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Im Schneckentempo? Nein, der Bau der Grafinger Ostumfahrung ging zügig voran. Bis es zum Bau kam, vergingen allerdings Jahre – Jahre der harten politischen Auseinandersetzung des Streits.

Grafinger Ostumfahrung eröffnet

Das „Straßerl“, das zum Bauwerk wurde

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Die Grafinger Ostumfahrung ist am Mittwoch feierlich eröffnet worden. Es gab Gesten, Seitenhiebe und die Mahnung zur Verkehrswende.

Grafing– Es begann mit einer Geste. Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) lud ihren Vorgänger Rudolf Heiler (FW) ein, das Band zur Eröffnung der Grafinger Ostumfahrung mit durchzuschneiden. Schließlich habe er sich jahrelang für die Straße eingesetzt und dafür auch einen Teil seiner Gesundheit geopfert, meinte die Rathauschefin. Einen Seitenhieb auf den Vorgänger hatte sie aber auch parat.

Denn: Die Ostumfahrung sei lange eine Vision gewesen, „die den Marktplatz komplett vom Verkehr entlasten sollte“. Die Vorstellung sei gewesen, dass „dort draußen vor der Stadt ein Straßerl“ entstehe, ungefähr so wie der ausgebaute Feldweg nach Nettel-kofen. Die Planungen hätten aber gezeigt, dass es sich um ein echtes „Ingenieursbauwerk“ handle, mit Kreisverkehren, Lärmschutzwänden, Brücken, Durchlässen für Tiere und für Hochwasser und „naja, einem Damm, lieber Herr Heiler“. Klar stehe die Straße auf einem Damm, denn sonst wäre sie ja eingegraben oder hätte keinen Unterbau. Damit erinnerte Obermayr an einen Aspekt in der in der Vergangenheit teilweise hitzig geführten Debatte um das Projekt.

Von „großer Genugtuung und Zufriedenheit“ sprach Heiler gegenüber der EZ. „Dafür habe ich gekämpft.“ Widerstand gegen die Trasse habe es auch in der CSU gegeben. „Ohne den Bürgerentscheid, den ich initiiert habe, hätte es die Straße nicht gegeben.“

Auch Landrat Robert Niedergesäß (CSU) erinnerte an den Bürgerentscheid im Jahr 2008. „Das war ein knappes Rennen.“ Bei solchen Projekte geben es immer ein Für und Wider, es gebe Gewinner und Verlierer. Niedergesäß verwies auf die Menschen, die eine Straße in die Nähe ihres Hause gesetzt bekommen hätten. Er hob aber auch hervor, dass es „im Herzen der Stadt Grafing“ nun Entwicklungsmöglichkeiten gebe.

Nachdenkliche Worte kamen vom evangelischen Pfarrer Axel Kajnath, der zusammen mit seinem katholischen Amtsbruder Anicet Mutonkole-Muyombi die neues Trasse segnete. Kajnath betonte, man solle die Vorgeschichte der Straße nicht vergessen. Über Jahrzehnte sei diskutiert und gestritten worden. Die Straße solle jetzt nicht die Straße der Gewinner werden. Man solle auch diejenigen mitnehmen, die eine andere Meinung haben oder hatten. Kajnath wünschte sich Versöhnung. Er verwies auf den großen Flächenverbrauch in Bayern und auf das Opfer der Natur für die Straße. Ein Satz, mit roter Kreide auf den Radweg am Kreisel gemalt, war ein letzter Protest eines Umfahrungsgegners. „Hier zerstört der Freistaat Bayern meine Heimat“, stand dort zu lesen.

Obermayr bedankte sich in ihrer Rede bei den Grafingern, die nach der trennenden Diskussion im Zuge des Bürgerentscheids wieder zusammengefunden hätten. „Respekt für diese Leistung.“ Dann aber ging ihr Blick nach vorne. Durch die Ostumfahrung würden sich die Verkehrsabläufe in Grafing ändern. Viele Bereiche würden entlastet, andere Straßen aber belastet, Vorfahrtsregelungen würden geändert, Ampeln seien geplant. „Dies ist ein Veränderungsprozess, der uns in Grafing herausfordert.“ Es sei ihr Job als Bürgermeisterin, der Job der Stadtverwaltung und des Landratsamtes, diesen Prozess zu gestalten und die Bürger dabei mitzunehmen. „Lassen Sie uns die Chance nutzen, die die Verkehrsreduzierung in der Stadt bietet“, so Obermayr. Das sei ein spannender Prozess, „auf den ich mich freue“.

Christian Rehm, Leiter Straßenbau im Staatlichen Bauamt Rosenheim, verwies auf sich nun ergebende Umbaumöglichkeiten, beispielsweise in der Rotter- oder der Wasserburger Straße. Klar wurde jedoch auch: Mit der Umfahrung werden nicht alle Verkehrsprobleme der Stadt gelöst. Die Umfahrung sei ein kleines Stück Straße im Straßenverkehrsnetz Bayern, aber ein große Stück mehr Sicherheit, so Rehm.

Obermayr hatte in ihrer Rede noch einen weiteren Ansatz. Nachdem sich Anhänger von ÖPNV und Individualverkehr lange Zeit unversöhnlich gegenüber standen, habe die Debatte inzwischen wieder neuen Schwung erhalten. Raum, Natur und Platz in der Stadt seien endlich, so Obermayr. Ein Mehr an Umfahrungen und anderen Straßen werde die Staus nicht auflösen und auch keinen freien Parkplatz her zaubern.

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