitskreises unterordnen wollte. Und der hatte vor drei Wochen mehrheitlich dafür votiert, das missglückte Mauerdenkmal einfach wegzureißen.

„Jetzt kommen wir zu unserem beliebten Thema“, wandte sich Bauer zu Beginn der Sitzung diesem Tagesordnungspunkt zu, den die Ratsmitglieder teils mit Spannung erwartet hatten. Danach waren einige verblüfft, dass das Thema kaum mehr Diskussionsbedarf generierte. „Das ist jetzt aber schnell gegangen“, meinte etwa Regina Offenwanger (SPD) nach der Abstimmung in der ersten corona-bedingten Sitzungspause.

Nur Josef Pollinger (CSU) will, dass die Mauer bleibt

Vorher hatte sie eigener Auskunft nach noch sondiert, wie denn anhand der Anwesenheitsliste heute in dieser Frage wohl die Mehrheitsverhältnisse sein würden. Es kam aber anders: Mit nur einer Gegenstimme, nämlich der von CSU-Stadtrat Josef Pollinger, zeigten sich alle Stadträte einverstanden damit, die CSU-Mauerstele, die an die Wiedervereinigung erinnern sollte, ersatzlos zu entfernen. Pollinger hatte im Arbeitskreis noch versucht, das mit dem Vorschlag eines Teilabrisses abzuwenden. Ihm hätte schon genügt, dem Mauerstück mit dem Vorschlaghammer die Ecken abzuschlagen. Zuvor allerdings war das Denkmal bereits wenig im Sinne der Erfinder beschädigt worden. „Das Schild ist runtergerissen worden“, berichtete Bauer den Ratsmitgliedern noch einmal, und lenkte den Blick damit darauf, was der eigentliche Stein des Anstoßes an der Aktion gewesen war.

Das Schild, das oben links an der Mauer, befestigt war, ist längst heruntergerissen worden.

In der Öffentlichkeit war nämlich laut Kritik daran geübt worden, dass sich vier CSU-Politiker, nämlich der Landtagsabgeordnete Thomas Huber, der Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz, die Europaabgeordnete Angelika Niebler und eben Christian Bauer als Rathauschef selbst ein Denkmal gesetzt hatten, indem sie die Wiedervereinigungsstele auf einer Bronzeplakette prominent mit ihrem Namen verzierten. „Wir wollen uns dem Votum des Arbeitskreises beugen und die Stele beseitigen“, zog Bauer jetzt einen Schlussstrich unter die Aktion. Damit ist zwar das letzte Kapitel des Grafinger Mauerfalls geschrieben, möglicherweise gibt es aber einen Epilog. Denn aus dem Arbeitskreis kam auch der Vorschlag, den Stadtpark in Hermann-Huber-Park umzubenennen. Das wäre eine von mehreren Möglichkeiten, an einen großen Grafinger zu erinnern, der tatsächlich mit der Wiedervereinigung etwas zu tun hatte. Hermann Huber erlebte die entscheidenden Stunden in der Prager Botschaft persönlich, wo er die vorübergehende Unterbringung der dorthin geflüchteten DDR-Bürger mit organisierte sowie sich um deren Ausreise in die Bundesrepublik annahm.

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