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Der zweite Verhandlungstag im Grafinger Missbrauchsprozess erforderte von allen Beteiligten starke Nerven.

Zweiter  Verhandlungstag im Grafinger Missbrauchsprozess 

Zeugin erzählt von schlimmen Details

Der zweite Verhandlungstag im Grafinger Missbrauchsprozess erforderte von allen Beteiligten starke Nerven. Es ging um Details.

Grafing – „Es ist alles so erniedrigend. Das Schlimmste am Ganzen ist für mich die Scham.“ Steffi M. (alle Namen geändert) bricht heftig in Tränen aus, als sie am Mittwoch zum zweiten Mal vor dem Münchner Landgericht gegen ihren mutmaßlichen Peiniger aussagen muss. Es geht um rund 1200 Fälle sexuellen Missbrauchs durch den langjährigen Lebensgefährten ihrer Mutter, Florian G., die zum überwiegenden Teil in Grafing stattgefunden haben sollen (wir berichteten).

Der heute 55-Jährige soll sich die ersten Male an der heute 25-Jährigen vergangen haben, als sie noch nicht einmal 14 Jahre alt war, er ist des schweren sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener, auch im Schlaf, des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung angeklagt. Am zweiten Prozesstag musste Steffi M. erneut in den Zeugenstand. 

Diesmal geht es um die ganz schlimmen Details, um konkrete Fälle des Missbrauchs, die Folgen für M., das Verhalten der Mutter. Dabei sitzt die junge Frau die ganze Zeit ihrem mutmaßlichen Peiniger gegenüber. Sie wirkt meist ruhig und sortiert, bezeichnet Florian G. als „den Angeklagten“ und benutzt, vermutlich um sich zu distanzieren, kaum umgangssprachliche Begriffe, sondern vor allem medizinische. 

Selbstverletzung, suizidales Verhalten, Depression

Die Aussage von Steffi M. fördert schockierende Details an den Tag, die die Taten genauer, vor allem in ihren Folgen, umreißen sollen: Dass der jahrelange Missbrauch schwerwiegende psychische und soziale Folgen für sie gehabt, sie sich über lange Zeit selbst die Schuld gegeben hätte. Die Folgen: Selbstverletzung, suizidales Verhalten, Depression, Klinikaufenthalte und Therapien. Auch heute noch hätte sie Panikattacken, wenn ihr Männer mit Glatze begegneten, wie Florian G. eine hat, wenn sie mahlende Kiefermuskeln sehe. 

Angeblich fast täglich missbraucht

Der Angeklagte soll sie ab ihrem vierzehnten Lebensjahr fast täglich missbraucht haben, meist durch Geschlechtsverkehr. „Er hat nur von mir abgelassen, wenn ich meine Tage hatte“. Die junge Frau beschreibt auf Nachfrage der Richterin zwei Situationen, die ihr aufgrund ihres enorm demütigenden Charakters besonders deutlich in Erinnerung geblieben seien: Als das Mädchen elf Jahre alt war, soll G. sich an den Türspion gestellt haben, um zu sehen, wann die Mutter von Steffi M. nach Hause komme. Dann soll er seine Hose und Boxershort heruntergezogen und M. gezwungen haben, sich vor ihn zu knien, ihren Kopf gepackt und mit beiden Händen an sich herangezogen haben, so dass sie nicht weg konnte. G. soll dann in ihren Mund eingedrungen sein und sie Oralverkehr an sich ausführen lassen haben. Ein anderes Mal soll G. sie gezwungen haben, sich im Spiegel ihres Kinderzimmerschrankes selbst dabei zu beobachten, wie er sie vergewaltigte. Sie habe erst mit vierzehn Jahren so richtig verstanden, dass das alles so erniedrigend war. „Davor habe ich nicht gewusst, ob es richtig oder falsch ist“, sagt M. Sie hätte auch nie die Chance gehabt, normal zu sein. „Als die anderen aus meiner Schule in das Alter kamen, wo sie über ihr erstes Mal redeten, was hätte ich da sagen sollen“, fragt M. die Richterin und bricht erneut in Tränen aus.

Jetzt versucht die 25-Jährige, die heute selbstständig vom Holzhandel lebt und alle Medikamente hinter sich gelassen hat, tapfer zu sein. Als Gs Verteidiger sie ins Kreuzverhör nimmt und sie fragt, wie sie das dann eigentlich aushalte, G. die ganze Zeit gegenüber zu sitzen, sagt sie: „Ich will einfach stark sein und die Sache bis zum Ende durchziehen“. Der Prozess dauert an.

Julia Traut

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