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Wollen sich wehren: Hans Altmann (links) mit weiteren Anliegern der Wasserburger Stra ße in Grafing, denen vielleicht demnächst hohe Kosten für den Bau eines Geh- und Radweges ins Haus stehen.

Anlieger der Wasserburger Straße sind in großer Sorge

Grafinger sollen bluten

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Die letzte Wortmeldung in der Grafinger Bürgerversammlung könnte mächtig Ärger bedeuten. Es geht um die Ausbaubeiträge für den Geh- und Radwegebau in der Wasserburger Straße.

Grafing – Die Anlieger sollen für den Geh- und Radwegebau zur Kasse gebeten werden – etwa 60 Jahre nach Herstellung der Straße durch den Freistaat. Die Bürger werden sich wehren, kündigt, Hans Altmann (51) an. Er ist ein Betroffener.

„Das lassen wir uns nicht gefallen“, sagt Altmann gegenüber der Ebersberger Zeitung. Seine Nachbarschaft und er selbst wollen sich in dieser Angelegenheit um Rechtsbeistand bemühen.

Die Situation ist nicht unknifflig. Möglicherweise wurden die Bauträger, die in den 1960-er Jahren an der Wasserburger Straße Gebäude errichtet haben, nämlich über Erschließungsbeiträge bereits an den Kosten beteiligt. Die wären dann mit Sicherheit auf die Eigentümer übertragen worden. Aber genau weiß das niemand. „Wir haben keinerlei Unterlagen mehr darüber“, räumt Stefan Pecher von der Stadtverwaltung dazu ein.

55 Prozent des finanziellen Aufwands sollen die Anlieger jetzt laut städtischer Ausbaubeitragssatzung übernehmen. „Das ist den Leuten nicht wirklich zu vermitteln“, glaubt Pecher. Er verweist aber auch darauf, dass die Stadt diese Beiträge aufgrund der gesetzlichen Vorschriften von den Bürgern verlangen muss. Solche Situationen sorgen nicht nur in Grafing für erbitterte Diskussionen. Dabei steht hier die Höhe noch nicht einmal fest, so dass sich die Betroffenen darauf einstellen könnten. „Jede Zahl wäre falsch“, wehrt Pecher ab. Es gebe noch keine Kostenschätzung, geschweige denn eine genaue Kostenberechnung. „Dass sich die Begeisterung da in Grenzen hält, ist verständlich.“

Virulent wurde das Thema durch den Bau der Ostumfahrung. Jetzt soll die Wasserburger Straße zur Gemeindestraße herabgestuft werden, weil sie ihre überörtliche Bedeutung als Staatsstraße verloren hat. Vorher wird sie durch den Freistaat in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzt. Das bezahlt das Straßenbauamt Rosenheim, ist bereits vereinbart. Nicht übernehmen wird der Freistaat aber die Kosten für den Bau des Gehweges, der auch dadurch noch teurer wird, weil die Stadt Grafing nach jetziger Planung einen Radweg angliedern will. Die Begeisterung über diese Maßnahme, von der die Anlieger profitieren würden, wich alsbald der Ernüchterung, als deutlich wurde, wer das bezahlen soll – zur über die Hälfte die Anlieger selbst.

Der Zustand des Gehweges auf Höhe Birkenholz ist inzwischen gefährlich. Die Fahrbahndecke hat sich vermutlich infolge von Wasserleitungs- oder Kanalproblemen gesenkt mit der Konsequenz, dass sich die Bordsteine bedenklich in Richtung Straße neigen. Das wurde auf einer vorangegangenen Bürgerversammlung bereits von Anliegern moniert.

Der Bauausschuss hat diesen Mangel in einer Sitzung im März vor zwei Jahren bereits aufgegriffen. Laut damaligem Protokoll wurden die vorläufigen Kosten der Gehwegerneuerung vom Staatlichen Bauamt „mit insgesamt 135 000 Euro inklusive Baunebenkosten ermittelt“. Von einem gleichzeitigen Radwegebau war da noch nicht konkret die Rede, wohl aber von einem weiteren Problem: „Aufgrund des altersbedingten schlechten Bauzustandes, gehäufter Rohrbrüche und den aus Folge der Straßenbaumaßnahmen zu erwartenden Schädigungen ist vorab die gesamte Trinkwasserleitung in der Wasserburger Straße zu erneuern.“ In demselben Protokoll hieß es damals: „Die Gehwege haben ihre reguläre Nutzungsdauer von 25 Jahren deutlich überschritten.“

Die Anlieger werden sich jetzt am Mittwoch, 6. Dezember, um 19.30 Uhr im Grafinger Kastenwirt zu einer Strategiebesprechung treffen, kündigt Altmann an.

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