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Für die Grafinger zu teuer waren die neuen Doppelhaushälften an der Wolfschlucht.

Umstrittenes Grafinger Baugebiet

Wolfschlucht: Ein letzter Stoßseufzer

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Grafing - Der Verkauf lief schleppend und völlig anders als geplant. Im Einheimischen-Baugebiet an der Wolfschlucht in Grafing kam nur ein einziger Einheimischer zum Zug. Immerhin: Alle elf Doppelhäuser sind inzwischen verkauft, wenn auch noch nicht alle bezogen sind.

Kinderkritzeleien auf dem frisch geteerten Wendehammer zeugen davon, dass hier wenigstens Familien mit Nachwuchs ein Eigenheim erworben haben. Platz genug ist für sie auf alle Fälle, die Grundstücke sind großzügig, die Häuser ebenso.

„Alles verkauft“: Ein oranger Button auf der Internetseite des Bauträgers „Frei und Essler aus Starnberg“ könnte als erleichterter Seufzer verstanden werden und auch Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) sagt vorsichtig: „Ich rühre da nicht mehr daran, das hat tiefe politische Wunden in der Stadt gerissen.“

Zur Erinnerung: Die Bevölkerung von Grafing, die mit dem Projekt Hoffnungen auf den Erwerb von verbilligten Wohneigentum verbunden hatte, sah sich arg enttäuscht und machte dieser Enttäuschung auch lautstark Luft. Der ursprüngliche Grundeigentümer, der inzwischen verstorbene Bräu Max Josef Schlederer verlor sein Stadtratsmandat, obwohl er an der von der Stadt eingeschlagenen Baulandpolitik in diesem Fall keinen entscheidenden Anteil hatte. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Causa Wolfschlucht auch maßgeblichen Einfluss hatte auf die Bürgermeisterwahl, bei der die CSU-Stadträtin Susanne Linhart schließlich Angelika Obermayr unterlag.

In Zeiten, in denen sich viele Verkäufer unter mehreren Kaufwilligen einen raussuchen können, lief der Abverkauf der Häuser eher zäh, obwohl der Bauträger das Areal etwas euphemistisch in „Sonnenanger“ umgetauft hatte.

Einen Gewinner gab es aber doch in diesem Match. Und das ist die Stadt Grafing selbst. Wie Kämmerer Christian Bauerl bekanntgab, floss eine Zahlung von insgesamt 438 000 Euro in die Stadtkasse. Der Betrag stammt vom Bauträger, der auf diese Weise Kompensation leisten musste, eben weil sich keine einheimischen Käufer fanden und diese Zahlung vertraglich festgelegt worden war.

Richtig glücklich ist darüber freilich niemand, auch wenn Obermayr angesichts der städtischen Kassenlage sagt: „Das Geld tut uns ganz gut.“ Wiederholen soll sich so ein Fall aber nicht mehr, weshalb die Bürgermeisterin auch darauf hinweist, dass entsprechende „Grundsatzbeschlüsse umgekrempelt“ wurden. „Das war ein hartes Ringen um einen Kompromiss.“ Künftig soll der Sonderanteil an Bauland für einheimische Bevölkerung mit besonderem Wohnbedarf vorher bestimmt werden. Im neuen Baugebiet Am Aiblinger Anger werden deshalb Reihenhäuser und Wohnungen für diesen Personenkreis entstehen, die dann „verbilligt abgegeben werden“, so die Rathauschefin auf Anfrage.

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