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Sowas wie Grafing hat er noch nicht erlebt: Verkehrsplaner Helmuth Ammerl in der Grafinger Stadthalle. Er steht vor einer scheinbar unlösbaren Aufgabe. 

Nach Eröffnung der Ostumfahrung

Grafinger Verkehr: Verfahrene Situation

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Grafing steht vor einem drängenden Problem: Wie soll der Straßenverkehr im Zentrum der Stadt nach Eröffnung der Ostumfahrung geregelt werden. Eine verfahrene Situation.

Grafing – „Wenn wir den Schwerlastverkehr draußen haben, besteht die Chance, dass wir uns mit dem Fahrrad oder zu Fuß sicher in Grafing bewegen können“: Für diese Aussage von Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) gab es am Dienstagabend in der Stadthalle den ersten Applaus der Bürgerschaft. Die hatte sich derart zahlreich versammelt, dass die Sitzplätze knapp wurden.

Es ging um Grafings drängendstes Problem: Den Straßenverkehr im Zentrum nach Eröffnung der Ostumfahrung. Dazu hatte Obermayr den Verkehrsplaner Helmuth Ammerl eingeladen. Und dessen Simulation der künftigen Fahrzeugströme ließ viele Zuschauer erschrocken zurück. Sie konnten sich am Bildschirm live ansehen, wie sich der Verkehr künftig in der Rotter Straße weit Richtung Schönblick zurückstauen wird. Das besonders Schlimme an dieser Situation: Es wird der Fußgängerübergang auf Höhe des Ägidiusweges überstaut. Dabei handelt es sich um Grafings wichtigsten Schulweg.

Während die Kinder also zwischen den Richtung Marktplatz aufgestauten Fahrzeugen durchwuseln, laufen sie womöglich in den frei und schneller fließenden Verkehr auf der Gegenspur Richtung Rott – wenn nichts gegen diese Situation unternommen wird, bei deren Vorstellung alleine eigentlich alle Magenschmerzen bekommen sollten.

Ammerl räumte in seinem sehr anschaulichen Vortrag ein: „So einen Fall wie Grafing hatte ich noch nie“. Dreh- und Angelpunkt einer künftigen Verkehrslösung ist die Stelle, an der die Rotter Straße auf den Markplatz trifft. Ein Kreisel kommt hier nicht in Frage, wie Verkehrssachbearbeiter Hermann Ziegler vom Landratsamt Ebersberg gleich klarlegte. Diese Idee „hatte sich ziemlich schnell erledigt“ inclusive der Version als Minikreisel, wie er zum Beispiel in Unterlaus an der Landkreisgrenze eingebaut wurde. Nicht einmal der hätte nämlich auf der Kreuzung Platz und das ist vielleicht sogar ganz gut, denn diese Konstruktion hat auch einen Pferdefuß: „Minikreisel sind gut für den Berufsverkehr aber ganz schlecht für Fußgänger und Radfahrer“, sagte Ziegler.

In ihren einführenden Worten hatte die Bürgermeisterin darauf hingewiesen, wie viel Verkehr in Grafing eigentlich hausgemacht ist. „Wir sind der Stau“, meinte sie. Und Ammerls Untersuchungen gaben ihr ein bisschen Recht. Er hatte nämlich bei seinen Erhebungen folgende Beobachtung gemacht: „Es sind 300 Fahrzeuge pro Stunde die am Marktplatz im Kreis fahren auf der Suche nach einem Parkplatz.“

Ammerl kann der verfahrenen Situation aber etwas Positives abgewinnen: „Es gibt hier die einzigartige Chance, die Prognosen zeitnah zu überprüfen.“ Und das soll folgendermaßen aussehen: Nach Inbetriebnahme der Ostumfahrung wird im Innenstadtbereich zunächst alles so bleiben wie bisher. Damit wollen Planer und Straßenbauamt testen, wo die wirklichen Brennpunkte entstehen.

Eindeutig favorisiert – und das wurde bei dem Infoabend in der Stadthalle deutlich, wird eine Ampellösung mit drei Ampeln am Knotenpunkt Marktplatz, Rotter Straße. Die Haltelinie wird in der Rotter Straße dabei weit nach hinten verlegt, dass sich in der engsten Stelle kein Lieferverkehr begegnen kann. Das Nadelöhr ist nämlich so knapp bemessen, dass kaum zwei Mercedes Sprinter aneinander vorbei kommen. Durch die Ampel wird auch ein zweiter Effekt erreicht: Die Autofahrer müssen nicht so weit in die Kreuzung einfahren, dass sie den Verkehr aus Richtung Ebersberg sehen. Damit blockieren sie den Weg bereits. Ammerl sagte aber auch: „Wir wollen den Durchfahrtswiderstand durch die Stadt etwas erhöhen.

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