Für 30-jährige Tätigkeit als Maler- und Lackierermeister hat Michael Hirschläger aus Grafing den Goldenen Meisterbrief bekommen. Der 67-Jährige arbeitet weiter auf „450_Euro-Basis“.
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Für 30-jährige Tätigkeit als Maler- und Lackierermeister hat Michael Hirschläger aus Grafing den Goldenen Meisterbrief bekommen. Der 67-Jährige arbeitet weiter auf „450_Euro-Basis“.

Hausbesuch bei Grafinger Handwerker und Ex-Stadtrat

Malermeister aus Leidenschaft: Vor Michael Hirschläger ist kein Haus sicher

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Kaum ein Grafinger Haus, in dem er nicht schon war. Michael Hirschläger ist Maler aus Leidenschaft. Ein Hausbesuch bei einem, der dem Handwerk goldene Zeiten vorhersagt.

Grafing – Andere haben eine Weltkarte an der Wand, auf der ihre jeweiligen Urlaubsorte mit bunten Stecknadeln markiert sind. Malermeister Michael Hirschläger hingegen hat einen Stadtplan von Grafing im Büro hängen. Auf dem sind alle Häuser markiert, an oder in denen er schon gearbeitet hat. „Etwa ein Viertel“, schätzt er den Anteil der Anwesen, die er beruflich bisher noch nicht besucht hat. Kann aber noch werden. Denn noch ist er nicht in Rente. Für seine über 30-jährige Tätigkeit als Maler- und Lackierermeister hat er jetzt vom Landesinnungsverband München den Goldenen Meisterbrief verliehen bekommen. Eine seltene Auszeichnung. Anlass für ein Gespräch über Handwerk, Heimat und Hintergründiges.

Michael Hirschläger: Goldener Meisterbrief wird gerade gerahmt

Der Stadtplan ist übersät mit bunten Punkten. Seit 1967 ist Hirschläger in seinem Beruf tätig. „Am Anfang als Lehrling bei meinem Vater im Betrieb“, erinnert sich der 67-Jährige. Die Familie ließ sich in Grafing nieder. Hirschlägers Vater stammt aus Ungarn, seine Mutter aus dem damaligen Jugoslawien. Auf die Welt gekommen ist er selbst 1953 im Glonner Rathaus. „Da waren zwei Hebammenzimmer.“ Opa und Michael Hirschläger senior kauften in Grafing in der Glonner Straße ein Gebäude, das nach und nach hergerichtet wurde. „Hier war der Kuhstall“, sagt Hirschläger und deutet auf das Wohnzimmer hinter sich. An der Wand hängen viele Auszeichnungen und Ehrenurkunden. „Das sind nur die Wichtigsten“, winkt er ab. Sein ehrenamtliches Engagement – etwa als langjähriger Kommandant der Grafinger Feuerwehr – ist trotzdem nicht zu übersehen. Der Goldene Meisterbrief ist noch nicht dabei. „Der ist beim Einrahmen.“

Malermeister Hirschläger: Das Handwerk bekommt wieder goldenen Boden

Der Malerbetrieb, für den Hirschlägers Vater den Meister in Abendkursen machen musste, lief gut und das über alle Jahrzehnte. In Gefahr war das Unternehmen nie, trotz aller konjunkturellen Schwankungen. Inzwischen wird der Betrieb in dritter Generation von Michaels Tochter Sabrina geführt, als Gesellschaft bürgerlichen Rechts. „Ich hab zu ihr gesagt: Du kannst das machen, musst aber nicht.“ Die Sabrina wollte, schon weil sie als Kind gerne mitgemalt hat, und der Vater ist stolz darauf. Nicht nur deswegen hilft er als Meister im Betrieb weiter mit „auf 450-Euro-Basis“. Sein Rat ist nach wie vor gefragt. „Es gibt keine Farbe, die ich nicht mischen kann“, und wenn er ihr mit einer Handvoll Straßenstaub den letzten Schliff geben müsse, dass man keinen Unterschied sieht zu einem älteren Anstrich. „Richtig Farben mischen kannst du erst ab 30 Jahren Erfahrung. Man muss sich zu helfen wissen, aus etwas Unmöglichem etwas machen können.“ Dann aber sei einer im Handwerk genau richtig. „Das Handwerk bekommt wieder goldenen Boden“, ist sich Hirschläger sicher.

Michael Hirschläger: Anfangs für den Beruf geniert

Früher seien vielleicht fünf bis sechs Schüler eines Jahrgangs ins Gymnasium gegangen. Heute seien es schon über 35 Prozent. „Wenn der Vater Doktor ist, muss der Sohn Professor werden“, bedauert der Malermeister heutige Schülergenerationen. „Dabei kann man sich auch als Handwerker verwirklichen.“ Mit einem Meisterbrief könne man studieren, vielleicht sogar Architekt werden. „Dann hast du aber zumindest schon einmal einen Grundverstand. Du weißt, wie es auf einer Baustelle zugeht.“ Allerdings kann sich der Handwerksmeister noch genau an eine Situation erinnern, in der er sich für seinen Beruf „ein bisschen geniert“ habe. Das war, als er als Lehrling auf einer Baustelle gegenüber der Schule gearbeitet habe, während seine Kameraden dort auf der schulischen Laufbahn weiter nach oben kletterten. „Da hab ich mich versteckt, weil ich geglaubt habe, dass das eine minderwertige Sache ist“, gibt Hirschläger zu.

Würde er heute etwas anders machen? „Nein, auf keinen Fall.“ Wenn er durch Grafing fährt, fährt er an zahlreichen seiner Arbeiten vorbei. Sirtl, Rathaus oder der Erker beim Deisenrieder, alles trägt seine Handschrift. „Den Erker habe ich bestimmt zehnmal gemacht“, sagt der Malermeister. Immer wieder krachen dort die Auflieger von Lastwagen dagegen.

Auf den Baustellen ist der Ton schon mal rau, aber Hirschläger betrachtete seinen Betrieb immer als große Familie, ein Begriff, der auch privat für ihn immer eine große Rolle spiele. „Man hilft sich gegenseitig.“ Und das gelte auch für seine Mitarbeiter. Als er eingeführt hatte, dass die Betriebsangehörigen keine Mittagspause mehr machen, sondern dann etwas essen sollten, wenn sie Hunger hatten, waren alle dafür. Schließlich waren sie dann um 16 Uhr zuhause, „bei ihren Familien“, sagt Hirschläger. „Ich mache eine Kalkulation und eine Nachkalkulation. Wenn das nicht geklappt hätte, wäre mir das sofort aufgefallen“, sagt der erfahrene Meister und grinst.

Michael Hirschläger als „graue Eminenz“

Hirschläger war viele Jahre im Stadtrat, trat schließlich aus der CSU aus und ist in Grafing auf lokaler Ebene immer noch so etwas wie eine graue Eminenz. Stadtrat und Handwerksmeister, gibt das keine Interessenskonflikte? Hirschläger wehrt ab. „Ich habe mal einen Auftrag nicht bekommen, weil ich 6,80 Euro zu teuer war“, meint er. Überhaupt säßen im Grafinger Ratsgremium zu wenige Handwerker. Die könnten der Stadt nämlich viel Geld sparen, sagt Hirschläger, weil oft der allerbilligste Bieter zum Zuge komme, später aber Arbeiten, die nicht oder nur schlecht ausgeführt wurden, von den einheimischen Betrieben auf Regie, also auf Stundenbasis erledigt werden müssten. Wenn es pressiert, müssten ohnehin die heimischen Maler ran, etwa dann, wenn irgendwo rechtsradikale Schmierereien schnell beseitigt werden müssen.

Michael Hirschläger und die pudelnackte Frau

Stimmt das mit den Erlebnissen, die den Handwerkern nachgesagt werden, wenn der Mann außer Hauses ist und der Maler kommt? „Einmal ist mir eine Frau pudelnackt entgegengekommen“, erinnert sich Hirschläger. Das sei die Frau eines Prinzen und Herzogs gewesen, die gerade aus der Sauna gekommen sei, bei einem Auftrag in München. Den hat er dann trotzdem bekommen. „Wäre das 100 Jahre früher gewesen, könnten wir uns Königliche Hofmaler nennen“, sagt der Malermeister. Eine Ehrung, die in seiner Sammlung noch abgehen würde. Hirschläger ist Handwerker aus Überzeugung geblieben. „Wenn’s uns nicht gäbe“, sagt er, „würden die Akademiker im Winter in ihren Wohnungen erfrieren.“

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