So ein schmales Rinnsal ist der Wieshamer Bach nicht immer. Bei Starkregenfällen kann das Bächlein ganz schon ansteigen. Die Stadt bastelt deshalb an einem Hochwasserschutzkonzept. Foto: Stefan Rossmann

Hochwasserschutz ein Dauerbrenner in Grafing

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Grafing - Die Grafing kauft ein Grundstück und braucht es dann doch nicht. Ein Vorgang, den die CSU kritisiert. Sie spricht von einer 180-Grad-Wende.

Hat die Stadt Grafing Geld für Grund und Boden ausgegeben, für dessen Erwerb es gar keinen zwingenden Grund gab? Diese Vermutung legt ein Antrag der CSU-Stadtratsfraktion an die Verwaltung nahe, in dem von einer „180-Grad-Wendung“ die Rede ist.

Es geht einmal mehr um den Hochwasserschutz der Stadt. Die CSU will sich deshalb die aktuellen Pläne von der Firma RoPlan erläutern lassen. Denn allem Anschein nach scheint ein früher einmal geplantes Regenrückhaltebecken für den Seeoner Bach kurz vor dem S-Bahn-Damm nicht mehr nötig zu sein. Wie kommt das zustande?

Bürgermeisterin Angelika Obermayr räumt auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung ein, dass das in Rede stehende Grundstück „nicht die wichtige Bedeutung hat für die gesamte Regenrückhaltesituation“ der Stadt. Sie bestätigt auch, dass durch die Stadt bereits Grund erworben wurde. Aber laut Obermayr wurde diese Erwerbung auch getätigt, um dort Renaturierungsmaßnahmen durchzuführen. „Jede Renaturierungsmaßnahme dient dem Hochwasserschutz“, weil auf den Flächen mehr Wasser versickern und damit ebenfalls einem möglichen Hochwasser vorgebeugt werden könne, sagt die Bürgermeisterin. Für die CSU wiederum ist das schwer nachvollziehbar, „nachdem die Verwaltung mit erheblichem Aufwand erreicht hat, dort Flächen zu erwerben bzw. einzutauschen, um dort gemäß vorheriger Planung ein Rückhaltebecken zu schaffen.“ Wenn also die bisherige Planung überholt sei, sollte das beauftragte Ingenieurbüro die neuen Planungen „vorlegen und mit entsprechenden Modellen erläutern“, fordern Max Graf von Rechberg und Josef Carpus für die CSU-Fraktion.

Unter dem Eindruck der Schadensereignisse durch Hochwasser in Deutschland ist das Thema in Grafing wieder in den Blickpunkt gerückt. Vor allem die CSU drängt seit Jahren darauf, dass der Hochwasserschutz für die Stadt verbessert werden müsse. Schwerpunkt der Bemühungen ist dabei die Urtel, für die am westlichen Ortsrand von Grafing ein großer Flutpolder geplant ist. Dabei handelt es sich um ein niedriges, natürlich gestaltetes Becken, das für den Fall, dass die Urtel durch Grafing große Wassermassen führt, gezielt geflutet werden kann. Anschließend wird das Wasser kontrolliert wieder abgelassen. Die Innenstadt bliebe so von einer Hochwasserspitze unbetroffen.

Für Carpus und Rechberg sind aber noch zu viele Fragen offen. Vor allen Dingen auch Fragen, die sich erst in jüngster Vergangenheit ergeben hätten. Carpus möchte zum Beispiel wissen, was mit den Wassermassen wird, die bei Starkregen aus dem neuen Baugebiet „Am Doktorbankerl“ in Ebersberg Richtung Grafing fließen würden. „Da gibt es nur einen kleinen Durchlass unter dem Griechen in Gsprait“, schildert der Grafinger Stadtrat seinen Kenntnisstand. Für ihn ist der Wieshamer Bach, für den Fall dass der großflächig über die Ufer treten sollte, „mindestens eine genauso große Gefahr wie die Urtel“.

Verändert sich durch den Bau der Ostumfahrung das Hochwasserrelief in Grafing? Dieser Frage ist nach Informationen der CSU im Rahmen einer Bachelor-Arbeit über das Einzugsgebiet von Seeoner und Wieshamer Bach, sowie des Ziegelgrabens nachgegangen worden. „Hierbei wurde offenbar auch der Neubau der Ostumfahrung und der dabei entstehende Damm, sowie die damit verbundene Durchtrennung der geplanten Retentionsfläche Engerloh untersucht.“ Da diese Erkenntnisse für die weitere Planung „sicher von hoher Bedeutung“ seien, sollten sie dem Stadtrat zeitnah vorgestellt werden, fordern Carpus und Rechberg in ihrem Antrag.

Wie Obermayr bestätigt, wurde bereits ein Gesprächstermin vereinbart.

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