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Ludwig Danzer (15) aus Grafing besucht die Wirtschaftsschule in Bad Aibling. Derzeit geht er auf Krücken und muss stundenlang auf den Bus warten. 

Grafinger Schüler muss stundenlang warten

Bürokratie will nicht Bahn fahren

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Mehrkosten würden dem Landkreis nicht entstehen, ein Schüler, der derzeit an Krücken geht, müsste nicht stundenlang auf den Bus warten, und  Großeltern des 15-Jährigen müssten nicht dauernd zum Abholen mit dem Auto nach Bad Aibling fahren. Nur: Die Bürokratie ist dagegen. Woran hakt es hier eigentlich?

Landkreis – Die Mutter des Schülers, Gertrud Danzer aus Grafing, schildert folgende Situation: Ihr Sohn Ludwig besucht derzeit die 10. Klasse der Wirtschaftsschule in Bad Aibling. Dorthin fährt er mit dem Bus – einem normalen Linienbus. Die Fahrkarte sponsert die Kreisbehörde, aber eben für die Busfahrt, nicht für eine Bahncard. Die Fahrt mit der Bahn würde dem Schüler aber wöchentlich viele Stunden Wartezeit ersparen. „Die letzten Schuljahre fielen immer wieder Stunden aus, die im gültigen Stundenplan nicht erfasst waren“, berichtet die Mutter. Dieser Stundenplan muss zum Nachweis in der Kreisbehörde vorgelegt werden. Auf Nachfrage sei ihr dort aber sogar gesagt worden, dass „angebotete Kurse der Schule am Nachmittag zur Vorbereitung der Abschlussprüfung ein Privatvergnügen ihres Sohnes“ seien. Geld für eine Bahncard gebe es nicht, Busfahren sei billiger. Die Mutter wird sauer, besonders auch deswegen, weil sie die Mehrkosten für die effizientere Bahncard „selbst bezahlen würde“, wie sie ausdrücklich bestätigt.

Im September wendet sich die Frau deshalb schriftlich und hilfesuchend an Landrat Robert Niedergesäß (CSU), der tatsächlich innerhalb einer halben Stunde antwortet: „Vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich habe Ihr Anliegen bereits zur Prüfung in das zuständige Sachgebiet weitergeleitet und werde mich mit meinen Mitarbeitern dazu besprechen. Die Spielräume bei der Schülerbeförderung sind leider rechtlich wirklich sehr eng … wir werden prüfen, was sich machen lässt! Ich melde mich wieder bei Ihnen!“ Dann passiert wochenlang nichts.

„Ich bin berufstätig und habe immer wieder das Problem, die Abholung in Bad Aibling zu organisieren“, schildert die Mutter die Konsequenz der Stundenausfälle. „Die letzten Jahre wurde mein Sohn immer wieder von meinen Eltern, die beide über 80 Jahre sind abgeholt. Ich kann es ihnen nicht mehr zumuten.“ Die Bahnanbindung würde die Wartezeiten des Schülers zwar erheblich verringern, in der zuständigen Abteilung der Kreisbehörde bekommt Gertrud Danzer ihrer Schilderung nach aber die Auskunft, „dass die rechtlichen Bestimmungen das nicht zulassen“. Warum eigentlich, wenn keine Mehrkosten entstehen, dem Schüler damit aber geholfen wäre?

Auf eine Nachfrage der Ebersberger Zeitung räumt Landrat Niedergesäß ein, dass er sich „in diesem Fall sehr schwer“ tue. Es werde intern noch um eine Lösung gerungen. „Einerseits verstehen wir das nachvollziehbare Anliegen der Familie Danzer und würden eine pragmatische Lösung gerne unterstützen, andererseits entspricht es nicht den strengen gesetzlichen Regularien der Schülerbeförderung, die bis auf wenige Ausnahmen vorgeben, dass dem günstigeren, zumutbaren Beförderungsweg der Vorzug zu geben ist. Würden wir hier eine Ausnahme machen, so könnte sich zudem folgende Konsequenz ergeben: Wir wissen, das mehrere Familien die Lösung mit der Bahnkarte bevorzugen würden, was ja auch verständlich ist, weil man die Bahnkarte z. B. auch am Wochenende nutzen kann.“

Diese Antwort wirft bei näherer Betrachtung folgende Frage auf: Wenn die Bahncard ohne Mehrkosten für den Landkreis Ebersberg auch für andere Familien die bessere Lösung ist, warum wird sie dann nicht ermöglicht? Niedergesäß: „Wir schaffen einen Präzedenzfall, der nun durch die Berichterstattung vermutlich noch mehr Beachtung und damit Nachfrage zur Folge haben könnte.“ Die Folge sei unter anderem ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand. Das sei aber nicht das Einzige. „In der Konsequenz könnte das dazu führen, dass bei mehrfacher Inanspruchnahme der Bahnkarte – gerechterweise müsste man das ja allen ermöglichen – dem Betreiber der eigenwirtschaftlichen Buslinie die Einnahmen spürbar einbrechen und er die Schulbuslinie einstellt, was dann denjenigen zurecht missfallen würde, die den Bus bevorzugen.“ Eine konziliante Einzelfallentscheidung könne im Ergebnis zu Nachteilen für andere Beteiligte führen. „Wir werden die Entscheidung zeitnah treffen“, verspricht Niedergesäß und spricht von „Probelösung“.

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